Llosas Romandebüt „Die Stadt und die Hunde“ liest sich heute wie ein erster Anlauf zu Größerem.

Die Stadt und die Hunde“ ist bekanntlich Vargas Llosas erster Roman. Er gehört zu den wenigen Texten des Autors, die sich mir nie für die Re-Lektüre aufgedrängt haben. Nicht, weil es unbedingt ein wirklich schwacher Text wäre wie „Maytas Geschichte“ oder „Der Hauptmann und sein Frauenbataillon“. Doch fast alles, was Llosa in „Die Stadt und die Hunde“ angeht, hat er anderswo gelungener vollendet. Das heißt nicht, dass der Text nicht zu beeindrucken vermag. Ich kann mir gut vorstellen, dass er bei der Veröffentlichung Aufmerksamkeit erregte und Llosa sofort als einen Schriftsteller etablierte, auf den man achten muss.

„Die Stadt und die Hunde“ erzählt von einer Kadettenanstalt, in der es zu einem Todesfall kommt, dessen Hintergründe anscheinend vertuscht werden. Hauptfigur, wenn man das so sagen kann, ist der tote Ricardo, von seinem Vater in die Anstalt gezwungen. Erzählerisch mehr Raum aber nehmen seine „Kameraden“ ein, von denen, neben einem Erzähler in der dritten Person, zwei als Ich- Erzähler auftreten. Deren Identitäten lassen sich aber erst im Verlauf der Handlung entschlüsseln. Vieles, was Llosa so vergleichsweise früh in seiner Karriere zur Vollendung bringt, das Spiel mit wechselnden Perspektiven, deren Montage ineinander und all das nicht als Selbstzweck sondern als Konfrontation der Lebensumstände verschiedener Gesellschaftsschichten in Peru, findet sich schon in etwas rustikalerer Weise in „Die Stadt und die Hunde“. Der Roman ist noch vergleichsweise einfach gebaut, aber nicht in jener Weise elegant, wie die späteren Roman Llosas nach der stilistischen „Wende“ der 70er Jahre. Es ist vielmehr der erste Anlauf zu dem, was mit „Das grüne Haus“ und „Gespräch in der „Kathedrale““ zum Abschluss gebracht wurde.

So richtig befriedigend ist das aber wie gesagt nicht. Man liest hier thematisch noch ein recht typisches Jugend-Buch, im Sinne eines Buches über Konflikte unter Jugendlichen, wenn auch mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung und formal an ein erwachseneres Publikum gerichtet. Wie etwa „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ oder auch das ähnliche, thematisch wie stilistisch konzentrierter „Die jungen Hunde“ des selben Autors. Das Thema wirkt mit Techniken, die der Autor noch nicht so richtig beherrscht, dabei ein wenig überfrachtet. Je nachdem, in welcher Reihenfolge man an Llosa herangeht, könnte man dennoch etwas von der Begeisterung spüren, die Erstleser bei der Veröffentlichung gespürt haben mögen. Aber spätestens, wenn man sich fragt, ob man den Text ein zweites Mal lesen sollte, dürfte es vielen gehen wie mir und man sagt sich – Muss das jetzt sein?

Bild: Pixabay.

3 Gedanken zu “Llosas Romandebüt „Die Stadt und die Hunde“ liest sich heute wie ein erster Anlauf zu Größerem.

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