Rand haut ab und mit der Erzählung klappts. Der dritte Band von „The Wheel of Time“ ist kurzweilig, löst aber die größeren Probleme nicht.

Ich muss zugeben, mir gefällt der dritte Band von The Wheel of Time ganz gut, obwohl ich nach dem zweiten Band fürchtete, ab jetzt müsste es so richtig abwärts gehen.

Anfangs zeichnet sich freilich ein Debakel ab. Einfach, weil es sich so offenkundig um den Abschluss einer Trilogie handeln müsste, und nicht um das dritte Buch eines Vierzehnteilers.

Denn Rand hat sich mittlerweile auch offiziell als der wiedergeborene Drache ausrufen lassen, wir stehen kurz davor, dass die Prophezeiung mit dem Schwert erfüllt wird oder eben nicht und wir hatten nun eben verdammt noch mal schon zwei Konfrontationen mit dem absoluten Bösen, in der Terminologie unserer Welt in etwa dem Teufel persönlich. Damit die weiterhin irgendeine Bedeutung haben, sollte die dritte die letzte sein. Alle Steine sind in Position. Das Land versinkt im Chaos und müsste vereint werden, der große Feind ist da. Es kann losgehen. Dann läuft Rand weg, was vielleicht gar nicht so schlecht ist, da wir eben noch 11 Bücher vor uns haben und diese Figur, seit sie nicht mehr der Junge vom Dorf, sondern der mächtigste Magier und Krieger aller Zeiten ist, nun wirklich langsam langweilig wird. Und der Roman wird dann ganz kurzweilig.

Der Schwerpunkt liegt diesmal auf Egwene und Nynaeve, die in weißen Turm der Aes Sedai in der uralten Stadt Tar Valon ihre offizielle Ausbildung zu Magierinnen beginnen. Bald sind sie mehr als nur Novizinnen und werden von der Chef-Magierin zu so etwas wie Spioninnen gemacht, da die Aes Sedai von den Kräften des Bösen unterwandert werden. Das hat ein bisschen was von „Herr der Ringe trifft Harry Potter“ und liest sich recht interessant. Auch weil Jordan hier wieder mit dem punkten kann, was ihm am besten liegt: fantastische Städte in schönen Bildern vor die Augen stellen. Parallel soll Mat von der Macht des Dolches geheilt werden, an den er seit dem ersten Band unheilvoll gebunden ist. Das gelingt, oder gelingt möglicherweise nicht ganz, das bleibt unklar, und daraus entwickelt sich ein Gutteil der Spannung des Bandes. Denn Mat mag die Aes Sedai nicht und versucht Tar Valon zu verlassen, wozu ihm schließlich die drei Spioninnen verhelfen, die ihn auf eine Mission nach Caemlyn schicken. Das Kapitel, in dem Mat durch die Nacht Tar Valons driftet, versucht, sich etwas Geld für die Reise zu erspielen und aufgrund einer großen Glückssträhne in Kneipen versackt, ist eins der literarisch stärkeren der Serie und überhaupt eine starke Schilderung nächtlichen städtischen Halbweltgeschehens:

„Twilight was beginning to cover Tar Valon, but there was still enough light to grace the fantastical buildings, and the oddly shaped towers connected by high bridges spanning open air over hundred-pace drops. People yet filled the streets, in so many different kinds of clothing that he thought every nation must be represented. Along the major avenues, pairs of lamplighters used their ladders to light lanterns atop tall poles. But in the part of Tar Valon he sought, the only light was what spilled from windows. Ogier had built the great buildings and towers of Tar Valon, but other, newer parts had grown under the hands of men. Newer meaning two thousand years in some cases. Down near Southharbor, men’s hands had tried to match, if not duplicate, the fanciful Ogier work. Inns where ships’ crews caroused bore enough stonework for palaces. Statues in niches and cupolas on rooftops, ornately worked cornices and intricately carved friezes, all decorated chandlers’ shops and merchant houses. Bridges arched across the streets here, too, but the streets were cobblestone, not great paving blocks, and many of the bridges were wood instead of stone, sometimes as low as the second stories of the buildings they joined, and never higher than four. The dark streets hummed with as much life as any in Tar Valon (…)“

