DSA-Gesellschaftsroman unter Thorwalern: “Roter Fluss” von Daniela Knor.

“Roter Fluss” von Daniela Knor ist wieder einer der lesenswerteren DSA-Romane. Der Roman erzählt aus der Perspektive mehrere Protagonisten eine Geschichte rund um Phexcaer, das damals noch Myrburg heißt, während des Zweiten Orkensturm. Man kann den Roman am ehesten als eine Art Gesellschaftsformen im Vorfeld und während eines Krieges bezeichnen. Der Text ist gut geplottet, balanciert seine Teil-Plots überzeugend gegeneinander und enthält auch sprachliche Höhepunkte.

Zentralste Figur ist Hjalgar, den wir schon in frühester Kindheit kennenlernen. Als „Swafnirskind“ hat der Thorwaler seine Wut nicht unter Kontrolle und tötet eine Freundin beim Spiel. Zuerst wird er in die Obhut eines Geweihten gegeben, doch auch den tötet er irgendwann. Zweiteres erfahren wir erst sehr spät in einer Rückblende. Komplexe Verwicklungen des Thorwalischen Rechts führen dazu, dass er zwar nicht verurteilt werden kann, aber dennoch verbannt wird. Wir treffen Hjalgar dann wieder, wie er zwischen den äußersten menschlichen Siedlung und der Orkschädelsteppe Handel treibt. Amoralisch bis zur Selbstverleugnung rechtfertigt er dieses Leben vor sich, bis ihn dann eine Begegnung mit einer Gruppe gefangener Frauen dazu bringt, etwas Gutes tun zu wollen und diese zu befreien. Weitere Hauptfiguren sind ein nach Myrburg entsandter Praiosgeweihter, ehemals Holzfäller, den das Desinteresse der Thorwaler an seinen Predigten so in die Verzweiflung treibt, dass er die Stadt verlässt und dort schließlich mit Hjalgar zusammen trifft, eine der Gefangenen, ein Handelspartner Hjalgars, der in der Stadt noch ein anderes Ding dreht und so in die Fänge einer Gruppe gerät, die ihn als Bauernopfer in einem Machtspiel innerhalb des Myrburger Rates nutzen möchte, sowie verschiedene Figuren des Rates in dem noch im Angesicht der orkischen Belagerung weiter Intrigen gesponnen werden.

Es handelt es sich um einen Text, der sehr detailliert das Zusammen- und Gegeneinander-Leben in und um Myrburg am äußersten Rand der menschlichen Besiedlung Aventuriens untersucht. Die thorwalische und die eher mittelländische Lebensweise prallen aufeinander, und jede dieser Lebensweise kennt offenkundig wiederum viele Differenzierungen und kollektive sowie individuelle Partikularinteressen, die für Konflikte sorgen, die nicht einmal ein Krieg stillstellen kann. Auch die Orks werden noch einmal deutlich besser als in „Das Jahr des Greifen“ vom Klischee zur Kultur.

Weniger überzeugen mich einzelne Kapitel, in denen Hjalgar sein Abenteuer aus seiner Perspektive erzählt. Es wird nie wirklich deutlich, wie die im Werk verankert sind. Es gibt ähnliche Kapitel, die von Hjalgar in der dritten Person erzählen, und der Grund, warum für einige gewechselt wird, wird im Text nicht klar. Dennoch gehört „Roter Fluss“ ganz klar zu den DSA Romanen, die man gelesen haben sollte. Nicht zuletzt weil eben auch die sprachliche Gestaltung stimmt, und die Region dank überzeugender Bilder stets vor Augen steht:

“Über dem Bodir türmten sich seit Stunden immer höhere Wolkenberge auf, die allmählich eine bedrohlich dunkelgraue Farbe annahmen. Zwar sehnten auch die erschöpften Bauern einen kalten Regenguss herbei, doch ein Sturmwind, der womöglich mit Hagel einherging, würde die Getreidehalme knicken und auf die nasse Erde drücken, sodass die Gerste anschließend schlecht trocknete und – flach am Boden liegend – kaum noch zu ernten war. Feucht eingebrachtes Stroh und Korn verschimmelte jedoch in der Scheune, bevor Firun sein eisiges Regiment antrat, weshalb Lysmina die Zähne zusammenbiss und eine weitere Garbe mit der Kordel umwickelte, die sie selbst aus Pflanzenfasern gedreht hatte. »Das schaffen wir noch«, meinte die Thorwalerin, die zu ihrer Linken arbeitete, zuversichtlich. ”

Keine große Poesie, aber immer wieder gute bildliche Beschreibungen.

Bonus für Fans der Nordlandtrilogie: Das ist einer der wenigen DSA Romane, die tatsächlich einmal in einem Abschnitt der Welt spielen, der auch in einem der drei PC-Spiele bereist wird.

Bild: wikiart, gemeinfrei.

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