„Red Moon and Black Mountain“ von Joy Chant beginnt sprachlich stark, ist in der Handlung aber zunehmend generische Fantasy.

„Red Moon and Black Mountain“ ist der erste von insgesamt drei Romanen von Joy Chant, die in der Welt Vandarei spielen. Das sehr starke und wahrscheinlich bekannteste „The Grey Mane of Morning“ habe ich schon vor langer Zeit besprochen, das noch etwas stärkere „When Voiha Wakes“ vor ein paar Tagen.
„Red moon“ ist dagegen ein Roman, dessen Entstehungsgeschichte weit in die Jugend der Autorin zurückreicht, und das merkt man dem Text auch an. Ein noch relativ traditioneller Fantasy-Roman, im Großen und Ganzen ein weniger christliches „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ mit einer Atmosphäre, die etwas stärker an „Der Herr der Ringe“ angelehnt ist.

Drei Kinder stolpern aus unerfindlichen Gründen in eine Fantasywelt, wobei Oliver einige Jahre früher ankommt, mit den nomadisch lebenden Kantorei aufwächst und seine Herkunft fast vergisst, während Nicolas und Penelope am Schwarzen Berg in die Reisegruppe einer Prinzessin stolpern, und den Kampf der schwarzen und der weißen Adler beobachten. Der Anfang und überhaupt etwa das erste Viertel ist durchaus erzählerisch und vor allem sprachlich/bildlich sehr stark. Landschaftliches, die Magie der neuen Welt und besonders dieser geheimnisvolle Adlerkampf werden sehr plastisch vors Auge gestellt. Auch später wird der Roman hierin seine stärksten Momente haben. Doch während die Welt auf diese Weise zu Beginn genuin magisch wirkt, driftet der Plot immer mehr ins Generische ab. Natürlich muss es einen großen Endkampf geben, und die Wendungen auf dem Weg dahin wirken mehrfach wie willkürlich ausgewürfelt. Eine Entführung kommt aus heiterem Himmel, eines der Kinder ist für den Endkampf auserwählt, was auch kaum vernünftig begründet wird, und einiges dergleichen mehr. Es gibt weiterhin schöne Momente, etwa die Reise Nikolas mit einem geheimnisvollen Wanderer quer durch die Welt, und der Roman ist insgesamt recht kurz, so dass man ihn durchaus lesen kann. Sein vorhandenes Potential wird aber nicht wirklich realisiert.

„Red moon and Black Mountain“ dürfte am ehesten als Buch für jüngere Jugendliche funktionieren, vielleicht auch als Lektüre für ältere Kinder. Allerdings könnte genau dem die in ihrer Bildlichkeit dann doch nicht ganz unkomplizierte Sprache im Weg stehen.

Bild: Pixabay.

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