„Die versunkene Stadt“ / „Die Schlacht von Londinium“ – 2 Episoden aus dem Arthur-Projekt.

Weil ich es letzte Woche verpennt habe, gibt es diese Woche zwei Episoden bzw. Erzählungen. „Die versunkene Stadt“ ist eine Art Crossover der bretonischen Legende von Ys & der nordisch/norddeutschen Legende von Vineta. „Die Schlacht von Londinium“ ist die erste Kreuzung, auf die im Hintergund alles zu lief und nach „Das vieltürmige Camelot“ der zweite Text im Band ohne direktes Vorbild oder Vorbilder.

„Die versunkene Stadt“

Wie ein Wind, der durch die Nacht fegt und mit sich einen Schatten trägt, flog Gingalain auf dem schlanken schwarzen Maredudd über den felsigen cornischen Küstenpfad. Ein einsamer Bote, den tiefstehenden bleichen Mond im Rücken, die schwärzeste Finsternis voraus. Links steil abfallende Klippen, Schatten, die sich mit fahlweiß im Mondlicht schimmernden Felsnadeln abwechselten, rechts das Rauschen der Wellen, die sich am Land brachen, und fahles Silber, das auf Schaumkronen tanzte.
Vom Hof in Camelot kam Gingalain, Tintagel war sein Ziel, wo, wie man sagte, noch immer der zurückgezogene Fürst Marke sein kleines Reich regierte. „Ob er aber tatsächlich noch lebt oder längst in seiner Gruft verrottet, ob er über zehn Männer gebietet oder über zehntausend“, hatte der König befohlen – “Der Feind ist im Osten gelandet und wir brauchen jede helfende Hand. Reitet nur rasch aus, Gingalain. Reitet nur rasch aus.“
Einmal aber führte der Pfad den Ritter aus der zerklüfteten Küstenlandschafft hinab auf einen weißen Strand, der sich im Schein des Mondes weitete. Dort war es Gingalain plötzlich, als ginge zu seiner Rechten ein weiterer Mond auf. Ein pulsierendes Leuchten über dem Meer, gleichzeitig sanft und kraftvoll. Aber das konnte doch nicht sein. Gingalain machte sein Reittier halten, dessen Hufe langsam ein Wenig im kühlen Uferschlick einsanken. Der Bote Arthurs konzentrierte den Blick auf das Licht, das im Norden hell über dem Meer stand und noch an Kraft gewann. Langsam, ganz langsam, begannen Konturen sich aus dem Licht zu schälen. Mauern. Türme. Fahnen. Balustraden, die sich in schwindelerregenden Höhen wanden. Ein Tor unter einem wagemutig geschwungenen Rundbogen, das sich einladend öffnete. Und ja! Von Turm entspann sich, Gingalain fand kein anderes Wort für dieses Wunder, eine Straße aus Licht, die in sanften Windungen auf den Strand zuzumäandern begann, wo der Ritter, staunend, verharrte. Schon war die Verbindung geschaffen und nahtlos ging die Straße über in das mattweiße Leuchten des Sandes. Rundum war das Meer so still geworden, dass darin der Himmel mit all seinen funkelnden Sternen sich spiegelte. Wohlan, sagte sich Gingalain, dem dringenden Auftrag zum Trotz. Eine solche Erscheinung kann man nicht einfach übergehen. Und er trieb sein treues Ross, das sich nur für einen kurzen Moment sträubte, dann umso ehrgeiziger ausgriff, über die Straße aus Licht
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Die Schlacht von Londinium

