Beeindruckende Filmografie. (fast) Alle Filme mit Kristen Stewart.

Ich kenne nicht wirklich viele Namen von Schauspielern. So ungefähr ab dem Abi, als ich dann über viele Jahre nur noch selten Filme geguckt habe, habe ich aufgehört, mir die Namen zu merken. Dieser ganze Personenkult ging mir sowieso immer ab. Also kenne ich die Figuren aus meiner Jugend, Will Smith, Meg Ryan, Julia Roberts, Robin Williams und so weiter und so fort, und danach mit etwas Glück noch ein paar Leute aus Serien. Aber selbst bei älteren Schauspielerinnen und Schauspielern läuft einiges über Kreuz. So fand ich zum vor kurzem heraus, dass die Person, die ich entweder als Christian Bale oder Christian Slater oder möglicherweise Val Kilmer abgespeichert hatte, tatsächlich Kevin Bacon ist. Und anscheinend ist jemand, den ich immer für eine junge Version von Michael J.Fox hielt ein Mann namens Jason Bateman. Das wiederum, dachte ich, sei die Hauptfigur aus „American Psycho“. Die heißt aber Patrick und wird gespielt, als sei es nicht kompliziert genug, von Christian Bale, den man nicht mit Christian Slater oder Val Kilmer verwechseln darf… (nein, es geht hier meist nicht ums ähnlich sehen, sondern wahrscheinlich eher um Assoziationen zum Klang von Namen). Ich schicke all das voraus, da mir sonst niemand die Geschichte glaubt, die zu diesem Artikel führt.

Also: Ich hatte bis vor wenigen Wochen keine Ahnung, das es eine Schauspielerin (und Regisseurin) namens Kristen Stewart gibt. Sicher habe ich den Namen das ein oder andere Mal gehört, aber das verschmolz dann wahrscheinlich recht schnell mit Kirsten Dunst, deren Namen ich durch den Spiderman Hype gegen Ende meiner Jugend noch aufgeschnappt habe. Und man kann sich vorstellen: Ich bin kein Twilight-Fan, also bestand dort keine Gefahr, von ihr zu hören. Vor ein paar Wochen aber hat mir Amazon einen Film empfohlen, und den fand ich ziemlich gut. Darunter empfiehlt Amazon dann bekanntlich weitere Filme, also schaue ich noch einen, und siehe da: wieder gut. Also habe ich angefangen, ein wenig mehr nachzulesen und bin auf zwei Dinge gestoßen: Eine beeindruckende Reihe an Filmen mit sehr starken Konzepten und ähnlich starken Kritiken. Und eine Unmenge Hass von Personen, die behaupten, eine Schauspielerin, von der ich gerade doch eindeutig gesehen habe, dass sie ganz unterschiedliche Rollen ausfüllen kann, habe nur eine immergleiche Figur drauf. Hass, der höchstwahrscheinlich dank Twilight perpetuiert wird.

Anyhow – ihr wisst spätestens seit der Animationsfilm-Reihe, dass ich ungern jeden Tag aufs Neue nachdenke, welchen Film ich heute schaue. Daher habe ich am liebsten ein „Projekt“ an dem ich mich ein bisschen aufhängen kann. Animationsfilme, Monsterfilme, Alfred Hitchcock, Horrorfilme, alles von Ridley Scott usw. Irgendetwas, wo man wenigstens nicht, wenn man schon die meiste Zeit enttäuscht wird, nicht vorher auch noch lang darüber nachdenken muss, wovon man sich als nächstes enttäuschen lassen möchte.
Außerdem ist da meine Theorie, dass SchauspielerInnen, die durch Franchises groß geworden sind, denen allgemein zugeschrieben wird, dass man keine besonderen schauspielerischen Leistungen vollbringen muss, dazu tendieren, sich danach ihr Material sehr bewusst auszuwählen. Das gilt etwa für Adam Driver, der zwar vor Star Wars schon Schauspieler war, aber danach in einem Meisterwerk nach dem anderen spielte, das gilt im Groben und Ganzen für Emma Watson, etwas abgeschwächt auch für Natalie Portman, und ich glaube auch Daniel Radcliffe hat das versucht. Auch wenn er ein paar mal eher daneben gegriffen hat, waren seine Filme bisher alles andere als gewöhnlich. Es scheint für Jennifer Lawrence zu gelten, zumindest wenn man sich ihre Auszeichnungen anguckt. Und es gilt, wie ich mittlerweile weiß, definitiv für Stewart, die in Interviews auch darauf hingewiesen hat, dass das Twilight-Geld ihr die Freiheit gegeben hat, nur Rollen anzunehmen, von denen sie überzeugt ist. Und als Filmfreak heißt das für sie wohl weniger, ihre Jugendhelden zu spielen oder in die nächste „Franchise“ zu springen, sondern mit Leuten zu arbeiten, von denen sie weiß, dass sie gute Filme machen.

Ja: Ich habe alle 35 Filme mit Kristen Stewart in der Hauptrolle gesehen und besprochen. Den Großteil hier in Kurzrezensionen, für die farblich markierten Filme folgen noch ausführlichere Texte und sind bzw. werden sukzessive verlinkt. Von diesen Filmen haben es acht auf meine „in jedem Fall mehrfach schauen“-Liste geschafft, was der Goldstandard ist. Richtig gut ist ein Werk nur, wenn man sich sicher sein kann, sich auch mehrfach damit beschäftigen zu wollen. Acht ist keine kleine Zahl: Obwohl ich seit Anfang von Corona im Schnitt jeden Tag mindestens einen, oft eher zwei Filme geschaut habe, also wahrscheinlich mindestens 500 und obwohl auf der Liste dann auch noch einige Kindheits-/Jugenderinnerungen stehen, versammelt sie bisher nicht mehr als 70 Filme. Und sicherlich noch zehn bis fünfzehn weitere Filme in Stewarts Filmographie kann man sich zumindest noch ein oder zwei mal anschauen, nur halt nicht immer wieder.

