Für DieKolumnisten habe ich meine erste (noch kleine) Blogschau gestartet. Da mit unsren Pingbacks irgendwas nicht funktioniert unten das Ganze im Vollzitat, so dass die „geschauten“ Blogs informiert sind.

Außerdem besprochen in meiner Kolumne „Heimspiel“ habe ich Sag den Wölfen, ich bin zu Hause von Carol Rifka Brunt. Der perfekte Titel „“Zahnlose Wölfe gegen Homophobie“ fiel mir leider zu spät ein. Ein gut zu lesendes Buch, allerdings mit einem zentralen Problem:

Wölfe:

(…) Da beschwert sich noch zurecht June über eine Werbesendung gegen Aids:

Wie immer fingen sie mit Bildern von irgendeinem aufgeheizten Nachtclub in der Stadt an, in dem ein Haufen schwuler Männer in idiotischen Lederklamotten wie wild herumtanzten. Ich konnte mir Finn nicht einmal ansatzweise als halb bekleideten Cowboy beim Tanzen vorstellen. Es wäre doch ausnahmsweise mal nett, wenn sie ein paar Männer zeigen würden, die in ihrem Wohnzimmer Tee tranken und sich über Kunst oder Filme unterhielten. Wenn sie das zeigen würden, dann würden die Leute vielleicht sagen: »Oh, okay, so anders ist das ja gar nicht.«

Und dann geht der Roman selbst der heute noch so ubiquitären affektiven Ablehnung von Homosexualität feig aus dem Weg. Warum wurde diese Seite von Finns Leben so ausgeklammert? Warum erfuhren die Kinder nicht früher von Toby – die oben beschriebenen Auftaktszenen und eigentlich alles Weitere lassen nur einen Schluss zu: So ganz zurecht kommt man mit dem schwulen Verwandten eben nicht. Dass der Vater der Tochter später noch erklärt, das sei gewiss nicht wegen der Homosexualität, sondern weil die Mutter dem Bruder nicht verzeiht, dass der den einst gemeinsamen Künstlertraum lebe (und das wiederum auf Toby projiziert, denn Finn kann sie nicht böse sein), in Ordnung: Homophob sind viele, sein wollen es wenige. Und Grautöne tun Literatur gut. Aber in der Folge versucht der Roman alles, wirklich alles, um absolut keinen Zweifel daran zulassen, dass die Motive der Mutter die allerbesten sind und darin wirklich keineswegs auch nur der kleinste Schuss Homophobie mitschwingt. Und das ist dann doch ein wenig zu viel. Eine Familie aus einem eher ländlichen New Yorker Vorort in den Achtzigern, die sich genau so verhält, wie man sich verhalten würde, käme man mit der eigenen Homophobie nicht zurande, aber die qua Gottesurteil ganz sicher nicht homophob sein kann. Da untergräbt der Roman seinen besten, anfangs wirklich gut angelegten Konflikt (…)

Blogschau (ohne Intro/Outro):

Ein Blog mit spannender Ausrichtung ist gerade erst vor kurzem neu gestartet. Auf dem Literraturreiseblog soll die deutschsprachige Literatur vom Mittelalter bis in die Moderne durchreist werden. Besonders die vorneuzeitlichen Texte dürften auch den Beleseneren unter uns noch neue Welten eröffnen.

Apropos neue Welten: Die eröffnete auch der Deutsche Buchpreis für Robert Menasse. Dessen Die Hauptstadt wird nun ins Englische übersetzt, berichtet der deutschsprachige Blog für englischsprachige Literatur Britlitscout. Dort ging es zudem diese Woche um verbotene Bücher.

Bestimmendes Thema deutschsprachiger Literaturblogs ist zurzeit der neue Murakami. Dabei scheint größtenteils (jedes Wort ein Link!) Begeisterung vorzuherrschen, die manchmal an jene rund um Harry Potter erinnert. Nur Phillip J. Dingeldey auf Postmondän ist deutlich skeptischer (…) (Bei Masuko13 gibt’s ein Interview mit Murakamis Übersetzerin)

Noch eine spannende Reise: Auf Schiefgelesen rezensiert Marion die Preisträger des Women’s Prize for Fiction.

Einen Blick vorab auf das nächste literarische Quartett riskiert Die Buchbloggerin.

Auf eine interessante Aktion zum Thema Lesebändchen (das sind diese komfortablen Bändel, die eigentlich jedes Buch haben sollte) weist Petra Gust-Kazakos vom Phileablog hin.

Bei We Read Indie dreht sich alles um Literatur aus unabhängigen Verlagen. Diesmal: Ein drastischer Roman über Flüchtlingsschicksale in Mexiko.

Über Avenidas von Eugen Gomringer wird man wohl noch lange diskutieren. Bersarin leitet eine ausführliche Diskussion des Themas mit dem Versuch einer hermeneutischen Lesart ein.

Und zum Schluss, nachdem ich oben schon Harry Potter erwähnt habe, ein Evergreen: Diese Auseinandersetzungen mit calvinistischen Vorstellungen in Harry Potter meiner Kollegen bei Ferretbrain halte ich für einen der lesenswertesten Texte überhaupt zu Romanreihe.

Bild: Pixabay/Gemeinfrei