Das Arthur-Projekt 14 – Ein Gang zwischen Bäumen.

Episode 14 im Arthur-Projekt versucht eine plausiblere Ordnung in das Verhältnis Merlin-Vivian zu bringen:

„Vivienne schlendert verträumt über die weichen Wiesen zwischen den schlanken Stämmen des lichten Forstes von Gwent. Über einen wolkengleichen Teppich aus Nadeln. Durch raschelndes Laub.
Schmetterlinge, leuchtend Blau. Der Gesang einer Drossel. Wie viele solche Gänge hatte sie hier über die vergangenen Mondzyklen mit Myrrdin getan. Sie hatte diese Zeit, auch wenn eine innere Stimme sie gequält hatte, genossen.

Denn sicher, sie hatte ihn ausgenutzt. Hatte an den Lippen des Alten gehangen, hatte selbst gelehrte Diskurse mit ihm geführt oder gelauscht, wenn Talesien, der Barde, zu Gast war und sie sich hatten in Rage reden können: Wie die Sterne heißen und ob sie unterschiedlich weit von uns entfernt oder alle in einer Sphäre liegen. Wie Gott zwischen Himmel und Erde die Wetter anrühre, wie die Wolken aus den Flüssen trinken und, wenn sie satt sind, als Regen über uns hereinbrechen. Welche Fische es in den Flüssen von Cymru und Logres gibt, und was ihre Namen. Welche Vögel die Lüfte bewohnen und wie sie fliegen. Für besonders lebhaften Streit hatte zwischen dem Seher und dem Baden regelmäßig die Frage gesorgt, wie man wisse, dass ein Vogel ein Vogel, ein Fisch ein Fisch sei. Sind wir es, die aufgrund einiger Äußerlichkeiten diese Einteilung vornehmen? Oder hat jeder Vogel teil an einer jenseitigen Vogelnatur, jeder Fisch an einer Fischnatur? Was wäre, wenn man auf einen Fisch mit Flügeln treffe? Doch so leicht es geschah, dass sie sich an einem solchen Thema festbissen, so leicht sprangen sie auch von fliegenden Fischen nach Ultima Thule, das die nördlichste Siedlung der Menschheit sein soll, und von dort in den Süden nach den sagenumwobenen goldenen Äpfeln der Hesperiden, und was wohl ihre Wirkung gewesen, oder ob die Argonauten, das gefallene Troja, Aineas, Brutus und seine Reise nordwärts, aus der Logres erwuchs und das ganze Brythonerland, auch solche Legenden seien oder wirklich geschehen. Vivienne hatte dann oft leis in sich hinein geschmunzelt. Nicht weil sie zu all diesen Dingen nichts zu sagen wüsste. Die Seefahrer von Eíre hatte manches gesehen, wovon Myrrdin und Talesien nur wachend träumten, ja, sogar Fische mit Flügeln! Und von Ultima Thule, dass sie Eeslynn nannten, brachten sie von Zeit zu Zeit wertvolle Häute, funkelnde Kristalle und Geschichten von Bergen, die Feuer und Wasser speien. Aber dieses wilde Theoretisieren, dieses fast wahnsinnige nicht nur die Dinge wissen wollen, sondern die Dinge hinter den Dingen und selbst noch die Dinge hinter den Dingen hinter den Dingen, das war ihr fremd. Doch vielleicht konnte man selbst davon etwas lernen, und darum ging es: Lernen, um besser raten zu können, damit der schwankende König ihrem Wort vertraute. So viel stand auf dem Spiel. Und trotzdem: Eine innere Stimme quält sie deswegen. Denn jener hatte wohl geglaubt, sie sei nur um seinetwillen bei der Sache und vielleicht, denkt sie, hätte man den bemerkenswerten Alten in einer besseren Zeit wahrhaft lieben gelernt. Nein, vielleicht liebt sie ihn sogar. Doch sie hat andere Ziele als nur den Diskurs und die Stunden zu zweit. Und das befleckt alles.

***

Rufe dringen durch locker stehende Birken. Zwischen den Stämmen kann Vivienne eine Reiterschar ausmachen. Eine kleine Gruppe, noch undeutlich aufblitzend und verschwindend im nach der Ferne hin dichter werdenden Hain. Sie geht ein paar Schritte, doch verbirgt sich, um ungestört beobachten zu können. Lanzelot, der Strahlende, reitet in Front auf dem schmalen Pfad, der vor langer Zeit von Mensch oder Tier in den Wald getrieben wurde und seitdem mit jedem Durchritt ein wenig breiter ausgetrampelt. Natürlich ist die Königin auch da, doch sie reitet nicht an der Seite des Ritters. Den Platz hat Gaulehad eingenommen, ein relativ junger Neuankömmling beim Hof, den der Ruf Lanzelots und die Geschichten vom Gral über das südliche Meer gelockt haben (…)“ HIER WEITERLESEN

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