Ich habe tatsächlich lange überlegt, ob ich diese Rezensions-Reihe machen soll, weil es am Ende auf die meisten wahrscheinlich einfach nur fanboyish wirkt. Ist ja nur eine Schauspielerin. Und dann die aus Twilight, also wirklich. Oder wie ich es aufbauen soll, damit es nicht so wirkt. Aber wisst ihr was: Niemand würde es komisch finden, würde ich etwa alle Filme von Ridley Scott rezensieren. Niemand hat es komisch gefunden, dass ich alle Bücher von Dostojewski oder von Shani Mootoo besprochen habe. Daher ohne weiteres Geschwätz: 35 Filme mit Kristen Stewart in Haupt oder wichtiger Nebenrolle, geordnet nach Ihrer Stärke. Davon 25, die so gut waren wie oder besser als der geschätzte Schnitt dessen, was ich in den letzten 2 Jahren gesehen habe.
Innerhalb der Gruppen sind die Filme nicht geordnet. Außen vor bleiben die beiden Kurzfilme, bei denen Stewart Regie geführt hat, die ich jedoch auch beide empfehlen kann, „Come Swim“ (hier komplett auf Youtube)etwas mehr als „Crickets“. Auch aus dieser Richtung erwarte ich in Zukunft definitiv noch Gutes. Es fehlt das gerade erst erschienene „Crimes of the Future“ von David Cronenberg.

Block I – Filme zum definitiv mehrfach gucken

2014: Die Wolken von Sils Maria (Sils Maria)

2009: Adventureland

Adventureland ist ab jetzt denke ich meinen Lieblings-Jugendfilm. Von der Atmosphäre her versprüht das Ganze ein wenig Freaks and Geeks Vibes, alle Figuren wirken so unglaublich überzeugend als gescheiterte Mitt-20er bzw. unsicher ins Leben aufbrechende späte Teens zwischen Schule und Erwachsenenleben. Das Setting des lax gemanagten Vergnügungsparks, rund um den sich dramatische Liebesgeschichten und erste große Lebenskrisen entfalten, ist perfekt gewählt, um diese Geschichten zugleich ernsthaft und leicht/humorvoll zu erzählen Und die Beziehungen sind dramatisch genug, um zum Film zu taugen, aber noch glaubhaft genug, um als Junge Freundschafts-und Liebesgeschichten glaubhaft zu bleiben. Natürlich gibt es ein bittersüßes Happy End, und anders wäre der Film auch kaum zu ertragen. Im Gegensatz zum hochgelobten „The Perks of being a Wallflower“, wo mich das Happy-End sehr genervt, hat funktioniert es hier wunderbar. In der „Realität“ dürfte man zwar wohl davon ausgehen, dass Em und James am Ende nicht zusammengefunden hätten, und auch im Film ist es angesichts in der Art und Weise wie die beiden ihre Beziehung zuvor kaputtmachen eigentlich zuviel der Belohnung für beide, besonders aber für James. Aber die zwei sind als Paar immerhin gerade noch glaubhaft und die Probleme, die ihnen im Weg stehen, sind normale Teenager- Probleme, ohne krasse Geschichten von Mord und Selbstmord, die „Perks“ noch auf die Teenager-Probleme drauf setzte.

2010: The Runaways

Kurz gesagt: Eines der besten, wenn nicht gar das beste, Biopic. Biopics sind ja filmisch eigentlich immer Mist. Sie haben kaum einen rechten Anfang, und wenn es einmal gelingt, eine Geschichte überzeugend zu entwickeln, wird spätestens das Ende vermurkst, weil man nicht wirklich weiß, wo man aufhören soll und dann nach einem beliebigen Höhepunkt Freezframe+Text zur Zukunft bringt. Die Geschichte von Joan Jetts erster Band dagegen ist nicht nur hochinteressant und verdient es, erzählt zu werden, sie hat mit der relativ kurzen Zeitspanne von etwa 3 Jahren zudem alles, was es braucht um eine relativ geschlossene Geschichte zu erzählen. Und die Art wie die zu einem wundervollen emotionalen Schluss entwickelt wird, der uns gleichzeitig den Blick in die Zukunft nach den Runaways öffnet, ohne dass überhaupt noch eine Texttafel nötig gewesen wäre (es gibt dennoch eine): herausragend. Die abgefuckte, immer etwas angebleicht wirkende Bildästhetik unterstützt die Geschichte dabei aufs vorteilhafteste, ebenso, wie stark die Hauptfiguren gespielt sind und dass Fanning und Stewart die Songs dazu tatsächlich selbst performen.

