Artur-Projekt 15 – Das Diamententurnier.

Langsam verdichtet die Handlung sich im Artur-Projekt. In Episode 15 beginnt das zweite Schwert, das Morgana und Igraine haben schmieden lassen, entgegen der Intention den Zerfall des Reiches einzuleiten:

„„Diese Zeiten geben Grund zur Sorge“, sagte der König. Er stand, auf die Zinnen des inneren Walls gelehnt, nahe des Turms, den Myrrdin Wylt bewohnt hatte und blickte über die abendliche Stadt. „Die Ritter halten mich für schwach. Und dann dieser schmähliche Verrat…“ Rauchsäulen erhoben sich über den Dächern. Graues Abendlicht erhellte im Westen einen bedeckten Himmel. Noch regte sich Leben in den Straßen, doch schon befallen von der trägen Müdigkeit, die die nahende Nacht bringt. Marktstände wurden verrammelt. Kinder, die zwischen den Hütten eine Art Fang- oder Kampfspiel spielten, wurden von ihren Eltern zusammengetrieben. Auch aus dem Burghof im Rücken des Königs drangen noch ausklingende Geräusche spielerischer Kämpfe.
“Grämt euch nicht zu sehr“, sagte Vivienne, die an der Seite des Königs stand. „Wenn die Körper wollen, stellt der Geist sich nicht in den Weg. Nur Unheil entsteht daraus.“
Anfangs hatte es viel Gerede und auch manchen bösen Wortwechsel gegeben, als die Heidin sich in der Heimstadt des alten Weisen einzurichten begonnen hatte. Doch hatte sie schon des Königs Protektion gewonnen, und diesmal hatte sich dieser noch durchgesetzt. Dann waren es die vielen kleinen Scharmützel, in denen die Truppen sich aufgerieben hatten, die alle Aufmerksamkeit beanspruchten. Und Vivienne hatte ihre Rolle gut ausgefüllt als neue Ratgeberin. So gewöhnt man sich an alles und das Gerede war größtenteils verstummt.
„Die Fähigkeit, sich in den Weg zu stellen, was immer der Körper will. Das macht gerade das Menschliche aus“, gab der König zurück nach längerem nachdenklichen Schweigen. „Vor allem aber: Dieses Treiben blamiert mich. Untergräbt meine Ehre. Sägt am Thron. Und das von meinem treuesten Freund und meiner treuesten Freundin… „
Die Nacht rauschte rasch von Osten heran. Ein später Nachen trieb auf dem Usk tapfer auf diese Finsternis zu.
„Nein“, sagte Arthur, und ballte entschlossen die Faust. „Ich muss etwas tun. Ich habe lang genug zugesehen. Oh, sie alle glauben, ich wüsste es nicht. Ich wäre blind. Dabei hoffte ich doch nur, es ebbe wie alles irgendwann wieder ab und die Sache würde sich geben, ohne dass Blut fließt. Aber er muss meine Klinge zu spüren bekommen. Selbst wenn ich bei dem Versuch untergehe.“ “Gemacht… Gemach.“ Vivienne hatte die geballte Faust des Königs ergriffen und öffnete sie nun, die Finger sanft streichelnd, wie die Faust eines Kindes. „Es kam noch nie etwas Gutes dabei heraus, wenn Männer meinten, sich um Frauen schlagen zu müssen. Erinnert ihr euch nicht an die Geschichte von Deidre?”
“Deidre…?”, murmelte Artur, zerstreut.
„Die Tochter eines Fürsten war sie, und Conchobar mac Nessa, dem König von Ulster versprochen. Der Druide Cathbad prophezeite, sie werde heranwachsen zu außerordentlicher Schönheit, alle Wagenkämpfer Eíres würden Krieg führen um ihretwillen, und die drei größten Krieger Ulsters werde man wegen Deidres verbannen. Drum ließ man Deidre weitab aufwachsen, im Reich der Zauberin Leborcham. Doch ein Mensch geht mit offenen Augen durch die Welt, und die junge Frau sah einen schönen Mann und verliebte sich. Der aber wahr Naoise, Sohn des Uilisis, den die Jagd in jene abgelegenste Gegend verschlagen hatte war. Das Paar floh gemeinsam und nun…
Ihr könnt euch vorstellen, was weiter geschehen. All dies Blut, und letztlich, zu welchem Zweck? Und nur, weil ein paar Krieger dachten, es sei an ihnen, Deidres Schicksal zu bestimmen.“
“Ach…”, seufzte Artur, als Vivienne geendigt hatte. “Vielleicht könnte ich sogar verzeihen. Ich bin nicht mehr der Jüngste. Glaubt mir… ich denke nicht mehr mit den Lenden”. Der König musste schmunzeln. “Nun, nicht oft. Aber seht ihr nicht, dass das Reich zerfällt? Mein Werk. Mein Leben. Unser aller Gut. Und Ritter, die Armeen führen sollten, streiten untereinander, gehen ihren Privatvergnügen nach und lassen eure Truppen die Grenzen sichern. „
“Es ist wahr…“, gab Vivian zu. „Und alles ist schlimmer geworden Seite diese fixe Idee mit dem Gral sich im Land verbreitet.“
“Sie jagen dieses verdammte Hirngespinst, weil ihnen die Zukunft Angst macht”, fluchte Artur. “Und die Sachsen etablieren derweil an der Küste ihre eigenen Städte und Befestigungen, und sehen genüsslich unserem Niedergang zu. Und dann ist da noch die Sache mit Peredur, dem Verrückten. Wie ein Geist treibt es ihn im hohen Norden um, und dann und wann schlägt er einen Reiter zu Klump und schickt ihn hier her, dass er sich dem König unterwerfe. Ich aber frage euch, was soll ein König anfangen mit einer Bande schwer Verwundeter, die nie wieder reiten werden und noch dazu Groll hegen auf den König und die seinen?“
Ein Schwarm Gänse brauste schreiend durch die angebrochene Nacht, aus der schon alles Licht des Tages geflohen war.
„Nein!“, entschied Artur. „Ihr müsst es doch auch sehen. Alles zerfällt! Blut muss fließen. Llwchs oder meins. Dann sollen die Ritter dem folgen, der noch steht. Vielleicht folgen sie dann wenigstens wieder.“
„Es kam noch nie etwas Gutes dabei heraus, wenn Männer meinten, sich um Frauen schlagen zu müssen“, wiederholte Vivienne. “Hört… Ich habe eine bessere Idee…“ (…) HIER WEITER LESEN.

Bild: Wikiart, gemeinfrei.

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