Die geschlagenen Truppen mit ihren vielen Verwundeten hatten sich auf die Hügelkette im Süden der Stadt zurückgezogen. Jetzt, am frühen Abend, bot Londinium von dort aus einen schrecklichen Anblick. Überall loderten Feuer auf. Schwarze Rauchfahnen vereinigten sich und gingen dann nahtlos über in den von Nordost schwarz werdenden Himmel. Oh, dieser finstere Osten! Von wo, Welle für Welle, der erbarmungslose Feind heran rollt, und immer unmöglicher scheint es mit den Jahren, ihn zurück ins Meer zu treiben. Von Jurtenzelt zu Jurtenzelt hastete geschäftig Myrrdin Wylt, Worte vor sich hin murmelnd, die manch einer für Zaubersprüche halten mochte, manche anderer für Ausgeburten des schon immer in diesem wunderlichen Alten schwelenden Wahnsinns. Aber auch dein Zauber, alter Mann! Was vermochte er zu bewirken? Ach, nichts. Sieh, wie im Feld und beim Fluss die Leichen verrotten oder verbrennen in den Feuern inmitten der schwarzen Ruinen. Und du flickst die Überlebenden wieder zusammen, auf dass sie sich morgen zu den verrottenden jesellen. Jaja, so wälzt du deinen Stein.
Mancher mochte es besser wissen: Keine Zauber wurden gewirkt. Krankheiten und Wunden listete der Alte im Kopf auf, ging Kräuter und Salbungen durch, die Linderung bringen könnten. Und beriet zugleich vielleicht schon mit sich selbst den morgigen Tag, denn auch der König würde Rat von ihm erwarten über den weiteren Gang der Schlacht. Und weiter ging die Schlacht, noch immer. Welch Grauen.
Aus dem Schatten eines Zeltes, in das Myrrdin Wylt gerade gestolpert war, traten, nur mühsam die gemessenheit hoher Herren bewahrend, der König selbst, Cei, sein treuer Seneschall und der unbezwingbare Llwch Llawwynnauc, genannte Lanzelot. Weit vor ihnen wand sich der unter den Flammen glänzende Fluss Tafwys, von immer dichter werdenden Rußwolken bedeckt. Und leis darüber wehen hörte man noch Kampfesschreie und das Klirren von Schwertern. Erst gegen Mitternacht senkte ganz langsam, als halte sie etwas zurück, eine friedliche Stille sich. “Wir müssen reiten, die anderen retten… „, raunte der König in diese Nacht und diese Stille, mit schwacher, von Zweifeln geplagter Stimme. „Nein“, gab Cei gleich zurück. „Dann wären wir alle des Todes.“ Der König ließ den Blick von seinem Seneschall zu dem anderen Ritter wandern und wieder zurück. Lanzelot seufzte. Schließlich sprach auch er. „Der Seneschall ist ein Hasenfuß.” Eine wohlbedachte Pause, um den Worten Gewicht zu verleihen. „Aber er hat recht. Die alte Brücke der Latiner ist fest in den Händen der Feinde. Unsere Brücke, wenn nicht schon gänzlich niedergebrannt, kaum passierbar. Und im Finster hier den Fluss überschreiten? Nein, Kai hat wirklich recht. Das wäre unser aller Untergang.“
Im Zelt derweil hielt Myrrdin Wylt die Hand eines Mannes, der sich auf einer hölzernen Bahre schrecklich auf einem dreckigen Laken wand. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn, rann die Wangen herab und in den Nacken. „Beruhigt euch, Branduin. Beruhigt euch nur „, sprach Myrrdin. „Dieser Trank wird etwas von den Schmerzen nehmen. Aber es hilft alles nichts. Der Fuß muss ab.“ Der Fuß, von dem der Alte sprach, das war ein breiiger Klumpen, von dem wenig geblieben war, nachdem Myrrdin den Stiefel aufgeschnitten hatte. Blut, Knochensplitter. „Weint nicht, Branduin. So weint doch nicht. Ach, ich weiß, es ist alles schrecklich. Aber mehr kann ich nicht tun. Hätten wir doch bloß das Ansinnen Viviennes nicht abgelehnt, uns mit ihren Männern zu begleiten. Ich hatte es dem König gesagt. Doch er wollte nicht hören…Oder… Ich wollte, wir wären einfach geblieben. Nun aber still. Seid ein Mann. Bringen wir es hinter uns. Ich habe heute Nacht noch einen langen Weg zu gehen…”
Schreie zerreißen die Nacht. Diese kommen nicht aus der Ebene von Londinium. Sie kommen mitten aus dem Heerlager, wo kaum jemand ein Auge zumachen wird, wo man das Heraufdämmern des nächsten Tages herbei sehnt. Und es fürchtet
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Bild: Wikiart, gemeinfrei.

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