2008: Das gelbe Segel (The Yellow Handkerchief)

Das gelbe Segel könnte als Lehrstück für Roadmovies herhalten. Drei ganz unterschiedliche, jeweils auf ihre Weise kaputte Figuren, die die Einöde des dörflichen amerikanischen Südens zusammenbringt. Ein Mann, der gerade aus dem Gefängnis kommt und Vergebung sucht, das aber nicht zugeben will: Vor der Frau, die er immer wieder in Schwierigkeiten gebracht hat aber auch vor der Welt, als deren Jury ihm gewissermaßen zwei Jugendliche dienen. Ein Jugendlicher, der sein Außenseitertum durch Angeberei und verrückte Geschichten überspielen will und eine junge Frau, die ausbrechen will aus dem von Eltern wie ein Kind behandelt werden und von den Altersgenossen als Sexobjekt gesehen werden. Die Farbgebung, das leitmotivisch wiederkehrende Gelb, dessen Bedeutung sich langsam enthüllt, die perfekte Balance zwischen Handlung im „Jetzt“ und Rückblenden, die die Rückblende, anders als viele andere solche Filme, nie überreizt; die Art, wie die Figuren für uns einerseits gerade zu intim sympathisch werden und gleichzeitig aufgrund ihrer Handlungsweisen nie wirklich zu Sympathieträgern taugen, das alles ist meisterhaft inszeniert und erzählt in anderthalb Stunden zehnmal mehr und besseres, als manch berühmterer Film in zweieinhalb und mehr.

2014: Camp X-Ray – Eine verbotene Liebe (Camp X-Ray)

Ib – Filme, die man mehrfach gucken müsste, aber es dann vll doch nicht macht

2021: Spencer

Spencer ist alles andere als ein Biopic oder eine Filmbiographie. Eher eine Art poetische Imagination, manchmal beinahe ein Traum über die drei Tage zu Weihnachten, in denen sich Dianas Entscheidung, sich von Charles und der königlichen Familie zu trennen, stärker Gestalt annahm. Ein dichtes Geflecht von Motiven, Bedeutungsträchtigen Einstellungen, darunter eine, in der wahrscheinlich durch geschickte Ausnutzung der Architektur der Blick auf die Räumlichkeiten „dutch“ wirkt, während die Figuren horizontal ausgerichtet bleiben. All das wird durch eine Farbgebung unterstrichen, die zugleich stark gesättigt wirkt (leuchtenden Farben), diese Sättigung ist aber wiederum durch einen Filter gejagt, der an schon etwas verblasste 90er-Jahre Fotografien erinnert. Weil es eben kein Biopic ist, ist der Film von überzeugender Stringenz, in der Handlung sowie motivisch-thematisch stark durchkomponiert. Dabei dienen das alte verlassene Anwesen der Spencers einerseits und das Verhältnis zu den Kindern andererseits als Leitmotiv, auf die dann jeweils der Schluss entworfen ist. Handelte es sich um ein Biopic, ich hätte meine Probleme mit Stewarts Dajana. Denn so beeindruckend es ist, wie die Frau auf dem Bildschirm definitiv nicht Kristen Stewart ist, so überzogen wirken vor allem am Anfang der Akzent und die Manierismen. Aber: Ist man erstmal in die gleichsam überzeichnete Welt des Films eingetaucht, versteht man, dass das, wie Kameraführung, Farben und so weiter, eben genau dessen bewusste Ästhetik unterstreicht Und dass die Meisterschaft in dieser Rolle nicht darin besteht, Diana möglichst realistisch nachzubilden, sondern eine mit der sonstigen Ästhetik kongruente Variante von ihr zu schaffen.

2016: Personal Shopper

Personal shopper. Ein Film, der die Kritik spaltet und besonders beim rezensierenden Publikum nicht so gut ankommt. Ich verstehe die Spaltung, aber der Film ist gut. Nur wenn man wie angekündigt Horror oder Thriller erwartet, wird man wohl enttäuscht. Es ist vor allem die Geschichte eines persönlichen Verlustes, und wie eine junge Frau damit umgeht, eingebettet in eine oberflächliche Pariser Modewelt und die Frage, welche Beziehungen überhaupt „echt“ sind. Das Übernatürliche ist nur ein Mittel, diese Erzählung zu intensivieren. Und das ist meines Erachtens wiederum erzählerisch, bildsprachlich und schauspielerisch sehr gelungen. Der Schluss allerdings… Nun ja. Seine Stoßrichtung gefällt mir, ich würde sogar sagen, sie ist überhaupt die einzig konsequente aufgrund des vorher Erzählten. Aber: Das hätte man subtiler umsetzen können. Statt der letzten Frage und Antwort einen Hinweis, der die Antwort gibt, ohne sie auszusprechen.

2015: Anesthesia

Ich kann mir gut vorstellen, dass manche diesen Film für einen der besten aller Zeiten halten und andere ihn für einen, der besser gar nicht gedreht worden wäre. Ich denke kühl betrachtet ist das erste der Wahrheit näher als das zweite, aber der Film hat ein paar Schwächen, die ihn bei der leisesten Unaufmerksamkeit ins zweite Territorium katapultieren. Nach einem Messerangriff auf einen älteren Mann, bei dem dieser gerade noch ein jüngeres Ehepaar aus dessen New Yorker Wohnung klingeln kann, wird in knapp anderthalb Stunden ein breites Panoptikum von knapp zehn Hauptfiguren und ihrem Leben in New York aufgespannt, und wie alles zu diesem Moment der Messerattacke führte. Das heißt wir haben etwa fünf Kurzgeschichten (pro Geschichte etwa zwei Hauptfiguren), die teils stärker, teils weniger stark miteinander verbunden sind. Und dazwischen immer wieder eine lange Einstellung auf einen offenen Marktstand am späten Abend, an dem sich, wie wir seit Beginn wissen, mehrere Wege kreuzen. Man wird den Film wahrscheinlich mehrfach schauen müssen, um jedem Detail zu folgen, jede der Geschichten wirklich zu verstehen. Und das ist vielleicht das größte und eigentlich einzige Problem: Der Film hat kaum Hooks, die so richtig darauf drängen, ihn mehrfach zu schauen, was es aber bräuchte, um ihn tatsächlich zu wertschätzen. Man sollte sich die Mühe aber vielleicht machen. Das Ganze ist eher komponiert wie ein starker moderner Roman als ein typischer Hollywoodfilm.

