Colourism. Wallace Thurmans „The Blacker the Berry“. Harlem Renaissance Serie VIII.

Im Zentrum von Wallace Thurmans „The Blacker the Berry“ steht ein Thema, das auch schon in einigen meiner anderen Rezensionen von Romanen aus dem Umfeld der Harlem Renaissance an klang. “Colourism”, also die Abwertung von Schwarzen Menschen oder people of colour durch Schwarze Menschen oder people of colour aufgrund einer jeweils dunkleren Hauptfarbe. Recht prominent etwa wurde das Thema auch schon in den beiden Romanen von Nella Larsen, „Passing“ und „Quicksand“, bearbeitet.

An deren erzählerisches Niveau kommt „The Blacker the Berry“ niemals ganz heran. Besonders das erste Kapitel ist so unglaublich essayistisch bzw. didaktisch verfasst, dass man durchaus die Lust am Lesen verlieren kann. Allerdings spricht Thurman darin detailiert über die verschiedenen Arten und Weisen, wie man einem Menschen subtil oder offen aufgrund der Hautfarbe abwertend kann, während er uns im Schnelldurchlauf durch die Erfahrungen der Protagonistin Emma Lou in ihrer kleinen Heimatstadt und dann an einer Hochschule in Kalifornien führt. Emma Lou ist dabei übrigens keinesfalls eine sympathische Protagonistin. Sie selbst leidet als besonders schwarze Schwarze darunter, wie die „Helleren“ auf sie herab schauen. Sei es die High Society ihre Heimatstadt, die seit Generationen bewusst daran arbeitet, immer hellere Nachkommen zu bekommen. Seien es die Studentinnen und Studenten, die aus ganz ähnlichen Familie nach Kalifornien gezogen sind. Gleichzeitig aber sucht Emma Lou durchweg nach Möglichkeiten, auf andere herabzusehen. Sie begreift nicht nur ihre Hautfarbe als Makel, was verständlich ist, da ihr das sogar von den eigenen Eltern eingeimpft wurde. Und sie liest auch nicht nur selbst freundliche Hilfsangebote, die sie auch bekommt, wiederum als Herablassung aufgrund ihrer Hauptfarbe (was aufgrund ihrer Erfahrung auch verständlich sein mag, ihr aber doch sehr zum Nachteil gereicht). Nein: Sie arbeitet auch immer wieder an neuen Ausschlusskriterien, sodass sie sich überlegen fühlen kann, wenn auch mit geringem Erfolg.

Erzählerisch wird der Roman dann ab dem zweiten Kapitel zum Glück auch deutlich stärker. Zwar noch immer nichts, was durch Form oder Sprache besonders begeistern würde und dabei meilenweit nicht nur hinter Larsen zurück, sondern auf hinter den weiteren starken Harlem-Romanen, die ich hier schon besprochen habe, etwa „Home to Harlem“ oder „The Walls of Jericho“. Aber es wird nun zumindest eine Geschichte entwickelt, in Konflikten zwischen Figuren, die über Dialoge ausgetragen werden. Die Geschichte folgt Emma Lous Versuchen, in Haarlem langfristig Arbeit zu finden und vielleicht auch Liebe, wobei besonders zweiteres zu großen Ärger führt. Leider werden ausgerechnet die entscheidendsten Wendungen dabei niemals entwickelt sondern nach gefühlten Ewigkeiten des Stillstands wie magisch präsentiert. Statt dass wir wirklich erleben, wie Emma Lou ihr eigenes Verhältnis zur Welt hinterfragt, hat sie sich eben noch mit dem Geliebten Alva darüber gestritten, dass seine Freunde sich über sie lustig machen würden (sie hatte relativ zu Anfang des Romans eine politisch-theoretischen Gespräch ausgerechnet über Colourism beigewohnt und statt sich einzubringen und zu sagen, „ja, so ist es!“, hat sie das als ein Witzeln über sie selbst interpretiert), und daran hängt sie sich später im Roman nochmal auf, als die Beziehung zerbricht. Doch relativ plötzlich lesen wir dann nach einem Zeitsprung:

“Eine Phase lebhafter Aktivitäten hatte Emma Lous quälende Zeiten des Selbstmitleids und Selbsthasses abgelöst, die Frage der Hautfarbe war in den Hintergrund getreten.”

Sowas geschieht leider öfter.

Lesenswert bleibt der Roman damit vor allem von der Ebene des vermittelten Inhalts her: Es ist die breiteste literarische Auseinandersetzung mit einem Thema, das Autorinnen wie Larsen dann sicher ästhetisch überzeugender verarbeitet haben. Aber hier finden sich eben all die Beispiele. Von der detaillierten Abstufungen der Diskriminierungsysteme, über heute immer noch prävalente Probleme wie die Besetzung schwarzer Rollen, besonders im Fall von Frauen, die als attraktiv wahrgenommen werden sollen, regelmäßig durch Frauen mit besonders hellen Hauttönen. Der Selbsthass, das Nutzen von oft schädlichen Bleichcremes und vieles mehr.

Bild: Pixabay

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