Fazit meiner Llosa-Reihe. Die Rangliste der Romane

Damit bin ich am Ende meiner Serie über die Romane Mario Vargas Llosas angekommen. Genauer: Die, die ich bisher gelesen habe. Denn es gibt einige Texte aus der späteren Werkphase, auf die ich niemals Lust verspürt habe (man kennt die Schwächen der späteren Texte und kann sich aufgrund der Inhaltsangaben schon denken, dass man sich teilweise quälen wird), was dann durch das unterirdische „Harte Jahre“ noch einmal bestätigt wurde.

Llosa ist, das Wissen regelmäßige LeserInnen meines Blogs, einer meiner absoluten Lieblingsautoren. „Das grüne Haus“ und „Gespräch in der Kathedrale“ gehören zu den mit Abstand herausragendsten Romanen der Moderne und der Weltliteratur. Nie wurde das sich seit James Joyce abzeichnende Prinzip der Durchorganisation des Chaos, das trotzdem nicht gezähmt wird, als Chaos kenntlich wird, konsequenter durchgeführt. Ich weiß, ich habe an anderer Stelle Virginia Woolfs „To the Lighhouse“ als den besten Roman der Neuzeit bezeichnet und bleibe auch dabei. Aber ich würde sagen, Llosa und Woolfe haben derart unterschiedliche Wege beschritten, so dass es wenig Sinn macht, die Romane direkt gegeneinander zu stellen. Woolfe arbeitete mit einer fast lyrischen Eleganz, Llosa mit einer an das Spätwerk Beethovens erinnernden Gewalt.

In meinem Text zu „Tante Julia und der Kunstschreiber“ habe ich berührt, warum es nachvollziehbar ist, dass Llosa diesen Weg, auf dem man sich doch noch so viele große Romane hätte erhoffen können, fast komplett verlassen hat und sich einfacheren Texten zugewandt. So sehr ich es nachvollziehen kann, ich hätte mir doch neben „Der Krieg am Ende der Welt“ noch weitere Versuche auf den sogenannten „Totalen Roman“ gewünscht, dessen Konzept im ersten der beiden Artikel zu „Gespräch in der „Kathedrale““ genauer erklärt ist.

Ein anderer faszinierender Aspekt an Llosas Gesamtwerk ist die Verbindung der Texte durch die immer wieder auftauchende Figur Lituma. Das ist eine Verbindung, die nicht ohne Widersprüche bleibt, was durchaus ebenso gewollt sein dürfte wie die Widersprüche, die sich an Lituma in „Das Grüne Haus“ bereits zwischen dem städtischen Lituma und dem Lituma des Waldes zeigen. Es sorgt aber auch gerade für ein überzeugendes „world building“. Denn anders, als noch immer viele Fantasy-Fans zu glauben scheinen, ist es nicht die perfekt konzipierte und durchgeregelte Welt, die überzeugt, sondern eine, die voller Aussparungen und Widersprüche ist und uns als Leser zwingt, mit diesen irgendwie zurande zu kommen, wie wir auch mit den Widersprüchen unserer realen Welt zurande kommen müssen. Man denke nur an den Freund, den man nach fünf Jahren wieder sieht und der der gleiche ist und dennoch ein ganz anderer.

Llosas Gesamtwerk ist ein durchwachsenes. Es gibt in fast allen Werkphasen Lesenswertes, wobei ich sagen würde, ab den 90ern wird es schon insgesamt deutlich schwächer. Besonders anstrengen können die Liebesromane, die zu übertriebener Süße neigen.
Weil ich immer wieder feststelle, dass das Internet Ranglisten mag, und für den einfachen Zugriff auf alle Rezensionen: Hier eine Liste der von mir gelesenen Romane, nach so weit wie möglich objektivierter Qualität geordnet. Ginge es einfach nur um meine persönliche Leselust, stünde bekanntlich „Das grüne Haus“ ganz vorne. Aber das liegt am Setting, an der Abenteuer-Atmosphäre. Man muss einfach zugestehen: „Gespräch in der „Kathedrale““ ist mit Abstand der gelungenste Roman aus Llosas Feder. Die Abstände visualisieren größere Qualitätslücken.

1 Gespräch in der „Kathedrale“

2 Das Grüne Haus

3 Tod in den Anden

4 Der Geschichtenerzähler

5 Die jungen Hunde

6 Der Krieg am Ende der Welt

7 Wer hat Palmino Molero umgebracht?

8 Die Stadt und die Hunde

9 Tante Julia und der Kunstschreiber


10 Das Fest des Ziegenbocks

11 Maytas Geschichte


12 Der Hauptmann und sein Frauenbataillon

13 Harte Jahre

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