Befürchtungen erfüllt, Hoffungen zerschlagen. Band 2 von The Wheel of Time offenbart die Probleme des Konzepts.

Der Auftakt von The great Hunt realisiert alle Befürchtungen und keine der Hoffnungen, die The Eye of the World, der recht lesenswerte erste Band des 14-Bänders „The Wheel of Time“, hegen ließ.

1: Die Reihe wurde thematisch zu schnell zu groß: Im ersten Band brechen fünf junge Menschen aus dem letzten Kaff in die Welt auf, entwickeln sich und bekämpfen die Mächte von The Dark One, Shaitan, der Macht des Bösen schlechthin. Einer der fünf entpuppt sich als mächtiger, wenn auch noch ungelernter, Super-Magier, und seine entfesselte Kraft bezwingt Shaitan, also den größten nur denkbaren Gegner (der sich dann nur als dessen Schatten in der Welt entpuppt). Es ist, als sei Jordan von Harry Potter 1 direkt ans Ende des 7. Teils gesprungen. Nur hat er noch 13 Bände vor sich. Wie könnte man das lösen? Meine Hoffnung: Ein Neuaufbau. Wir wissen jetzt, was auf dem Spiel steht. Warum nicht einen Gang zurück schalten und die Welt aus verschiedenen Perspektiven und anhand kleinerer Konflikte erkunden. Aber

2: Sauron/Voldemort… Ich meine Shaitan oder Ba’alzamon ist zurück. Schon der Prolog macht das all zu klar und

3: Wir machen genau dort weiter, wo wir aufgehört haben. Das Buch beginnt, wo das letzte aufgehört hat. Als habe es keine Zäsur gegeben. Und kaum hundert Seiten, da greifen schon wieder Untote an. Der Serie, so der bisherige Eindruck, fehlt leider jegliches Gefühl für eine überzeugende Progression und die narrative Kraft von Auslassungen.

Einige erzählerische Schwächen erwachsen direkt daraus:

A: Wir befinden uns jetzt bereits auf den höchsten Ebenen der Macht. Jordan war gut darin seine Welt, beinahe poetisch, unbedarften Augen zu enthüllen. Doch diese Figuren kennen die Welt → Jetzt muss Jordan seinen Worthort nach innen wenden. Figuren-Beschreibungen und lange Dialoge, in denen Figuren einander Exposition und Historie erzählen, die sie schon kennen, nur damit wir sie auch kennen. Adam Roberts hat das schon treffend aufgespießt:

„Anyway, the opening seven-or-so chapters drag, as our three heroes dawdle about in foppishly-named Fal Dara fortress. The Aes Sedai, a sort of Bene Gesserit sisterhood, meet in infodumpy convocation. At one point two of them, Anaiya and Moiraine, chat about something they both already know very well. Notice the first four words of this speech:

‘You must know that the Great Hunt of the Horn has been called in Illian, the first time in four hundred years. The Illianers say the last battle is coming’ – Anaiya gave a little shiver, as well she might, but went on without a pause–’and the Horn of Valere must be found before the final battle against the Shadow.’ [p. 52]

There are dozens of more pages like this, detailing various prophesies and plot-coupons, until discussion is cut off by the unpleasant squishing sounds of frustrated readers.“

B: Weil Jordan, den Neuaufbau scheut, braucht er stattdessen einen Soft-Reset. Das Horn von Valere, der mächtige Gegenstand , der in diesem Buch gesucht werden soll, wurde bekanntlich im letzten Buch schon gefunden. Also muss er auf es dümmliche Weise verloren gehen. Was die ersten 150 Seiten, auf denen wie gesagt vor allem redundante Exposition in die Welt geschrien wird, gleich doppelt überflüssig macht. Und das ultimative Böse war eben nur dessen Abglanz, also steht der gleiche Kampf, eine Stufe höher, wieder an.

C: Das „Böse“ derweil wird regelrecht langweilig im zweiten Band . Eine Geschichte, in der das Böse einfach nur böse oder „dark“ ist, ist sowieso nicht das gelbe vom Ei. Das kann funktionieren, wenn man in einem großen Bogen daraufhin arbeitet und die Grenzen einer solchen Geschichte kennt. Tolkien gelingt das, auch, weil seine Figuren in der Mitte ausreichend mit eigenen Motivation ausgestattet sind (und ich bin nicht mal ein großer Freund Tolkiens). Jordans Böse sind einfach nur so eine Art Teufelsanbeter. Und die heißen ernsthaft „Darkfriends“, was eher nach Fantasy-Parodie klingt.

Außerdem Untote. Mächtige Untote wie die Nazgul können ein sehr spannende Gegner sein, wenn man sie und das was hinter ihnen steht, langsam enthüllt. Aber Untote haben nur mal keine eigenen Motivationen. Stehen die Untoten Bösewicht erst einmal richtig im Licht, wie spätestens ab Mitte des ersten Bands von The Wheel of Time, dann werden sie zu den nur langweilig denkbar und Bösewichten.

Um nicht den Eindruck zu hinterlassen, Band 2 sei ein ganz schreckliches Buch: So nach den ersten 150 bis 200 Seiten entspannt sich eine nette Jagd-Geschichte, mit Anschleichen, Ausweichen, Scharmützeln und all den anderen Standards aus einem Karl-May-Roman, und das macht auch im Fantasy-Setting einigen Spaß. Und die Stadtszenen in Cairhien sind in etwa auf dem Niveau der besseren Passagen von Band 1:

„The Foregate people’s clothes were shabby more often than not, yet much of it was colorful, and there was a raucous bustle of life to the place. Hawkers cried their wares, and shopkeepers called for people to examine the goods displayed on tables before their shops. Barbers, fruit-peddlers, knife-sharpeners, men and women offering a dozen services and a hundred things for sale, wandered through the crowds. Music drifted through the babble from more than one structure; at first Rand thought they were inns, but the signs out front all showed men playing flutes or harps, tumbling or juggling, and large as they were, they had no windows. Most of the buildings in Foregate seemed to be wood, however big they were, and a good many looked new, if poorly made. Rand gaped at several that stood seven stories or more; they swayed slightly, though the people hurrying in and out did not seem to notice.
“Peasants,” Tavolin muttered, staring straight ahead in disgust. “Look at them, corrupted by outland ways. They should not be here.”
“Where should they be?” Rand asked. The Cairhienin officer glared at him and spurred his horse forward, flogging at the crowd with his quirt.“

Dennoch: Nach dem zu drei Viertel gelungenen Auftakt ist The great Hunt zwar noch nett lesbar, aber mehr nicht mehr. Und es dürfte sehr schwer sein, das Rad der Zeit noch herumzureißen, besonders wenn Jordan nicht bereit ist diesen Hell vs. Dunkel – Pfad zu verlassen, dessen prinzipieller Bogen im ersten Band außerzählt wurde. Bleibt er dabei , kann es eigentlich nur noch darauf hinaus laufen, das Böse immer stärker werden zu lassen, die Helden immer stärker werden zu lassen, magische Gegenstände zu sammeln und immer wieder scheinbar Showdowns zu Inszenierung, von denen wir doch wissen , dass es nicht das Finale sein kann, denn Stand jetzt liege noch 12 Bände vor uns.

Bild: Pixabay

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