So toll war der alte Bahnhof Zoo – Film auch nicht… Film-Freitag IV gegen antinostalgische Nostalgie

Ich habe mir aufgrund des Hypes rund um die neue Serie endlich mal den alten Bahnhof-Zoo-Film angeguckt. Und so sehr die Serie wahrscheinlich zu Recht verrissen wird – so toll ist die erste Verfilmung nun wirklich auch nicht:

Als Spielfilm funktioniert wir Kinder vom Bahnhof Zoo überhaupt nicht. Es gibt keine Geschichte, es gibt keinen Konflikt. Wer das Buch nicht gelesen hat, sieht eigentlich nur Bilder eines Abstiegs. Es wird nicht mal halbwegs klar gemacht, welche Zeitspannen zwischen den Stationen liegen. Da fängt die Protagonistin gerade an zu drücken, und schon macht sie ihren Entzug. Hat sofort ihren großen Rückfall und dann bleiben gerade noch 20 Minuten für die endgültige Abwärtsspirale und zum Schluss die lapidare Erklärung à la: „Ich habe überlebt. Ich wurde auf Kur ans Meer geschickt, und jetzt geht’s mir besser.“ Hurra.

Warum verstrickt sich Christiane überhaupt so in den Drogenkonsum? Wir erfahren praktisch nichts von der Familie, nichts davon, wie Christiane lebt, nichts aus zB der Schule. Nichts von ihren Freundschaften vor der Drogenzeit. Okay, die Mutter ist geschieden. Aber insgesamt scheint man ganz gut miteinander auszukommen. Zumindest den Familienkonflikt, den entwickelt die neue Serie anfangs. Und sagt bitte nicht, das werde im Film ausreichend „angedeutet“. Nope. Das „wissen“ wir alle, weil wir das Buch kennen. Aber ein Film muss seine Geschichte selbst erzählen.

Was die sonst fundierte und schön bissige Kritik der „Neuen“, die gerade so steil geht, dort vermisst: Dass eine ganze Generation komplett raus wollte, Vollzeit-Punk oder Vollzeit-Junkie sein – nein, auch das bringt der Film nicht rüber. Ja, in der Ästhetik spiegel sich die Zeit und vielleicht auch das Zeitgefühl. Aber in der Handlung?
Wenn ich der folge liegt es vielleicht an David Bowie? Der ist eigentlich das einzige, was die ganzen Süchtigen gemeinsam haben.

Bowie hören –> Junkie. Eine finstere Welt.

Aber okay. Zurück zum Film. Akzeptieren wir: Es ist einfach passiert und dann geht es nur noch abwärts. Jetzt müsste doch eine H a n d l u n g einsetzen. Die Mutter zB müsste als weitere P r o t a g o n i s t i n auftreten. Oder der Vater und/oder die Schwester. Irgendjemand, der für die Nicht-Drogenwelt steht. Und entweder Christiane da rausholen möchte, oder aber den Zuschauern verdeutlicht, warum sie da eben gar nicht raus möchte. Irgendetwas, was dafür sorgt, dass der Film Handlung hat und nicht nur Geschehen zeigt. Doch da ist nichts.

Gleichzeitig kann man aber kaum behaupten, dass das Ganze als Milieustudie besser funktioniert. Denn wie gesagt: Studiert wird da nichts. Dokumentiert wird da nichts. Untersucht wird da nichts. Am Ende bleiben zwei stunden schaurig-schöne, teils auch erschreckende Bilder aus den Siebzigern. Manch einer wird sagen, es bräuchte halt mehr Zeit. Das würd zumindest für die Idee einer Serie sprechen. Ich denke man hätte eine überzeugende Geschichte auch in zwei Stunden erzählen können. Es braucht eigentlich selten mehr. Man hätte nur eben auch müssen eine Geschichte erzählen wollen. Wenigstens im Ansatz.

So bleiben Bilder. Und anders als die Kritiker der „Neuen“ wahrhaben wollen weit mehr ästhetisierte 70s-Nostalgie, als man sich eingesteht, wenn man jetzt alt gegen neu in Anschlag bringt.

Bild: Eigenes. Hab keins vom Bahnhof Zoo.

3 Gedanken zu “So toll war der alte Bahnhof Zoo – Film auch nicht… Film-Freitag IV gegen antinostalgische Nostalgie

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