Im Gegensatz zum zweiten Roman ist der dritte Roman nie langweilig, was an Exposition und Hintergrundgeschichte vermittelt wird, wird wieder viel organischer in Dialogen oder durch eingeflochtene Lieder von Barden und Ähnliches vermittelt, und das Paradoxe Viele-Welten- Modell, dass die Aes Sedai Verin kursorisch ausbreitet (und das für Eingeweihte nach einem Branweltmodell klingt), verspricht sogar eine relativ interessante Perspektive auf ein Viele-Welten-Modell zu werden, das die Welt der Romane dadurch nicht der Beliebigkeit anheim gibt. Und zwar genau, weil es paradox ist und damit eher als mystisches Bild für die Größe und Verworrenheit der Welt taugt, denn als wissenschaftlicher Trost, nachdem man sagen kann: „Egal, was hier geschieht, es gibt ja sowieso unendlich viele Welten in denen unendlich viele Entscheidungen für jeden nur erdenklichen Ausgang der Geschichte gesorgt haben:

“(…) ‘Very good. But the Pattern may be even more complex than that, child. The Wheel weaves our lives to make the Pattern of an Age, but the Ages themselves are woven into the Age Lace, the Great Pattern. Who can know if this is even the tenth part of the weaving, though? Some in the Age of Legends apparently believe that there were still other worlds – even harder to reach than the worlds of the Portal Stones, if that can be believed – lying like this.’ She drew more lines, cross-hatching the first set. For a moment she stared at them. ‘The warp and the woof of the weave. Perhaps the Wheel of Time weaves a still greater Pattern from worlds.’ Straightening, she dusted her hands. ‘Well, that is neither here nor there. In all of these worlds, whatever their other variations, a few things are constant.”

Auch der Schluss, in dem um das magische Schwert und die Stadt gekämpft wird, in der Rand zum „Dragon Reborn“ aufsteigen soll, geht diesmal recht organisch aus der Handlung hervor und liest sich nicht wie ein generischer Grind + Big Bad & jede Menge zufälliger magischer Ereignisse.

The Wheel of Time wird keine wirklich große Literatur mehr werden, die Hoffnung kann man begraben. Aber der dritte Teil war dann doch zumindest so interessant, dass ich weiter lesen werde, und nicht aus dem Ehrgeiz, meine Rezensionsserie abzuschließen. Sondern weil ich wissen will, wie es weitergeht und natürlich auch weil ich neugierig bin, wie Jordan mit der so offenkundigen Tatsache umgeht, dass er Material für eine Trilogie hat, nicht für 14 Romane. Einen Vorwand zumindest könnte er sich in Band 3 gebastelt haben. Dort enthüllt Loial, der Ogier, der mit der Gruppe reist, dass er vorhabe, ein Buch über die Abenteuer zu schreiben. Ogier sind ein wenig die Elfen, ein wenig die Faune, ein wenig mehr noch die Ents von The Wheel of Time. Sanfte, große, sehr langlebige Wesen, die mit den Bäumen in enger Verbindung leben, sich aber auch in Städten als Baumeister betätigen. Die alles im Detail durchdringen wollen und die Menschen für lächerlich hastig halten. Entpuppte sich The Wheel of Time am Ende als das Buch des Ogier, könnte Jordan uns, die wir das Werk nach Menschenmaßstäben bewerten, genüsslich auslachen. Für einen Ogier wären die 14 Bände wirkten immernoch recht hastig erzählt und im Zweifel eher zu kurz und detailarm. Natürlich wäre das ein billiger Trick, um schwaches Plotting und Kontrollverlust zu entschuldigen, aber ein wenig witzig wäre es schon.

Bild: Pixabay

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