Sex-Text, den man anderswo schon mehrfach gelesen hat, in schwächer. „Das leichte Leben“ von Thomas Melle.

Okay, anscheinend schreib Thomas Melle jetzt auch Houellebecq-Romane. Reicht es nicht, dass das der Beigbeder machen, und der Strunk, und der andere… wie hieß der noch mal… Ach ja, genau Houellebecq. Nichts prinzipiell gegen Houellebecq-Romane, aber selbst der hat davon mindestens zwei zuviel geschrieben und liest sich nur noch wie eine schlechte Imitation seiner früheren Texte. Und jetzt auch noch Melle?

Dessen „Die Welt im Rücken“ war, wir erinnern uns, ein interessanter autofiktionaler Einblick in das Leben mit einer bipolaren Störung. Meines Erachtens dennoch kein Text für die Longlist zum Deutschen Buchpreis, auf der er stand, eher für eine Sachbuch/Autobiografie-Preisliste. Frühere Romane hatten geniale Momente, wirkten aber auch übers Knie gebrochen, und besonders zum Schluss hin auf mich nicht sehr fokussiert.

In „Das leichte Leben“ geht es nun um eine Obere-Mittelklasse-Ehe, die Frau (Katharina) jetzt Lehrerin, früher ein literarischer Star oder zumindest ein Sternchen, der Mann (Jan) ein wichtiger Boulevardredakteur hinter den Kulissen, der kurzfristigen Ruhm erlangt, da er als Vertretung vor die Kamera tritt. Außerdem bekommt Jan problematische Fotos zugeschickt, die ein Priester in seiner Schulzeit von ihm gemacht hat. Die Familie ist natürlich zerrüttet, im Bett größtenteils tote Hose, Jan ist scharf auf seine Praktikantin, Katharina nimmt an einem Gruppenvergnügen Teil, die Tochter fängt etwas mit dem Neuen in der Schule an, an der Katharina unterrichtet, und Katharina wiederum ist auf diesen etwa 16 jährigen (Keanu) neuen total heiß, und der Roman ist voller Bettszenen und Bettgedanken, die man denke ich guten Gewissens auch in Filmen finden könnte, die sich allein darum drehen.

Ein Pluspunkt gegenüber Houellebecq: Hier dürfen Frau und Mann ihre Krise haben. Minuspunkt 1: Das ist halt wirklich nicht neu und auch nicht in besonderer Weise gestaltet.

Minuspunkt 2: Stil. Houellebecq hatte mal welchen. Melles Bilder klingen dagegen regelmäßig unglaublich schief.

Das ist besonders anstrengend, weil der Roman damit zu punkten versucht, besonders real und hautnah zu sein, und besonders auch die virtuelle Welt gleichberechtigt mit hereinzunehmen, denn es geht um Jugendliche, und die leben bekanntlich fast nur noch virtuell.

Aber was haben dann etwa in einer Passage, in der Keanu die Welt wie ein Computerspiel wahrnimmt, was wiederum bedeuten soll: oberflächlich, voller kurzfristige Reize, ohne Verpflichtungen auf die Zukunft und so weiter und so fort, Minecraft und Fortnite nebeneinander zu suchen? Das eine, das hier halbwegs passen würde, ist ein Last-Man-Standing-Actionspiel. Das andere ist eine riesige Sandbox, in der man endlos bauen und interagieren kann, und das viel besser für das Gegenteil der Perspektive stünde, die hier eigentlich entfaltet werden soll.

Der ganze Roman wirkt dahingehend schrecklich oberflächlich. Von einer Abscheu für die oberflächliche Welt getragen, die diese Abscheu vielleicht sogar verdient, doch wenn man die nicht überwindet oder auch in dem scheinbar Schlechten noch etwas Besonderes findet, an dem es mehr als nur zu verabscheuen gibt, kommt kein Werk dabei rum. Thomas Melles „Das leichte Leben“ ist am Ende dann vor allem das: Ein oberflächliches sich Bewegen durch Szenen, die man anderswo schon besser gelesen hat.

Bild: Pixabay.

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