Axolotl Roadkill mochte ich nicht. Nicht wegen dieser Plagiatsgeschichte. Man kann ja auch hervorragende Kunst zusammenplagiieren (auch wenn man es nicht sollte). Aber Axolotl Roadkill war eines dieser chaotischen Bücher, bei der Pose und Effekthascherei das Fehlen von Struktur kaschieren sollten und der Literaturbetrieb war regelrecht geil darauf, ein 16 jähriges „Wunderkind“ zu Hypen, als wirklich überall die Substanz noch fehlte. Eigentlich mochte ich die Art des Umgangs mit Axolotl Roadkill noch viel weniger als das Buch. Jage zwei Tiger habe ich dann nicht gelesen, warum auch. Es wird so viel geschrieben.

Für die Buchpreisprognosen aber jetzt Bungalow. Und das ist gar nicht mal so schlecht. Nein: eigentlich sogar ziemlich gut. Eine Art Coming-of-Age-Geschichte, eingebettet in eine kaputte unbestimmte Großstadtwelt, die aber in eigentlich allen Problemstellungen eindeutig unsere ist. Nur ohne genaue Verortung. Sprachlich hart, in einem teils kalten, teils von heißer Wut durchzuckten Rhythmus. Vielleicht noch immer mit etwas zu viel Lust am Effekt und am dick aufgetragenen Unterschichts-/Prekariatsgrusel, meist aber gelungen. Gelungen: Das heißt hier auch: Der wiederum turbulenten Erzählung zum Trotz durchorganisiert. Es erzählt die Protagonistin Charlie, wohl aber als erwachsene Frau zurückblickend auf ihr Leben, was zur Erzählung eine gewisse Distanz ermöglicht und einige altkluge Einschübe halbwegs erklärt sowie einige andere Passagen, in denen es um Nebencharaktere geht, beinah auktorial wirken lässt. Zwischen Handlung und Erzählen liegt ein großer Krieg, der sich gegen Ende des Buches ankündigt.

Die besonders gebildet wirken sollenden Einschübe vertragen sich übrigens nicht so wirklich mit dem restlichen Ton der Erzählung:

„In seinem jetzigen Zustand konnte er ihren von William James bereits im letzten Jahrhundert als solchen bezeichneten komfortablen medizinischen Materialismus, der alles, was heilig war, mit Narzissmus oder falscher Ernährung oder Nahrungsmittelintoleranzen neutralisierte, noch Weniger ertragen als sonst.“

Ein wenig beißt sich auch die gewollt kindlich sprunghafte Weise, die Vergangenheit erzählerisch zu organisieren, mit der Tatsache, dass eben offenkundig kein Kind erzählt.

Und manchmal wirkt die Edgyness ein bisserl dick aufgetragen. Das scheint auch die Autorin zu merken, weil der Text sich dann gleich wieder distanziert:

„Die Straßenecke, an der seine Geliebte lebte, war die gekillteste. Man könnte auch sagen, die toteste, aber das stimmt nicht ganz. Sie war gekillt, auf Englisch.“

Aber die Stilbrüche sind eher selten. Alles in allem ein Text, der durchaus zu Recht auf der Longlist steht. Auf die Shortlist sollte er angesichts der diesjährigen Konkurrenz allerdings nicht gelangen. Im vergangenen Jahr hätte Bungalow aber zum Beispiel auch dort noch zurecht gestanden.

Bild: Pixabay, gemeinfrei