Gewürzgurkengeplauder quasi gottgleicher Graphemgestalter. Wondratscheks „Buch Dante, Homer und die Köchin“.

Ob wohl Wolf Wondratschek mit seinem neuen „Buch Dante, Homer und die Köchin“ in irgendeiner Weise auf die Aussage seines ungefähren Zeitgenossen Peter Handke reagiert hat („Ich bin ein Schriftsteller, komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes, lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen“) Ich weiß es nicht. Und wenn ja – in welcher? Selbst darauf dürften sich LeserInnen dieses Textes schwer einigen können. Denn der ist tatsächlich ziemlich genau, was der Titel sagt, und wenig mehr.

Dante, Homer und eine Köchin, die weder lesen noch schreiben kann, leben irgendwo in einer Hütte in unserer Zeit vor sich hin. Die beiden Größen der europäischen Literaturtradition sind unsterblich. Warum? Das wissen sie selbst nicht so wirklich. Dante unternimmt zwischendurch einmal einen Versuch, seiner Unsterblichkeit zu Leibe zu rücken, indem er einen kleinen Kriminellen anstiftet, eine Dante-Statue zu vernichten. Der Versuch schlägt fehl. Ein moderner Gott, könnte man sagen, der Fußball, durchkreuzt den Plan. Ansonsten leben die beiden vor sich hin und reden über Götter und die Welt. Etwa, was passieren würde, wenn ein Flugzeug am Himmel mit einem Gott kollidierte. Oder sie diskutieren, ob in Romeo und Julia wirklich eine Nachtigall gesungen haben kann oder nicht doch eher ein anderer Vogel. Und so weiter und so fort. Längst nicht alle Debatten sind leider so pfiffig.
Zwischendurch wird an eine Zeit erinnert, als die beiden einmal im Gefängnis saßen und die Welt versuchte, hinter ihr Geheimnis zu kommen, doch wirklich eine spannende Handlung wird daraus nicht entwickelt. Auch das kurz entfachte Interesse rund um die Erkenntnis, dass man die Dichter nicht fotografieren kann, verflüchtigt sich bald wieder.

„Dante, Homer und die Köchin“ ist wahrscheinlich mehr ein solches Buch, wie sie Handke zu schreiben glaubt, als dessen eigene. Es ist ein tatsächlich sehr desinteressierter Text an allem zeitgenössischen und der Erwartung, stets zu irgendetwas eine Haltung auszudrücken. Gewürzgurken-Geplauder, wie es in Heinz Erhardts „Theaterstück in G“ heißt, nur eben zwischen zwei geradezu göttlichen Granden der griechisch-römischen Graphemgestaltung. Das vermenschlicht die einerseits, profanisiert sie zwar auch, kratzt aber zugleich nicht an deren Größe. Denn überhaupt so entspannt menschlich sein zu können, dass das hat schon beinahe etwas Göttliches.

Der Roman hat dabei allerdings ein Problem: Er ist einfach nicht gut genug, um in dieser entrückten Sphäre bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Um aus der Reihung von Belanglosigkeiten, Sinnsprüchen und mild humorvollen Diskussionen etwas zu machen, zu dem man zurückkehren will. Alles ist ganz nett, aber weder in der Sprache, noch im Aufbau, noch in der Themenwahl der Diskussionsstoffe zwischen den beiden Schriftstellern ist viel, was LeserInnen dazu bringen wird, das Buch ein zweites Mal auf zu schlagen. Und gerade für so ein Buch, das nur von diesen Dingen leben könnte, ist das natürlich zu wenig.
Zudem: Aus der Köchin hätte man doch deutlich mehr machen können und müssen, wenn sie schon im Titel steht. In die Handlung greift sie praktisch nicht ein und nur in zwei der weit über 20 Kapitel wird wirklich über sie geredet.

„Dante Homer und die Köchin“ ist ein netter Text zur Zerstreuung für eine einmalige Lektüre, mehr allerdings leider nicht.

Bild: Wiki, gemeinfrei

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