II – künstlerisch/thematisch Starke Filme, die man vll nach paar Jahren auch nochmal schaut

2004: Speak – Die Wahrheit ändert alles (Speak)

Ein im Großen und Ganzen starker Film rund um eine Vergewaltigung und die Angst, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, was in diesem Fall heißt: Eltern und vielleicht auch Schule davon zu unterrichten sowie möglicherweise Anzeige zu erstatten. Der Film funktioniert so gut, weil er sich tatsächlich auf die Figur(en) und ihren inneren Kampf einlässt, statt mit Buzzwords und Predigten zu arbeiten. Der Film überrascht in vielen Momenten, wenn man bereits denkt, man weiß, in welche Richtung er sich entwickelt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er uns auch noch mit dem bösartigen Sozi-/Geschichtslehrer und dem freundlichen Kunstlehrer, der eigentlich immer auf der Seite der Jugendlichen steht, überrascht. Ja, eins der Themen ist, dass die Kunst der Protagonistin hilft, die Sprache zu finden für das, was ihr angetan wurde. Aber ein Kunstlehrer, der vor allem Freund seiner SchülerInnen sein möchte, sich selbst ultra jugendlich gibt und dabei sehr aktiv gegen das Schulsystem agiert, hätte meines Erachtens selbst ein wenig mehr kritische Betrachtung verdient. Kurz: Speak hat ein paar kitschige Momente, ist aber doch ein größtenteils starker Jugendfilm.

2006: Im Land der Frauen (In the Land of Women)

Der Titel klingt ein wenig nach 70er Science Fiction oder Fantasy, tatsächlich aber geht es um einen Autor Mitte 20, der sich mit Pornodrehbüchern über die Wasser hält und von seiner Freundin, einem Model, verlassen wird. Er verlässt daraufhin Los Angeles Richtung Valley, und zieht bei seiner Großmutter ein, die fest davon überzeugt ist, demnächst zu sterben (und dass der Enkel Kinderbücher schreibt). Dort gerät er zwischen Nachbarstochter (Kristen Stewart) und Mutter (Meg Ryan). Gut erzählte… Ja, was eigentlich? Eine Art Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, ohne dass der einen großen Entwicklungssprung machen würde, eingefügt in ein zweifaches Familiendrama. Keine größeren Schwächen, aber auch nicht herausragend.

2018: Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story (JT LeRoy)

Anders als „Spencer“ & „The Runaways“ tappt dieser Film in einige Fallen des Biopics. Die Geschichte einer Frau, die in ihrer Jugend schwere Traumata erlebt hat und nun, um ihren Roman zu veröffentlichen, einen jungen Mann unbestimmter Sexualität und womöglich unbestimmter Gender-Identifikation erfunden hat, der dann, als es nicht mehr anders geht, von der jüngeren Schwester des Boyfriends verkörpert wird, bis diese sich, als Mann, in die Schauspielerin verliebt, die wiederum die Schriftstellerin, die für die Protagonistin eine Art Mutterfigur geworden ist, im Film spielen soll, ist allerdings so interessant, dass sie den Großteil der Schwächen vergessen macht. Die sozusagen in ihrer Spaltung doch einheitliche Figur JT/jüngere Schwester wird zudem von Kristen Stewart sehr überzeugend verkörpert. Und wenn euch jemand erzählt, wie es etwa Wikipedia will, der Film tauche nicht tief genug ins Thema Geschlechts-/Genderidentitäten ein, wertet das getrost als Unsinn. Auch hier gilt mal wieder: Nur weil etwas nicht aus buchstabiert wird, heißt das nicht, dass es nicht da ist. Je mehr man anfängt, über die oben beschriebene Konstellation nachzudenken, desto tiefer taucht man schon ganz von selbst ins Thema ein. Es braucht niemanden, der noch mal deutlich macht: „Übrigens! Das hier! Das ist ein wichtiges Thema!“ Der Film kann das schon selbst, mit filmischen Mitteln. Gelungener Film, dem man höchstens vorwerfen kann, dass er wie so viele Biopics strukturell etwas sprunghaft ist.

2014: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern (Still Alice)

Dieser Film berührt vor allem durch das Thema, Early Onset Alzheimer, sowie durch die Darstellung der Figuren des Ensembles, besonders Mutter und Tochter. Erzählerisch ist es ein relativ einfacher Film, der die Geschichte von A nach B verfolgt und fast eine Art Dokumentation sein könnte. Durchaus sehenswert, aber ein zweites Mal wird man ihn wohl nicht schauen wollen.

2010: Willkommen bei den Rileys (Welcome to the Rileys)

Eine größtenteils gelungene Erzählung rund um einen mittelalten Mann, der nach dem Tod der Tochter aus der eigenen Ehe ausbrechen will und eine junge Frau, die er daraufhin glaubt, aus der Prostitution retten zu müssen. Die Art und Weise, wie die beiden zur Zweck-WG werden und der Mann, der für mich immer Tony Soprano sein wird, der junge Frau versucht beizubringen, wie man ordentlich kocht oder ein Bett bezieht, ist oft sowohl anrührend als auch komisch. Auch stark, dass der Film schließlich nicht bei der Rettungsgeschichte stehen bleibt, sondern Retter und Ehefrau lernen müssen, die junge Frau wertzuschätzen, ohne sie auf den aus ihrer Perspektive moralisch richtigen Pfad zu bringen, während aber doch auch sie einiges mitgenommen hat und es zum Schluss wirkt, ist bekomme sie ihr Leben besser auf die Reihe, ohne aus dem Job auszusteigen. Eine Art unorthodoxe Familiengeschichte, sehr viel persönlicher, sehr viel weniger dramatisch inszeniert, als es das Thema vielleicht erwarten lässt.

