Zwei Kurzbesprechungen: „Greenglass House“ und „Mai bedeutet Wasser“.

Okay, es ist mal wieder passiert. Google Docs hat eine sehr ausführliche Rezension zu
„Greenglass House“ von Kate Milford gefressen. Schade, das Buch hätte aufgrund seiner Stärken wie auch seiner Schwächen durchaus eine solche verdient. Aber zweimal kann ich das nicht leisten, zumal ich die Eindrücke nun schon aus weiter zurückliegender Erinnerung rekonstruieren muss. Das gleiche gilt für „Mai bedeutet Wasser“ von Kayo Mpoyi.

Also jeweils kondensiert:

Greenglass House“ von Kate Milford

– Der Autorin gelingt es gut, eine an „Gothic Horror“ gemahnende Atmosphäre aufzubauen: Ein abgelegenes Hotel über einem „Schmugglerdorf“, Gäste die dort einschneien. Auch die Ausgangssituation eines typischen „Whodunnit“-Krimis wird gut damit verbunden. Ein Überschaubares Ensemble – und ein Übeltäter?

– Dann will das Buch an einigen Stellen zu viel. Der Protagonist liest parallel ein Buch in dem sich Menschen in einer ähnlichen Situation Geschichten erzählen und die Figuren in „Greenglass House“erzählen sich auf seine Anregung hin Geschichten am Feuer. Letztlich also drei Ebenen von Geschichten, die nebeneinander herlaufen. Und weder das Buch noch die erzählten Geschichten interagieren oft genug wirklich bedeutungsvoll mit dem Haupttext.

– In seinen Ermittlungen rund um ein Verbrechen und eine alte Schatzkarte steht dem Protagonisten ein junges Mädchen bei, dass ihm eine Art Pen & Paper Rollenspiel beibringt. Es wird dann viel zu viel darüber reflektiert, dass man eigentlich gerade spielt, was das heißt, „spielen“ und welche Fähigkeiten man hat. Aber so wirklich zum Einsatz kommen die Fähigkeiten dabei nie und es wirkt ein bisschen, als hätte die Autorin anfangs über Pen and Paper Rollenspiel schreiben wollen, dann eine bessere Geschichte entwickelt, sich aber nie gewagt diese Krücke, die mit der letztlich erzählten Geschichte auch nur so leidlich zusammenpasst, zu reduzieren oder beiseite zu schmeißen.

– Allerdings gewinnt der Text dann doch wieder an Fahrt, einige der Geheimnisse und Wendungen sind wirklich interessant und die Atmosphäre bleibt die meiste Zeit sehr fesselnd.

Fazit: Ungewöhnliches Kinderbuch mit Schwächen, das vor allem von deutlichen Kürzungen und die Konzentration auf die Hauptgeschichte und höchstens EIN kommentieren des Gymick (ENTWEDER das Buch, das der Protagonist liest, ODER die Geschichten, die sich die Gäste erzählen ODER das Rollenspiel), profitiert hätte. Dennoch ein Buch, das man ganz gut lesen kann oder vielleicht an jüngere Leserinnen und Leser verschenken.

„Mai bedeutet Wasser“ von Kayo Mpoyi

„Mai bedeutet Wasser“ ist eine gut gebaute Erzählung aus der Sicht eines jungen Mädchens (Adi) rund um Religion, Repression und Rebellion in Kongo und Tansania.
Das Kind glaubt, mit Gott zu sprechen, hat die christliche ***-Moral internalisiert und beobachtet teilnehmend besonders die Entwicklung der Schwester zur jungen Frau. Von einem regelmäßigen Gast im Haus werden beide Kinder missbraucht, besagte Moral aber auch fehlende Aufklärung hindern sie am darüber sprechen.
Dann führt Krieg erst zwei Flügel der Familie zusammen und reißt dann alles auseinander.
Im Hintergrund wird die Geschichte der Großmutter Mai erzählt, nach der die jüngste Tochter benannt ist, um eine Art Fluch zu brechen, und märchenhafte Erzählungen, in denen das Schicksal der Figuren eng an das Thema Wasser gebunden ist, sind mit der Geschichte Adis verwoben. Die letzten „Märchen“ gehen wiederum in eine halbmärchenhafte Parabel auf die Geschichte der Großmutter über

All das ist wie gesagt formal überzeugend durchgeführt, die Sprache passt, und dennoch ist es nicht wirklich etwas besonderes. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, diesen Roman schon einmal ähnlich gelesen zu haben, sei es bei Adichie, bei Emecheta, bei einem anderen Autor oder Autorin. Damit will ich nicht sagen, dass es genau diesen Text schon einmal gibt. Er hat einfach etwas thematisch sehr „prototypisches“ an sich, das dann auch formal etwas zu schulmäßig durchgeführt wird, um den Eindruck von etwas wirklich Besonderem zu hinterlassen.
„Mai bedeutet Wasser“ ist als Debüt sicher nicht zu verachten, aber alles in allem ein bisschen gradlinig, kalkuliert, angesichts der thematischen Sprengkraft, die drin steckt.

Bild: Pixabay

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