Der Roman ist eine Kunst-Schimäre, und er wird davon wohl auch nicht loskommen.

Er ist das einzige Kunstwerk, dass man während des Genusses zwanzigmal beiseite legt, und das einzige dem die breite Masse der Leser Weitschweifigkeit abverlangt und Konzentration übel nimmt.

Denn die Leser (ja, auch die „akademischen“) verlangen ja wirklich geradezu nach Geschwätzigkeit, theoretischen Exkursen, Diskurs Diskurs Diskurs. Es gibt nur ganz wenige, in etwa 13, Romane bei denen man nicht den Großteil des Textes ändern könnte und immer noch ein ähnlich gutes (oder schlechtes) Buch dastehen hätte. Genau 6 Romane der gesamten modernen Literaturgeschichte wären nicht besser als Kurzgeschichten oder Erzählungen erschienen.

Alle anderen Künste lassen sich nach kompositorischen Maßstäben recht gut vergleichen und auf ähnliche Nenner bringen. Ein gutes Gemälde, ein gutes Gedicht, ein gutes Stück Musik, eine gute Fotografie und sogar ein gutes Essen haben überraschend viel Gemein. In der Raum/Zeitnutzung, in der Bezüglichkeit der einzelnen Komponenten aufs Ganze, auch im Anspruch daran, dass zum Punkt gekommen werden soll. Vom Roman dagegen verlangt man ja geradezu, möglichst viele Elemente oraler Traditionen der Vormoderne zu enthalten. Die Zeit zu vertreiben.

Das kann dem Leser egal sein, er will unterhalten werden. Aber der Künstler, der sich ernsthaft an einen Roman setzt, kann es nicht verdrängen. Nein: Allzu aufdringlich sogar die Frage: Kannst du das denn nicht dichter schreiben? Und nur wenn nach radikalster Dichtung noch immer ein Roman übrig bleibt, ist es vielleicht der siebte, der zu existieren verdient.