„Heimatmuseum“ ist vielleicht der stärkste „klassische“ deutsche Nachkriegsroman. Und spart dennoch die Shoa komplett aus.

Ähnlich wie „Die Morawische Nacht“ von Peter Handke ist Siegfried Lenz‘ „Heimatmuseum“ ein Buch, das bei mir trotz Jahrzehnte zurückliegender Lektüre starke Bilder hinterlassen hat. Gleichzeitig habe ich den seltenen Impulsen, den 650-Seiten-Wälzer noch einmal zu lesen, lange mit Leichtigkeit widerstanden, da ich den Romane einerseits als interessant aber mit Längen in Erinnerung hatte, und andererseits Lenz als einen dieser Autoren aus der Reihe Grass, Walser, mit Abstrichen Böll, einsortiert hatte, die sehr obsessiv um den Nationalsozialismus kreisen und dabei ihrer „Aufarbeitung“ auch immer ein Gutteil Verdrängung, wenn nicht Entschuldung, beimischen. Auch haben mich Romane von Lenz, die ich später gelesen habe, nicht sonderlich überzeugt. Nun möchte ich nicht sagen, dass das mit der Verdrängung/Entschuldung für Heimatmuseum nicht gilt (wir kommen dazu). Aber bei der zweit Lektüre stelle ich fest: Das hier ist definitiv einer der besten, wenn nicht der beste der klassischen „großen“ deutschen Nachkriegsromane, schon allein weil die ästhetische Gestaltung meilenweit über dem steht, was Autoren wie Grass in ihren „großen“ Romanen verbrochen haben (wobei ich einen Text wie Weiss‘ Ästhetik des Widerstands hier ausklammern möchte, der von Anfang an so deutlich anders angelegt ist, dass man ihn kaum unter diese Gattung zählen kann).

Besonders das erste Kapitel ist furios. Wir steigen direkt ein mit dem Rückblick auf das „Unerhörte Ereignis“, das über dem gesamten Roman schwebt. Der begeisterte Heimatforscher Zygmunt Rogalla, mittlerweile im westdeutschen Exil, hat sein Heimatmuseum abgefackelt. Der Brand ist übergegriffen und hat auch noch ein Wohnhaus beschädigt. Mit schweren Verletzungen liegt Rogalla nun im Krankenhaus und erzählt dem Pfleger, Martin Witt, warum er zu dieser Wahnsinnstat schreiten musste. Oder vielmehr erzählt er das nicht wirklich, denn überzeugt, dass man seine Tat nur verstehen könne, wenn man seine Lebensgeschichte und die Bedeutung der Geschichte Masurens in dieser Lebensgeschichte verstünde, ist der Roman eine einzige Abschweifung. Diese Konstruktion erinnert an die Konstruktion von Ngugi wa Thiongos „Verbrannte Blüten“, und mein hauptsächlicher Kritikpunkt auf erzählerischer und kompositorischer Ebene ist der, dass die Konstruktion hier weniger intensiv auf das Romanganze zurückwirkt. Während das rückblickende Enthüllen eines Verbrechens, das Verbergen und Entbergen, im Falle von „Verbrannte Blüten“ tatsächlich hochrelevant ist für die Klärung kriminalistischer Fragen und für Schuldfragen in einem politischen Sinne, ließe sich Heimatmuseum auch fast ohne den Gesprächmodus denken. Nur fast, denn die Form des ausschweifenden mündlichen Erzählens wird natürlich dadurch motiviert und gerechtfertigt. Aber auf die Handlung selbst bleibt der Einfluss der Erzählweise marginal.