2015: Equals – Euch gehört die Zukunft (Equals)

Man kann diesem Film eigentlich nicht viel vorwerfen. Eine interessante, unspektakuläre Dystopie, die auf der Deaktivierung menschlicher Emotionen basiert, während deren Reaktivierung als Krankheit behandelt wird. Darin eine tastende Liebesgeschichte zweier solcher „Kranker“. Starke ästhetisch einheitliche Vision, die aus Schattierungen von weiß und grau eine deprimierende Kulisse baut, auch durchweg vom Thema geleitete konsistente Bildsprache. So richtig springt der Funke bei mir aber nicht über. Vielleicht ist das Ganze zu vorhersehbar. Vielleicht hatte Equals aber auch nie eine Chance. Er bringt die deprimierende Atmosphäre ja tatsächlich perfekt rüber, bricht nie aus aus der Einheit von Erzählung und audiovisueller Ästhetik. Doch selbst wenn man daher künstlerisch wenig kritisieren kann, erlebt man schließlich den Film vor allem als deprimierende Folge wenig abwechslungsreicher Szenen. Wer hier nicht dran bleibt – ich kann es verstehen. Aber bitte nicht in den Chor der Hater („schlecht gespielt“, „undurchdacht“) einstimmen. Equals ist filmisch und schauspielerisch eher zu konsequent, um breiten Erfolg haben zu können. Womöglich aber ein Film, dessen Zeit als langlebige Sci-Fi-Underground-Empfehlung noch kommt.

2012: On the Road – Unterwegs (On the Road)

III – Gute Unterhaltung mit paar Schwächen / Kluge Filme, die nicht ganz aufgehen.

2016: Café Society

Ein hübscher einfacher Film, dessen übersättigte Hochglanzästhetik trotz der Einstellung für Einstellung perfekten Bildkomposition mit der Zeit ein wenig nerven kann. Es mag so etwas geben wie „zu perfekt“. Wobei das dann natürlich nicht perfekt wäre, und das weniger Perfekte perfekter und ich glaube wir lassen diesen Gedanken fallen, sonst komme ich nicht zur Besprechung. Café Society ist eine für Woody Allen typische verwickelte Liebesgeschichte. Ein junger Mann kommt nach Hollywood, verliebt sich in die Assistentin seines Onkels, weiß nicht dass der Onkel der heimliche Geliebte ist, mit dem sie anfangs noch zusammen ist und der sie dann verlassen hat. Die beiden jungen Leute kommen zusammen, doch der Onkel entschließt sich doch noch zu dem Schritt, die Ehefrau zu verlassen, und der junge Mann spielt eine ganze Zeit lang unfreiwillig Vermittler zwischen seiner Geliebten und ihrem Ehemaligen, was die beiden letztlich wieder zusammen bringt. Parallel erfahren wir von der Familie des Protagonisten in New York, davon wie der Bruder in der Unterwelt aufsteigt und nach der Trennung steigt der junge Mann in dessen Nachtclub ein und wird selbst eine bedeutende Persönlichkeit in der New Yorker High (Café) Society. In New York treffen auch die beiden Liebenden, zufrieden und dennoch nicht wirklich glücklich in ihren Ehen, wieder zusammen. Eigentlich Wohlfühlkino mit etwas höherem Anspruch, wäre da nicht das alles andere als glückliche Ende und die letzten geradezu herzzerreißenden Einstellungen. Der Film wäre allerdings noch deutlich besser, hätte sich Allen mit dem dauernden Voice-Over zurückgehalten. Ein paar Voice-Over Passagen mögen in die 1930er Hollywood-Atmosphäre passen. Aber Allen erzählt ständig Dinge, die die Bilder sowieso erzählen, oder die er besser durch einige weitere starke Bilder erzählt hätte. Ich will doch nicht parallel zum Film ein Hörbuch hören.

2020: Happiest Season

Happy Season ist endlich mal wieder so eine richtig runde Weihnachts-Familienkomödie zum wohlfühlen. Eine Liebes- und Familiengeschichte mit Happy End, die sicherlich nicht ewig in Erinnerung bleiben wird oder unter die großen Filme seines Jahrzehnts gezählt werden wird, bei der man sich aber auch keine Minute langweilen wird. Grundkonstellation: Abby ist mit Harper zusammen, die sie im Überschwang der gemeinsam verbrachten Zeit zu Weihnachten zu sich nach Hause einlädt. Dort muss Abby erfahren, Harper hat ihrer Familie niemals erzählt, dass sie lesbisch ist. Abby wird also als Freundin mit kaputtem Leben vorgestellt, die unbedingt einen Ort sucht, um Weihnachten zu feiern. Dabei hasst Abby Weihnachten. Es ergeben sich zahlreiche verwickelte Situationen und Abby trennt sich endlich von Harper, die ihr mehrfach in den Rücken fällt. Etwas in der Luft hängt nur die Nebenfigur John, der sich als Abbys guter Freund eigentlich zu Hause um die Tiere kümmern soll, doch mehrfach gemeinsam mit Abby per Telefon die Situation reflektiert, ehe er ihr schließlich zu Hilfe eilt. Das sorgt für die wenigen Cringe-Momente, in denen Dinge, die die Filmhandlung so viel subtiler vermittelt, in platten Slogans noch einmal ausgesprochen werden. Vor allem aber wurde die Beziehung von John und Abby niemals wirklich als eine etabliert, die uns emotional berühren könnte. Der Typ ist einfach da, was die beiden verbindet, wird nicht klar. Ein bis zwei Szenen, die die Freundschaft in den Mittelpunkt stellen, hätten den Film wahrscheinlich deutlich verbessert. Doch so wirkt selbst die Verbindung zu Harpers früherer Geliebter Riley , die Abby zwischenzeitlich auffängt, so viel inniger, dabei haben sich die beiden gerade erst kennengelernt. Trotzdem: Ein schöner Unterhaltungsfilm, der zeigt, dass ein zugleich persönliches und politisches Thema auch in einer leichteren Komödie mit Massenappeal seinen Platz finden kann, ohne dadurch total verwässert zu werden.

