Als hätte wer einen Sack Wörter gefunden und mit dem Hammer darauf geschlagen, bis es ein Buch gibt. „Der Fortführer“ von Botho Strauß.

Meine Güte, was für ein gestelztes Gestolpere. Strauß zährt ja immer ein wenig von dem Nimbus, zu den irgendwie unsympathischen, politisch unkorrekten, auch politisch rechten Autoren zu zählen, die man zwar nicht mögen muss aber doch mindestens zugeben: „Der hat Stil, der pflegt den hohen Ton, der kann SCHREIBEN!“ Wie zum Beispiel Stefan George, Ernst Jünger, Gabriele D’Annunzio. Mit dem Unterschied: Diese drei (und noch einige andere) konnten wirklich schreiben.
Strauß konnte zwar immerhin mal ganz leidlich erzählen (zuletzt „Herkunft“, 2014), doch je mehr er sich als „Stilist“ stilisiert, desto unerträglicher werden seine Auswürfe. Schauen Sie sich nur einmal das erste „Kapitel“ von „Der Fortführer“ an. Sätze wie

„Blutbuche, die hohe, sie wartet wie vormals die Maid, die keiner auffordert zum Tanz, in sich ihn vortanzend, sich einwiegend; ihr lockenförmiger Saum streift über den Boden. Doch fehlt es an Schleppe, um den Kehraus zu schwofen.“

Sind die wirklich bildhaft? Poetisch dicht? Versuchen Sie einmal, vorm Inneren Auge daraus ein Bild zusammenzusetzen. Fließt die Sprache oder baut anders eine Gewalt auf, die mitreißt? Stimmen wenigstens die Bezüge? Apropos Bezüge: Wo ist der zwischen den Teilen des folgenden Satzes: „Nur weil du keine Wolken verschieben kannst, willst du Mäuse zählen?“?
Das ist doch alles ungelenk, als hätte ein Autor einen Sack selten benutzter Wörter gefunden und solange mit einem Hammer darauf eingeschlagen, bis es ein Buch ergibt. Vergleiche man das nur mal mit dem geschliffenen Formulierungen aus Jüngers Marmorklippen! Aus Georges Tage und Taten! Kann man nicht vergleichen? Stimmt auch wieder.

Strauß krankt, wie auch andere Exponate des neueren aggressiv zur Schau getragenen Konservativismus (Lewitscharoff!) daran, dass ihnen nicht ein edler Stil aus einer gewissen inneren Ruhe und Überzeugung zufällt, sondern alles von vorne bis hinten Inszenierung ist, die dann wiederum nicht zugegeben werden soll, die authentisch wirken soll. Gute Literatur braucht nicht zwingend innere Ruhe, gute konservative Literatur, selbst noch die konservativ-revolutionäre, aber doch.
Das ständige „beachtet mich“, das aus den zerhackten Archaismen dieses wie schon schon des letzten Strauß („Höhlenbilder“) schreit, ist mit Stilgefühl und Haltung dagegen inkompatibel.

The Horror. The Horror!

Bild: Pixabay.

2 Gedanken zu “Als hätte wer einen Sack Wörter gefunden und mit dem Hammer darauf geschlagen, bis es ein Buch gibt. „Der Fortführer“ von Botho Strauß.

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