Nun aber schweife ich selbst ab. Das erste Kapitel also. Vom Brand springen wir in die erste Berührung des jungen Zygmunt mit seinem Onkel Adam, der das Heimatmuseum aufgebaut hat. Eher zur Strafe wird Zygmunt zum archäologischen Dienst verdonnert, doch leckt er erstes Blut. Der Vater derweil ist eine Art post-mittelalterlicher Quacksalber, Anfang des 20. Jahrhunderts versucht er sich mehr in Alchemie als in Chemie, und schwatzt den Menschen auf den Dörfern Masurens seine Wundermittel auf. Der beste Freund Conny derweil ist der Sohn des Gefängniswärters, und dessen Schwester Edith Zygmunts spätere „love interestW und Ehefrau. „Heimatmuseum“ funktioniert dann nach dem Motto, in die große Geschichte, die durchaus nicht unspannend ist – sie führt durch zwei Weltkriege bis in die Vertreibung – viele kleine, von lokalen Gegebenheiten motivierte Geschichten einzuschalten. Im ersten Kapitel eben etwa die Geschichte der Quacksalber-Dorffahrten, Schmugglergeschichten, die an den Gefängnisinsassen aufgehangen werden, Geschichten von Kinderspiel und aufblühenden Freundschaften.

Und was mir damals hängengeblieben ist, stellt sich sofort wieder ein. Das Setting Masuren, mit einer Bevölkerung, die bis auf wenige moderne Einflüsse genauso gut auch noch im 16. oder 17. Jahrhundert leben könnte, mit hunderten Seen, von denen jeder eine andere Bedeutung für die Kinder hat, mit See- und Flussfahrten als bestes Fortbewegungsmittel im Sommer, Schlittenfahrten im Winter, wird wieder ungeheuer plastisch entfaltet. In Erzählerrede in einer fingierten Mündlichkeit, die nicht allzu aufdringlich wirkt, in breitem Dialekt, wenn sich Figuren zu Wort melden, mit dialektalen Begriffen, die je nach Subsetting weniger oder mehr in die Haupt-Erzählerrede eindringen. Und, was solchen Texten, die wie ein langer Strom wörtlicher Rede konzipiert sind, oft abgeht, immer wieder in starker bildlich-sprachlicher Schönheit:

“Im Anfang also, wie gesagt, wallten da mehrfarbige Dämpfe, blühten nur künstliche Nebel, aus denen ich leicht benommen heraustrat und ein Masuren entdeckte, das an den gekalkten Mauern des Gefängnisses begann und auf der Domäne endete. Und dann dieser Winter: denken Sie sich ein wie endgültig verschneites Land, verkürzte Häuser, verkürzte Wälder, lassen Sie Schneefahnen mit dem Wind gehen, werfen Sie ein paar erschöpfte Krähen in die Luft, geben Sie unserem Winter alles, was er in seiner Unwirschheit beansprucht: harte, blinkende Eisflächen also, das Singen des Frostes und diese Starre im Schilf und in den glasierten Weiden. In den Kästen der Eisfischer froren Barsche und Maränen und wurden brüchig wie Glas. Die Wäsche an den Leinen versteifte sich knisternd und zersplitterte mitunter beim Abnehmen. Der Frost biß sich durch die Schutzschichten der Mieten und machte die Kartoffeln übersüß. Kleine Vögel – Tannenmeisen, Pfannenstielchen – tropften tot von den Bäumen.”

Und: Anders als aufgrund meiner Erinnerungen befürchtet, verliert der Roman diese Kraft auch über die nächsten vielen hundert Seiten nicht bis kaum. Der Erste Weltkrieg, der für die jungen Menschen halb Bedrohung, halt aber auch (Verdrängung?) als Abenteuerspielplatz erlebt wird, die Art und Weise, wie der Protagonist entgegen den Vorstellungen der Eltern ausgerechnet Teppichweber wird, und dazwischen noch unzählige kleine Geschichten, all das bleibt interessant und das Kleine konsequent ins Große eingearbeitet. Auch wie sich bereits relativ frühzeitig unter Menschen, die doch zuvor zusammengelebt haben, ohne groß in „Deutsche“ oder „Polen“ zu unterscheiden, das völkische Bewusstsein erhebt, wird plastisch vors Auge gestellt, zuerst anhand einer Volksabstimmung zur Zugehörigkeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, und dann deutlich erschreckender, wenn der Heimatverein ansatzlos beinahe zur Lynchjustiz an Polen schreitet, nachdem Edith, der ein Verbrechen angetan wurde, den Täter falsch benannt hat.

