„Florian der Karpfen“ aus dem Nachlass von Siegfried Lenz ist eine hübsche Geschichte, aber etwas kurz für ein Buch. Wer ist die Zielgruppe?

„Florian der Karpfen“ ist eine einfache Kindergeschichte aus dem Nachlass von Siegfried Lenz, die Hoffmann und Campe nach der Wiederentdeckung neu herausgebracht hat. Ein kleiner Junge (Karlchen) hätte gern so eine schöne Schwimmblase wie die Fische und nachdem die Eltern auf seine „dummen Fragen“ keine Antwort geben wollen, helfen ihm zwei Haubentaucher dabei, an den Grund des Sees zu gelangen, wo ihm der Karpfen Florian eine Schwimmblase einhaucht. Dafür braucht es allerlei Tricks, Bettelei und auch Androhung von Gewalt gegenüber den anderen Tieren im Teich. Doch schließlich ist die Schwimmblase zu groß und Karlchen kann damit nicht tauchen. Er kehrt noch einmal zurück, doch nun ist die Blase zu klein und nur noch das, was Menschen bis heute als Blinddarm bleibt. Der Karpfen aber verliert seine besondere Fähigkeit, Schwimmblasen zu fabrizieren.

Es handelt sich um eine sprachliche hübsch erzählte Geschichte, im Großen und Ganzen ein modernes Märchen, das hier und da auf die Hybris des Menschen und wie dieser der Natur schadet, hinweist. Das Nachwort zieht Parallelen zu Theodor Storms Häwelmann, man kann sich aber auch an den Fischer und seine Frau erinnert fühlen. Allerdings: Für diese Erzählung gleich ein ganzes Buch von etwa 90 Seiten herauszugeben, scheint mir etwas übertrieben. Es handelt sich ja nun auch nicht um etwas wirklich Besonderes. Es ist einfach ein Text aus dem Frühwerk des Autos. Die eigentliche Erzählung umfasst dann auch kaum mehr als ein Drittel des Buches, während die Vorrede, das lange Nachwort und viele Bilder das Verhältnis von Siegfried Lenz zu Gewässern und besonders zu Fischen untersuchen.

Ich frage mich ein wenig, wer die Zielgruppe sein soll? Die Erzählung ist eindeutig für Kinder geschrieben und sicher ein ganz netter Vorlesetext. Aber was Siegfried Lenz über Fische dachte, dürfte Kinder weniger interessieren. Ebenso das kaum bemerkenswerte frühe Fische-Gedicht aus Lenz Feder.
Dieses Buch muss also Eltern oder Großeltern finden, die sich selbst für Siegfried Lenz begeistern und b e s o n de r s sein Verhältnis zu Fischen, und die zugleich Kinder oder Enkel haben, die jung genug sind, um sich für das Märchen zu begeistern. Ich bin mir wirklich nicht sicher, wie viele es davon gibt.

Bild: Pixabay

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