„Der Aufruhr der Meerestiere“ von Marie Gamillscheg ist interessant, tritt aber – vielleicht beabsichtigt? – auf der Stelle.

„Der Aufruhr der Meerestiere“ von Marie Gamillscheg ist ein interessanter Roman, der in der zweiten Hälfte entweder die Richtung verliert, oder in einer Weise statisch angelegt ist, die mich dann doch nicht wirklich überzeugen kann.

Die Protagonistin ist Biologin mit Schwerpunkt auf einer besonderen Rippenqualle, die weltweit zur Gefahr zu werden droht. Ihre Forschungsarbeiten und eine neue Stelle in Graz stehen anfangs im Mittelpunkt, sowie ein Kreisen um die ganz andere Existenz dieser Qualle gegenüber fast allem anderen Leben. Und die Frage, wie berechtigt es eigentlich ist, von invasiven Arten zu sprechen, wenn doch der Mensch diese Invasionen erst ermöglicht und teilweise sogar betreibt.
Verknüpft ist das mit einer offenkundigen Unfähigkeit oder Unwilligkeit, sich partnerschaftlich zu binden, was anfangs von der Protagonistin als Stärke verkauft wird, doch mit der Zeit beginnt man zu zweifeln, sowie mit einer Essstörung, die sich ähnlich langsam und subtil herausschält, und alten Schwierigkeiten insbesondere in der Beziehung zum Vater.

Ab der zweiten Hälfte wendet sich der Text dann immer stärker in Richtung eines typischen Innenschau-Romans, wobei das Quallen-Thema lange Zeit sehr stark in den Hintergrund gedrängt wird. Wir lesen dann über weite Strecken tatsächlich vor allem Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, und hier verliert mich der Roman dann deutlich.
Als das Ganze vorbei ist, hat sich eigentlich nichts geändert, weder in Bezug auf Beziehungen, noch in Bezug auf die Essstörung. Am ehesten könnte man sagen, dass der Vaterkonflikt in einer wenn auch letztendlich nichts lösenden Weise mit dem Chef das Grazer Tierparks, einem früheren Tierfilmstar, ähnlich wie in Deutschland Heinz Sielmann, ausagiert wurde.

Ich verlange sicher kein Happy End oder überhaupt irgendeine Art von geschlossenem Ende. Aber das ist mir dann doch ein bisschen zu offen. Die Protagonistin steht am Ende kaum anderswo, als sie am Anfang stand.

Sprachlich bietet der Text, wie fast alle anderen Buchpreistitel auch, kaum Momente, die man zitieren würde, um eine besondere Schönheit des Textes heraus zu stellen. Am ehesten manche Beschreibung der Quallen.
Eine interessante Eigenschaft sind allerdings die sporadischen non-sequitur der Erzählstimme, die immer eng an die Perspektive der Protagonistin gekoppelt ist und auf diese Weise möglicherweise ihre besondere Art des Wahrnehmens unterstreicht.

Kein Roman, der den meisten Lesenden unglaublich lange im Gedächtnis bleiben dürfte, aber auch kein schlechter Text und zumindest einem Teil der Shortlist-Titel definitiv

Bild: Pixabay. Das Bild zeigt keine Rippenquallen. Leider habe ich kein freies entsprechendes Bild gefunden.

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