Ein wenig ins Stocken gerät der Roman dann erst, als nach gut zwei Dritteln bis drei Vierteln der Nationalsozialismus in voller Blüte zu stehen beginnt. Die gelungene Balance zwischen atmosphärischer Gestaltung und kleinen und großer Geschichte löst sich nun naheliegenderweise in Richtung der großen Geschichte auf. Wie der NS die Gegend verändert und wie sich die Figuren dazu verhalten, steht im Mittelpunkt. Klar. Das sollte wohl auch nicht anders sein, aber gerade hier hat man das Gefühl, dass der Roman stärker als zuvor gewisse notwendige Stationen einfach abklappert. Gleichschaltung der Presse, Druck aufs Heimatmuseum, sich systemkonform zu verhalten, Krieg, frühzeitige schwere Verletzung, weil, wiederum klar: Die Geschichte in Masuren bleiben soll und sich jetzt nicht von Front zu Front bewegen. Und so weiter. Es ist kein gewaltiger erzählerische Abfall, aber doch ein merklicher.

Das führt zur alles entscheiden Frage, an der sich das Gros der deutschsprachigen Nachkriegsromane blamiert hat: Wird dieser Roman dem Nationalsozialismus gerecht?

Nun ja. So halbwegs. Zumindest auf den ersten Blick kann man dem Text nicht vorwerfen, viel zu beschönigen. Das viele, wenn nicht die Mehrheit der Bewohner der Stadt Lucknow und der umliegenden Dörfer die neue Ideologie mit Kusshand empfangen, wird durchaus thematisiert. Es wird keine widerständige Mehrheit konstruiert, und noch mehr als unser still NS-kritischer Protagonist erleben wir anhand seines Freundes Conny auch persönlich, wie das System mit Abweichlern umgeht. Auch, dass der Nationalsozialismus nicht einfach von außen kommt, sondern aus vielen Quellen sich speist, die zu Beginn vielleicht einfach positiv als „Heimatverbundenheit“ hätten gelesen werden können, wurde bereits frühzeitig angelegt, etwa in der Episode der Volksabstimmung oder der beinahe Lynchjustiz des Heimatvereins für Edith, die mittlerweile übrigens Ehefrau des Protagonisten geworden ist.

Und dennoch fühlt es sich so an, als käme der NS von außen, selbst wenn sich Textstellen dagegen finden lassen. Das dürfte daran liegen, das versäumt wurde, eine Fokus-Figur aufzubauen, die sich tatsächlich mit Eifer dem Nationalsozialismus zuwendet. Alle Figuren, die uns durch ausgiebige Charakterzeichnung ans Herz gewachsen sind, sind entweder NS-Gegner oder neutral bei stiller Kritik und Ablehnung. So wird zwar nicht behauptet, die Nationalsozialisten seien Masuren eigentlich fremd, der Handlung von „Heimatmuseum“ bleiben sie allerdings fremd.

Dann ist da natürlich noch die große Auslassung. Wie in vielen deutschsprachigen Nachkriegsromanen kommt die Shoa einfach nicht vor. Kein jüdisches Leben in Masuren vor 1933 wird überhaupt erwähnt. Dabei hätte es durchaus Grund und Gelegenheit gegeben. Keine Deportationen, nicht mal, nach dem Krieg, ein Erschrecken a la „wir hatten ja keine Ahnung!“. Und das wo Treblinka kaum 100 bis 150 Kilometer entfernt liegt. Und „Heimatmuseum“ erschien nicht kurz nach dem Krieg, sondern 1978!