2018: Lizzie Borden – Mord aus Verzweiflung (Lizzie)

Stille, nur wenige drastische Höhepunkte setzende Auseinandersetzung mit einem der berühmtesten Mordfälle in der amerikanischen Geschichte. Die dauerhaft niedergedrückte Stimmung bekommt dem Stoff. Ebenso, dass Lizzie ein klarer Grund für die Morde gegeben wird im übergriffigen Verhalten des Vaters und ihrer Liebesbeziehung zur Bediensteten Bridget. Dabei der Film keinesfalls „“, wie es eine Kritik will. Lizzie ist trotz allem auch aus der Perspektive der Erzählung keine Heldin, sondern eine Mörderin, so verstörend, dass selbst ihre Geliebte Bridget, die die Morde mit ihr geplant hat und eigentlich einen davon ausführen sollte, Angst von ihr bekommt und sie anweist, sich nie wieder bei ihr zu melden. Eine von vorne bis hinten tragische Geschichte. Aber sicherlich keine, die in irgendeiner Weise zum Vorbild taugt. Die reale Lizzie mag, setzen wir einmal voraus, sie habe die Eltern überhaupt wirklich ermordet, danach besser dagestanden haben. Im Film hat sie die einzige Person verloren, zu der sie jemals eine Art von Beziehung aufbauen konnte. Ein deprimierendes Ende zu einer durchweg deprimierenden Geschichte.

2016: Certain Women

Drei etwa halbstündige Kurzfilme über Frauen im mittleren Westen. Eine Anwältin, die mit einem schweren Klienten und sexistischer Arbeitsatmosphäre zu kämpfen hat. Ein Ehepaar, das ihr Haus unbedingt aus einheimischen Natursteinen bauen möchte. Eine Nachwuchsanwältin, die in der Pampa unterrichten muss und sich mit einer Farmhelferin anfreundet. Jede Geschichte ist für sich nicht uninteressant, das verbindende Thema ist scheiternde Kommunikation, und das Ganze ist visuell adäquat gestaltet. Aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Als Kurzgeschichtenband würde es vielleicht funktionieren. Aber wenn man einen Feature-Film anfängt, erwartet man mehr als drei Kurzfilme und hört auch nicht in der Mitte auf um an einem anderen Tag weiterzumachen. Entsprechend zieht sich „Certain Women sehr“. Der letzte Film versucht einen kleinen Bogen zum ersten zu schlagen, aber das ist zu wenig, um die drei Filme wirklich zu verbinden. Man vergleiche nur mit dem weiter oben besprochenen „Anestesia“.

2007: The Cake Eaters

Geschichte zweier Familien, die sich so irgendwie am Rande des Lebens durchschlagen. Junger Mann aus der einen Familie verliebt sich in die Tochter aus der anderen, die an… leidet. Die Eltern, besonders die Mutter, sind entsprechend behütend, wobei man der Mutter gleichzeitig vorwerfen könnte, die Tochter für ihre eigene Kunst-Karriere auszunutzen, von der sie noch immer träumt. Der Konflikt spitzt sich zu, weil die Tochter sich in den Kopf gesetzt hat ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, bevor sie sich gar nicht mehr bewegen kann, und entsprechend mit dem Sohn der anderen Familie für eine Nacht in einem Haus am See abhaut. Es gibt wenig zu meckern, aber die letzte Konsequenz im Umgang mit dem Stoff fehlt mir.

2005: Fierce People

Dieser Film hat laut Wikipedia richtig schreckliche Kritiken bekommen. Ich kann das nicht so wirklich nachvollziehen. Mag sein, die Prämisse „junger Jugendlicher studiert die Zirkel stinkreicher Menschen, bei denen er aufgenommen wurde, als handele es sich um eine Art indigene Gruppe“ ist ein bisschen gezwungen (so eine Kritik). Aber: Der Film funktioniert auch ohne diese Prämisse ganz gut, und dass ein junger Jugendlicher so eine Art Spiel spielt, ist durchaus vorstellbar. Ebenso, dass die reichen Jugendlichen anfangen sich mit so etwas zu identifizieren. Gott, was für bekloppte Spiele haben wir als Kinder/junge Jugendliche teils über Wochen und Monate gespielt.
Aber wie gesagt, diese Prämisse ist nicht unglaublich relevant, interessanter sind die Beziehungen der Figuren zueinander, die Art und Weise, wie einerseits extremer Reichtum und Isoliertheit von anderen Gesellschaftsschichten als verrohend gezeigt wird, insbesondere für die Jugendlichen, die direkt in diese Sphäre geboren werden. Und wie andererseits die Einsicht über die Verrohung für Finn zum Vorurteil wird, sodass er auch den Beziehungen zu High Society Menschen nicht mehr traut, die trotz allem im Großen und Ganzen gute Menschen sind. Insbesondere Maya, die sich relativ früh an ihn heran geschmissen hat und über den Verlauf des Films seine feste Freundin ist, und die er wiederum in einer Weise verletzt, die fragen lässt, ob Reichtum und soziale Isoliertheit in der Bonzen-Bubble als ein Grund für unmenschliches Verhalten im Film nicht am Ende nur eine falsche Fährte waren, auf die das Ganze uns gelockt hat.
Der Film ist sicherlich nicht ganz so handwerklich rund, wie etwa Certain Women oder The Cake Eaters hier in der gleichen Gruppe, sorgt dafür allerdings konventioneller durch eine gewisse Drastik für Spannung, so dass das Risiko, sich zu langweilen, weniger groß ist. Entsprechend durchaus noch mit Recht unter den ziemlich sehenswerten Filmen.

