Die alten Schwächen, doch neue Stärken. Der dritte Teil von „Otherland“ bringt Zug in die Reihe.

Der dritte Teil von Otherland ist ideal für eine Kurzkritik. Es ändert sich wenig im Vergleich zum zweiten, Stärken und Schwächen bleiben bestehen.
Die hauptsächliche Schwäche, das ist die Problematik, dass viele der unglaublich wichtigen Interaktionen in den virtuellen Welten so wichtig nicht rüberkommen, da uns die mühsam aufgebauten virtuellen Figuren egal sein können. Wir wissen, dass wir sie nie wieder sehen werden. Ich hatte im letzten Text mehr dazu geschrieben. Das übrigens stört mich nicht nur heute, das war auch schon vor über 20 Jahren ein Kritikpunkt. Allerdings bleibt der Roman ansonsten stark im Spannungsaufbau, darin, wie er die einzelnen Handlungsstränge gegeneinander laufen lässt und das Interesse an dem großen Mysterium der virtuellen Welt und ihre Stellung in der realen überzeugend aufrechterhält. Auch die Figuren leben größtenteils weiterhin erfolgreich von dem, was an Charakteraufbau vor allem im ersten Teil geleistet wurde.

Ja, insgesamt würde ich den dritten Teil einen Ticken stärker einschätzen als den zweiten. Ab der zweiten Hälfte kommt definitiv Zug in die Erzählung, es überwiegt jetzt nicht mehr das Gefühl, mit den Figuren durch größtenteils irrelevanten virtuelle Welten zu stolpern und ziellos eine Art gefährliches Computerspiel zu spielen. Die Sache kommt zusammen und im Trojanischen Krieg, wo dann auch physisch die Hauptfiguren sich endlich alle treffen, gelingt es Williams zudem deutlich besser als zuvor, die fiktive Welt mit den Erlebnissen der Protagonisten verschmelzen zu lassen. Einige bekannte Ereignisse zuerst aus der Odyssee, dann aus der Ilias, geschehen zwar in ähnlicher Weise wie in den griechischen Epen, aber eben aus gänzlich anders gelagerten, aus Otherland stammenden, Figuren-Motivationen. Nach drei Vierteln der Reihe kann ich auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter noch sagen: Otherland lässt sich mit Spaß und Spannung lesen. Es hat definitiv ein paar Probleme, doch das ist kein Vergleich beispielsweise mit The Wheel of Time, durch das ich mich zuvor gekämpft hatte. Ja, wenn man erst einmal gelernt hat, dass man von gewissen Passagen auch genug mitbekommt, wenn man sie überfliegt, handelt es sich sogar um eine relativ kurzweilige Lektüre. Das Finale von Band 3 hält nun auch große Enthüllungen bereit. Soweit ist das wirklich gut getaktet. Wer bis hier gelesen hat, wird nicht mehr aufhören wollen.

Bild: Pixabay.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..