Mich fasziniert das mittlerweile mehr, als dass es mich aufregte, wie das vor 15, vielleicht auch noch vor 10 Jahren definitiv vor allem der Fall gewesen wäre. Denn es scheint, dass wir hier selbst für die Gebildeten und auch eigentlich NS-kritisch sein wollenden Deutschen der älteren Generation gerade zu einer Denkunmöglichkeit im Kampf mit sich selbst zu schauen. So selten sind die Werke, die anders Verfahren. Eigentlich nur Thomas Manns „Doktor Faustus“, der allerdings von einem früh ins Exil gegangenen Autor stammt und die Texte der Opfer, die genau gegen diese Verdrängung anschrieben. Selbst Peter Weiss‘ „Ästhetik des Widerstands“ tut sich ziemlich schwer damit, die Shoa anzusprechen, und vermittelt sie über die zwanghafte Identifikation der nichtjüdischen Mutter als Jüdin und Opfer (also mal wieder: eigentlich eine Deutsche als Opfer des jüdischen Leids). In den „klassischen“ Nachkriegstexten, also den Texten jener Autorinnen und vor allem Autoren, die in der Folge mehr oder weniger als das „deutsche Gewissen“, als so wichtiger Teil der „Vergangenheitsbewältigung“ und „Wiedergutwerdung“ wahrgenommen wurden, ist die Verdrängungsleistung noch deutlich gewaltsamer.

Darüber wurde schon viel geschrieben, doch wenig bisher davon, wie sich das auch ästhetisch niederschlägt. Zu Grass muss man nicht viel sagen, dieses gesamte absurde die Sätze wenden, das verschämte Überbetonen des Sexuellen, die Ausweichleistung der Zwiebelszene in der Blechtrommel, als es um den Holocaust gehen könnte, und so weiter und so fort, nicht zuletzt der gesamte Butt: Das liest sich doch ganz und gar wie Texte, die vor allem bemüht sind, irgendetwas Wichtiges nicht zu sagen. Lenz ist für die Betrachtung interessanter, da Heimatmuseum über die erste Hälfte wie gesagt herausragend ist, sprachlich wie formal auf dem Feld der deutschen Nachkriegstexte. Und auch wenn, wiederum, wie gesagt, das Niveau lange hoch bleibt, sind es die Passagen, die eigentlich am drastischsten sein sollten, die zum Schluss hin am ehesten langweilen. Mir scheint, das lässt sich mit Adornos Konzept der „Erpressten Versöhnung“ im Antisemitismus erklären, wenn auch hier deutlich abgeschwächt, denn der Roman glänzt ja vor allem durch Abwesenheit alles Jüdischen. Man könn, sagte Sartre, keinen guten antisemitischen Roman schreiben, das sei schlechthin ein Ding der Unmöglichkeit. Da wir wissen, dass man leider gelungen Romane voller Schweinereien schreiben kann und sich dennoch Sartres These bisher historische bewahrheitet hat: woran liegt es?

Daran, dass der Antisemitismus gewissermaßen eine weltanschauliche Zwangshandlung ist, die über reinen Hass/Ablehnung des „Anderen“ hinausgeht. Er ist das Allumfassende Bestreben, die Konflikte durch den geistig gewalthaften Sprung der Auslagerung auf einem Sündenbock stillzustellen und in letzter Konsequenz den Konflikt durch die physische Vernichtung des Sündenbocks nicht nur zu lösen, sondern gewissermaßen aus der Existenz zu tilgen.

Ein ästhetisches Gebilde, das seine Widersprüche aber nicht ausagiert, sondern im Handstreich erledigt, vom Tisch wischt, kann niemals ein gelungenes Gebilde sein. Nun gibt es viele ästhetische Gebilde, die nicht antisemitisch sind und dennoch so verfahren, also misslingen. Aber jedes antisemitische Kunstwerk muss so verfahren, und kann dadurch nicht gelingen. Und gewissermaßen eine Verkleinerung dieses Problems sucht auch einen starken Text wie „Heimatmuseum“ heim, von dem zum Schluss hin dann eben immer mehr zu spüren ist, dass etwas Zentrales draußen gehalten werden soll. Dass irgendetwas nicht stimmen kann, wenn in einem Text, der sich doch plakativ kritisch zum Nationalsozialismus stellt, es die Erfahrungen deutscher Vertriebener und Frontsoldaten sind, die die katastrophale Klimax ausmachen, und nicht die Taten des Nationalsozialismus und seines „Volkes“, sowie das Leid der Opfer. Und ich glaube dabei nicht einmal, dass das ein bewusstes Unterfangen des Autors Lenz ist, dafür scheint ihm ansonsten die „Aufarbeitung“, zu ernst, und es ist zu augenfällig, wie sehr es ihm die Zeitgenossen gleich getan haben. Wir beobachten Verdrängung, die selbst die bewusste Arbeit am Kunstwerk nicht durchbrechen kann.

