Eine Liebesgeschichte, die nicht so recht in den Rougon-Marcquart Zyklus passt. Zolas „Ein Blatt Liebe“. Émile Zola-Reihe 8.

Aus den bisher von mir besprochenen Romanen Émile Zolas fällt „Ein Blatt Liebe“ in ungewöhnlicher Weise heraus. Der Text ist erstens deutlich kürzer. Mehr als halb so kurz wie der bisher besprochenen kürzeste Roman. Und er passt auch nicht so wirklich in den Verlauf des bisherigen Rougon-Marcquart Zyklus, in dem eigentlich immer mindestens eine Figur aus einem der vorherigen Texte wieder aufgetaucht. Was vor allem aber fehlt das Eintauchen in jeweils ein neues Milieu, das in großer Breite mit zahlreichen lebendigen Charakteren vorgestellt wird. Das kann auch ein Segen sein. „Ein Blatt Liebe“ ist weniger beeindruckend als etwa „Der Bauch von Paris“ oder „Die Sünde des Abbé Mouret“, doch auch nicht so langweilig wie „Die Beute“ oder „Seine Exzellenz Eugène Rougon“.

Stattdessen handelt es sich um eine einfache Dreiecks- oder Vierecks Geschichte, eigentlich ein Melodram aus dem mittleren bis besseren bürgerlichen Umfeld. Hélène lebt nach dem Tod ihres Mannes allein mit der Tochter Jeanne und ein befreundeter Pfarrer würde sie gern wieder verheiraten, doch sie sträubt sich. Stattdessen entsteht eine enge Freundschaft mit Juliette und ihrem Mann Deberle, einem Arzt, der der Tochter geholfen hat. Doch mit der Zeit entwickeln Hélène und der Arzt Gefühle füreinander die Hélène abwert. Dann findet sie heraus, dass Juliette eine Affäre hat, und lässt sich beinahe hinreißen. Am Ende aber schiebt sie allem einen Riegel vor und weist den Doktor wieder ab. Dummerweise wird die Tochter kränker, sodass Hélène den Doktor dennoch braucht. Und so weiter…

Der Roman wirkt anfangs etwas nachlässig erzählt, angesichts der Kürze des Textes dauert es beeindruckend lang, bis klar ist, wessen und was für eine Geschichte das eigentlich werden soll. Die zweite Hälfte aber ist dann relativ kurzweilig. Weder sprachlich noch erzählerisch etwas Herausragendes, aber auch kein totaler Rohrkrepierer. Es wird sich zeigen, ob diesem Roman später noch eine bedeutendere Stellung innerhalb des Zyklus zukommt. Bisher gehört er für mich zu denen, die man lesen kann, aber auslassen, wenn man eine zweite Lektüre des gesamt Zyklus anstrebt.

Bild: Wiki, gemeinfrei

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