Ramayana, Shahnameh & die Prosainflation

Formfragen, II

vgl. Formfragen I

„The poem itself begins with the tale of the sage Valmiki’s invention of metrical verse. Responding to Valmiki’s question about who in the world is a perfect man the sage Narada outlines the story of the hero Rama, whose wife was abducted by a demon-king. Brooding on the sad tale, Valmiki goes for a walk along the banks of the Tamasa River, where he sees a pair of mating herons. Suddenly, a hunter shoots the male bird, and the female cries in anguish as she sees her mate’s body writhing on the ground. Moved to intense compassion by her grief, Valmiki utters inspired words in lyric verse in the form of a couplet. Thus was born, Valmiki tells us, the s´loka, the meter of the epics and of many other works in Sanskrit. The legend reflects the classical Indian ideal of the poet as one who transforms the raw emotion and chaos of real life into an ordered work of art.“

Soweit die Norton Anthology einleitend über das Ramayana. Es folgt eine Übertragung einiger Passagen des Werkes, natürlich in – Prosa. Sowieso scheint es um sich zu greifen, Dichtungen anderer Sprachen sicherheitshalber in Prosa zu übersetzen, jüngere englischsprachige Lateiner und Altgriechischen nennen sogar gern, wenn es um die beste Übertragung klassischer Epen geht, Prosaversionen. Zuletzt kam mir sogar eine Sammlung lyrischer gaelischer Dichtung unter, durchweg in – Prosa.

Fucking Hell no!

Ja, mir sind die Argumente bekannt. Schon das syllabische Metrum des Griechischen lässt sich im Deutschen oder Englischen nicht wirklich nachbilden, was die Ein-Zeichen-Ein-Wort Korrespondenz chinesischer Lyrik betrifft und damit die gesamte Form des Gedichtes ist man in beinahe jeder anderen Sprache verloren. Dennoch: Gerade für Texte wie Rhapsodengesänge oder eben Lyrik ist die  Darbietungsform so integral, dass es kaum eine vernünftige Erwägung gibt, in einer Übersetzung oder besser Übertragung (eigentlich: Nachdichtung, doch davon wann anders) hierauf zu Gunsten anderer Stilmittel oder gar des sogenannten Inhaltes zu verzichten. Lyrik als Prosa zu übersetzen ist in etwa so klug wie eine Klaviersonate zu backen.

Bei wissenschaftlichen Hilfssübersetzungen für Leser, die Klang und Struktur am Original nachvollziehen können und dazu möglichst viel Inhalt in ihrer Muttersprache mitgeliefert bekommen wollen, mag es anders sein.

Dass ein Standardwerk wie die Norton Anthology aber noch nicht mal Erklärungen, Versauszüge und vll. Transkriptionen des Klanges in der Ausgangssprache mitliefert, und dass ihr das Gros des Wissenschaftsbetriebes darin zu folgen scheint, bleibt erschreckend. Ich weise noch einmal auf How to Read Chinese Poetry hin, das sogar Klangbeispiele der wichtigsten Werke bereitstellt, um zu zeigen wie es auch geht. Und hier zB eine Lesung des persischen Shahnamehs:

Keine Prosaübersetzung wird auch nur ansatzweise der eminente Bedeutung der Klangstruktur in einem solchen Werk gerecht.

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