„Die Philosophie in Star Trek“ nutzt Star Trek eher platt als Illustration für vorgefertigtes Denken.

„Die Philosophie in Star Trek“ ist ein kleines Buch mit einer netten Idee und vielen Schwächen. Wie leider fast alle Bücher, die Philosophie oder Religion in einem beliebten Buch, Film oder Fernsehserie beleuchten wollen, analysiert es weniger Star Trek in der Tiefe und leitet daraus dessen philosophische Grundlagen ab, als dass bestimmte Grundlagen/bzw. Anschauungen der AutorInnen postuliert werden und dann einzelne Folgen kursorisch als Illustration dazu herangezogen werden bzw. die Serie darauf abgeklopft, ob sie diesen Anschauungen brav folgt. Die Leitlinien hier sind durchgehend Kosmopolitismus, Pflichtethik und ein schlecht verstandener Hegel.

Es wird dann vor allem eine eher oberflächliche Einführung darein gegeben, was Hegel zu diesem oder jenem Thema gesagt und gedacht haben soll. Soll, weil obwohl meine letzte Lektüre der Hauptwerke Hegels schon wieder ein wenig zurückliegt, ich mir ziemlich sicher bin, dass viele Behauptung, ob schon nicht unbedingt falsch, doch aus dem Zusammenhang gerissen sind, was bei Hegel für gewöhnlich soviel bedeutet wie falsch. So wird Hegel etwa nicht nur für das Recht der Person auf Freiheit und Anerkennung eingespannt, sondern daraus auch die Notwendigkeit einer (liberalen) Demokratien abgeleitet. Sorry Leute, Hegel war nicht nur kein Demokrat, sondern sicher, dass ein aufgeklärter Absolutismus besser fähig wäre, die Freiheiten der Person vor dem Gesetz aufrecht zu erhalten und überhaupt die Moderne in der Balance zu halten, u.a. weil solch eine Monarchie eben nicht von einer Interessensgruppen gekappt werden könnte (detaillierter und hegelscher gesprochen hier). Und auch wenn sicher richtig ist, dass Hegel die Freiheit eines jeden Vernunftswesens überzeitlich „anerkennt“, scheint es mir doch fragwürdig, dass er, wie die AutorInnen nahelegen, auf der Seite revoltierender griechischer Sklaven gestanden hätte. Denn Hegels Philosophie ist durchweg geschichtlich: Eine Idee, deren Zeit nicht erreicht ist, wird rückblickend von ihm kaum Beifall erhalten. So mag, um ein Beispiel des Buches zu bemühen, Spartakus, durchaus im Recht gewesen sein, und doch war die Niederlage notwendig. Man mag hier von einer tragischen Situation sprechen, doch würde mit Hegel niemals das größere, das metaphysische Recht, des römischen Reiches am Prüfstein Spartakus in Frage stellen, denn jenes hat sich vor der Weltgeschichte ausgezeichnet, welche bekanntlich das Weltgericht ist.

Wie wäre es aber nun, wenn die Sklaven Beistand einer außerirdischen Zivilisation bekommen hätten, die ihnen eine reale Perspektive aufgezeigt hätte, das Römische Reich im Hegelschen Sinne „aufzuheben“, also dessen Errungenschaften festzuhalten und es gleichzeitig zu überschreiten? Hier könnte das Philosophieren mit Star Trek anfangen, und interessant werden. Schade dementsprechend, dass das Buch sich auf die Betrachtung der Originalserie beschränkt. Philosophisch deutlich „tiefer“ sind TNG und DS9, beide hätten den Autoren vielleicht geholfen zu erkennen, dass Philosophie mehr sein kann als Ethik, ein paar politische Leitlinien und ein lautes „Nein!“ auf die Frage „Gibt es einen Gott?“. Tatsächlich spart das Buch Metaphysik größtenteils aus, doch gerade hierin wäre eine Konfrontation mit Hegel interessant gewesen. Denn Hegels Metaphysik ist definitiv nicht die der Originalserie.

Auch erfahren wir in den späteren Serien, dass die Föderation gerade keine Demokratie ist, zumindest keine liberale. Zwar dürfen anscheinend alle irgendwie mitbestimmen, wählen also, aber eine freie Berufswahl gibt es im Star Trek Universum zum Beispiel nicht. Journalisten und Schriftsteller etwa brauchen eine staatliche Akkreditierung und erstere werden auch staatlich ausgebildet. Ich glaube tatsächlich, dieser interstellare Vernunftsstaat wäre Hegel vernünftiger vorgekommen als unsere liberale Demokratie, die die Autoren dagegen so stark machen.
Hier hätten die Autoren dann zumindest über Star Trek und Hegel philosophieren können. Um die „Die Philosophie in Star Trek“ geht es in dem Büchlein ja sowieso kaum.

Letztlich ist der Text aber verschwendete Zeit, obwohl er kurz ist. Wer nicht eine wirklich ganz basale Einführung in Grundfragen der Ethik, gefiltert bereits durch einen westlich-liberal-demokratischen Blick, sucht, erfährt hier wenig Neues. Eine tiefere Auseinandersetzung mit Star Trek, eine also, die die gewünschten Ergebnisse nicht schon vorher zu kennen meint, findet auch nicht statt.

Übersicht der Hegel-Reihe.

Bild: Pixabay

2 Gedanken zu “„Die Philosophie in Star Trek“ nutzt Star Trek eher platt als Illustration für vorgefertigtes Denken.

    1. soerenheim sagt:

      Ja, hatte mir definitiv mehr erwartet, auch wenn es „nur“ ein Büchereifund war…
      Aber ne Zeit lang war das irgendwie Mode, man schreibt dünne Büchlein wie dieses oder „xy in star wars/ den simpsons / whatever“ und nutzt die serie nur um zu illustrieren, was man eigtl eh mitteilen wollte.

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