IV – Knapp über Hollywood-Durchschnitt

2019: Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg)

Ich habe die Probleme von Biopics hier schon ein paar mal erwähnt. Dieser Film hat sie alle. Die Geschichte ist interessant und es lohnt sich, mehr dazu zu lesen. Die audiovisuelle Gestaltung ist stark. Und Stewart zeigt einmal mehr, welch unterschiedliche Figuren, die oft wenig mit ihr selbst zu tun haben, sie spielen kann. Und doch wirkt das Ganze wie ein Abhaken von Lebenssituationen ohne innere erzählerische Struktur, das dann auch kein gelungenes Ende findet.

2015: American Ultra

Dieser Film ist bekloppt und je nach Laune könnte man ihn deutlich weiter oben oder unten einordnen. Ein White-Trash/Stoner Pärchen ist unglaublich verliebt, allerdings steht die Beziehung auch unter Stress, da er kaum etwas im Leben auf die Reihe kriegt außer Comics zu zeichnen und nicht zu veröffentlichen, während sie beide so halbwegs in der Realität verankert. Eigentlich plant er gerade, ihr einen Antrag zu machen, weil er weiß, dass er Nägel mit Köpfen machen muss, ehe sie ihm am Ende doch noch wegläuft. Dann wird er auf der Arbeit angegriffen und verwandelt sich plötzlich zur Kampfmaschine, was beide sehr verwirrt. Der Rest der Story führt uns in ein ultrageheimnis Regierungsprogramm ein, mit viel Action und ein wenig Romantik. All das ist wie gesagt total bekloppt und erinnert mich ein wenig an Jim Jarmushs „The Dead don’t die“. Es ist aber auch ein großer Spaß , bei dem nur das Ende etwas zu gezwungen wirkt. In einem Interview mit den Hauptdarstellern wurde vorgeschlagen, das ganze als einen Fieber-/Albtraum von „Em“ und James aus „Adventure Land“ zu lesen, und hätte man das im Film tatsächlich umgesetzt, stünden beide Filme als Duo wahrscheinlich ganz oben mit in der Liste.

2019: 3 Engel für Charlie (Charlie’s Angels)

2007: The Messengers

Ein absolut solider Horrorstreifen, der, wie auch schon andere Kritiken erwähnen, sicher das Rad nicht neu erfindet, aber gut funktioniert. Warum funktioniert er: Weil es eigentlich ein doppelter Familienfilm ist, über eine definitiv kaputte Familie und eine, die sich vielleicht noch retten kann. Die Angst der ältesten Tochter vor den Geschehnissen im Haus spiegelt zu einem guten Stück die Wut über das herausgerissen Sein aus ihren früheren Verhältnissen, was es deutlich glaubhafter macht als in vielen anderen Filmen, dass das Übernatürliche lange nicht ernst genommen wird. Zugleich wird der Film so psychologisch geerdet. Manche Kritiker sagen, man könne den Twist von weitem kommen sehen. Ich habe ihn nicht gesehen, halte Filme aber auch nicht für ein Twist-Ratespiel, sondern konzentriere mich auf Atmosphäre, Figuren, Beziehungen, Geschichte. Ein Film, der mit einem Twist steht oder fällt, ist meist kein guter Film. Dieser ist auf jeden Fall besser als manch gefeierter Horror.

2002: Panic Room

Ganz ordentlicher Thriller, der einerseits durch seine sehr konsequente Bildgestaltung besticht, andererseits über die lange Strecke dann unter anderem auch mit dieser zu langweilen beginnt. Fast zwei Stunden immer das gleiche Düster, das könnte selbst bei noch stärkerer Handlung nerven. Doch die Handlung hat auch ein paar Redundanzen und ein paar idiotische Momente, sodass ich zwischendurch dachte: Das ist doch Kevin allein zu Haus für Erwachsene, oder? Meist ist es aber ziemlich spannend, und es gibt sicher noch deutlich schlechtere Filme.

V – Schlechte Filme, die ein Lied rettet

2007: Into the Wild

Als Film misslungen, wie fast alle Biopics. Natürlich fesselt die Handlung und man kann sich starker Emotionen kaum erwehren, aber de facto ist das doch vor allem, weil man einem sich selbst überschätzenden Vollidioten über knapp zwei Stunden bei der Vorbereitung eines Suizids zuschaut. Ansonsten springen wir von Ort zu Ort, mit dem Protagonisten als einzigem Zentrum, was einfach nicht reicht. Schaut mal weiter oben bei „The yellow Handkerchief“, dort lernt man, wie ein Roadmovie funktionieren kann. Am stärksten sicher die Verbindung zu den beiden Hippie Reisenden, die in der Zeit in Slab City kulminiert, wo dann auch die überzeugendsten Interaktionen stattfinden. Und vor allem die gemeinsame Performance von Kristen Stewart und Emile Hirsch mit „Angel of Montgomery“, die wirklich wunderschön ist und mir besser gefällt als die in der Aufnahmequalität nicht überzeugende Duette-Aufnahme von Bonnie Raitt und John Prine, die man sonst online findet. Die Zeit, die mit dem Kampf um die Herausgabe des schrecklich überlangen Snyder Cut vertan wurde, hätte man besser darauf verwandt, die komplette Aufnahme dieses Songs zu fordern. Anfangs ging ich nicht davon aus, dass sie existiert, doch dann fand ich ein Interview, in dem Stewart erzählt, wie das Publikum immer stärker mitgehe, und der Song immer kraftvoller und zu etwas ganz Anderem wurde. Das ist definitiv nicht im Film. Also: Release the Angel!