Das erklärte Anliegen des Romans, zuletzt, ist natürlich eine Art Rettung des Heimatbegriffes vor der Instrumentalisierung. Oder sagen wir vielleicht doch besser: das ist das Anliegen des Protagonisten, das man mit dem Anliegen des Romans identifizieren kann, aber vielleicht gar nicht so sehr muss, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Denn auch was die Rettung des Heimatbegriffes betrifft, drängt sich die Frage auf: Kann man das? Sollte man das? Besteht nicht das Risiko, gerade wenn man ein solches Unterfangen mit dem seit 1945 eben doch ohne jede Diskussion polnischen Masuren verknüpft, revanchistisch zu klingen? Ich denke, abgesehen von der im NS-Kapitel angesprochenen Problematik gelingt dem Roman die Balance relativ gut. Gewiss, von der Argumentation, man könne und müsse sich positiv auf Heimat beziehen, ohne dass das die Heimat gegen der Heimat Fremdes überhöhe, rückt der Protagonist nicht ab. Und verknüpft ist das mit einem doch recht naiven Vielvölkerideal eines Masuren, das eben gerade seine multikulturelle Verfasstheit feiert. Was schön klingt, aber doch irgendwie auch schon recht heftig die blutige Geschichte vor allem der letzten 100 Jahre verdrängen muss. Aber es ist eben auch nicht einfach so, dass der Roman sich die Perspektive des Protagonisten zu Eigen macht. Denn während der Erzähler, der noch im NS lange versucht hat, „neutral“ zu bleiben, um sein Ideal eines multikulturellen Heimatmuseums (so wird es natürlich nicht genannt, aber einer der Gründe, warum das Museum geschlossen werden soll, ist die Tatsache, dass sich die Exponate nicht als Ausweis der „Deutschheit“ Masurens instrumentalisieren lassen), irgendwie zu retten, ist es sein Freund Conny, der frühzeitig eine aktivere Widerstandshaltung einnimmt. Der pflegt nun anfangs einen in etwa ebenso empathischen Bezug zur Heimat, wie jener Martin Witt, mit dem der Protagonist sein Gespräch führt, das der Roman ist. Sprich: Er scheißt auf jede Heimat, oder behauptet das zumindest. Und so sehr der Protagonist das manchmal milde belächelt, macht seine Erzählung doch klar: Conny wusste viel früher, dass man NS nicht einmal den kleinen Finger reichen darf. Conny war deutlich mutiger, hatte die Situation nicht nur richtig beurteilt, sondern daraus die richtigen Schlüsse gezogen. Und zuletzt: unser Protagonist, eben jener, der das Museum so halbwegs durch den NS gerettet hat, hat es zum Schluss abgefackelt. Vor allem, weil er bemerkt, wie sich im „Exil“ ein revanchistischer Vertriebenenkult um das Museum zu formieren beginnt.

Alles in allem ist „Heimatmuseum“ durchaus ein typischer deutscher Nachkriegsroman, mit den typischen thematischen blinden Flecken und auch, wenn er stärker als andere dagegen vorzubauen versucht, mit einigen in der typischen Entschuldigungsmechanismen. Innerhalb dieser Kategorie handelt es sich aber mE um einen der literarisch stärksten Texte, um erzählerisch über weite Strecken tatsächlich gelungene Literatur, der, ganz besonders, dieses zwanghaft Verdruckste abgeht, das die Koryphäe der deutschen Nachkriegsliteratur, Günter Grass, so unerträglich zu lesen macht.

Bild: Pixabay.

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