VI – Standard-Hollywood-Kost

2012: Snow White and the Huntsman

Entgegen anderslautender Gerüchte ein absolut anschaubarer Hollywood-Fantasy-Streifen. Kein Meisterwerk, aber absolut auf Höhe mit all der Superhelden-Durchschnittskosten, die uns über das vergangene Jahrzehnt immer wieder als großes Kino verkauft wurde.

2004: Catch that Kid

Ein ordentlicher Heist-Movie für Kids, mit ein paar er unlogischen Momenten.

2008-12: Die Twilight-Reihe

Über Twilight wurde schon so viel geschrieben, dass ich mich hier darauf konzentrieren möchte, warum die Filme in ihrer filmischen Ausführung durchaus nicht so schlecht sind, und mich trotz zahlreicher Cringe-Momente besser unterhalten haben als mancher Film mit besserem Ruf, der das Handwerk vernachlässigt.
Jeder Twilight Film erzählt für sich eine relativ solide Geschichte, die einen Hook für sein Publikum bietet und dann das Ganze ohne allzu viele Schnörkel zur Klimax führt. Am schwächsten ist sicherlich der dritte Teil, der außer „Hilfe, wir werden verfolgt!“, nicht viel bietet. Der erste baut Spannung über die Beziehung zu Edward auf, der zweite über die Beziehung zu Jacob, der vierte und der fünfte funktionieren, weil die Produktion sich langsam bewusst zu werden scheint, dass man das Thema nicht allzu ernst nehmen darf und den Trash immer heftiger zu umarmen beginnt. Was zuvor unfreiwillig komisch war, wirkt immer freiwilliger komisch.
Ich wusste, als ich die Filme begann, dank allgegenwärtiger Diskurse, dass Bellas Beziehung zu Edward, wenn man sie ernst nimmt, Hochgradig kaputt ist, nur dadurch rationalisiert, dass sie ihm das kontrollierende Verhalten immer wieder selbst „erlaubt“. Was mir nicht klar war: Dass die zu Jacob fast genauso gestört ist, so dass ich wirklich nicht verstehe, wie irgendjemand die eine gegen die andere ausspielen will (zumal hier keine „Erlaubnis“ von Bella vorliegt). Immerhin wird Bella über die Serie dann zu einer Kraft, die niemand mehr herumschubsen kann und auch Edward wird sich wohl in Zukunft zweimal überlegen müssen, ob er hier noch den Beschützer/Kontrolleur spielen will. Man muss die Reihe wirklich nicht gesehen haben, aber es war deutlich weniger schlimm, als ich befürchtet habe.

2012: Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Teil 2 (The Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 2)


VII – Noch unterhaltsam, aber bitte Hirn ausschalten.


2011: Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Teil 1 (The Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 1)
2009: New Moon – Biss zur Mittagsstunde (New Moon)
2010: Eclipse – Biss zum Abendrot (The Twilight Saga: Eclipse)
2008: Twilight – Biss zum Morgengrauen (Twilight)

VII – Trash. Absolut schrecklich. Hilfe!

2020: Underwater – Es ist erwacht (Underwater)

OK, ich denke, ich weiß, was „Underwater“ filmisch wollte. Aber das Ergebnis ist eine Katastrophe, und nicht im positiven Sinne. Was der Film meines Erachtens sein soll: ein Film über die menschliche Hybris gegenüber der Natur. Es wird tiefer und tiefer im Meer gebohrt, irgendetwas Schreckliches entweicht daraufhin aus dem Erdinneren, und die Protagonisten müssen um ihr Leben kämpfen. Das Böse wird langsam enthüllt, und gegen Ende wird klar: die kleinen Kreaturen sind nur Teile eines großen Organismus, der Cuthulu selbst ist. Ein paar Anspielungen darauf sind vorher gestreut, so dass man das, wenn man in dem ein oder anderen Bild genau hinschaut, hätte erwarten können. Aber: Es sind reine Bildhinweise ohne thematischen Bezug, auf die Handlung hat das entsprechend keine Auswirkung. Die Protagonisten brechen nicht unter dem Druck zusammen, wenden sich an keiner Stelle gegeneinander, der chaotische Einfluss der Gottheit bleibt ein völlig äußerlicher. Auch seine Verbindung zum eigentlichen Wahnsinn, eben der menschlichen Hybris gegenüber der Natur, die auch einfach erzählerisch zu wenig entfaltet wird, wird nie herausgearbeitet. Was tatsächlich bleibt sind Menschen, die sich über anderthalb Stunden durch dunkle nasse Gänge und über den Meeresboden kämpfen, schreien, schießen, stöhnen und grimmig gucken. Nicht einmal die schwere Entscheidung, die die Protagonistin zum Schluss trifft um das Leben zweier Mitstreiterinnen zu retten, berührt dann noch emotional. Denn es wurde nie etwas dafür getan, die Figuren uns tatsächlich auch als Menschen mit Beziehungen zueinander und nach draußen vor Augen zu stellen. „Underwater“ ist der einzige Film in dieser Liste, von dem ich wirklich komplett abrate. Verschwendete Zeit.

Bild: Pixabay

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