„The Man who killed Don Quixote“ ist nicht nur Gilliams bester Film, sondern der beste Quixote seit Quixote. Filmfreitag XII.

The Man who killed Don Quixote – zu diesem herausragenden Film muss ich nicht viel sagen, um seiner Größe gerecht zu werden. Nur das: fast alles was ich zu Don Quixote gesagt habe, gilt auch für The Man who killed Don Quixote.

Gilliam gelingt in einem Film über einen Film über Don Quixote, die beste Aktualisierung Quixotes bis heute, weil er zwei Dinge versteht, die ich versucht habe in meinem Quixote-Essay darzulegen. A) Der Don ist ein moderner (Anti)Held, man muss am Kern der Geschichte nicht viel basteln, um sie zu „modernisieren“. B) Der Don ist tatsächlich ein Held, aber gerade dadurch und nur dadurch, dass er kein Held ist sondern traurig aus der Zeit gefallen. Tragikomödisch, oft unglaublich lustig, aber: So sehr er für zu Recht Vergangenes steht, so würdevoll ist seine Einstellung.

Und wie wunderbar das hier umgesetzt wird. In den Bildern, in den, wenn man die Ausgangslage erst mal akzeptiert hat, immer plausiblen (wiewohl verrückten) Wendungen, in den pointierten Dialogen.

Gilliam gelang, worüber Borges nur schrieb. Wort für Wort den Quixote noch mal zu verfassen und damit zugleich das selbe und ein anderes Buch zu schreiben.

Gilliams bester Film und das will was heißen.

Ja, ich kenne Brazil und halte es für überschätzt.

Ja, ich kenne 12 Monkeys und es ist einer meiner Lieblingsfilme.

Aber wäre die Welt etwas besser, gäbe es ein paar mehr Menschen, die die Empathie aufbringen für eine Figur wie Quixote, ohne sich romantisch mit ihr zu identifizieren (denn genau das macht The Man who killed Don Quixote nicht!), dieser Film hätte das Zeug die Zeiten zu überdauern, wie das Buch. Das erklärt auch die vielen schlechten Bewertungen – solche Menschen sind selten.

Zuletzt die Hauptdarsteller: Jonathan Pryce verkörpert perfekt die Idee des Quixote in diesem Film und eine Synthese der Verkörperungen des Quixote, die uns in Bild, Musical und Film überliefert sind.

Adam Driver drängt sich mir mehr und mehr als der Schauspieler unserer Zeit auf. Er ist unglaublich stark in Charakterrollen und bringt zugleich eine Mischung aus absolutem Aufgehen in einer Rolle und sanfter Distanzierung auf die Leinwand, so dass ein Entfremdungseffekt erzielt wird, wie ihn Brecht sich nicht besser wünschen könnte. Allerdings ohne die Aufdringlichkeit, die solchem Spiel sonst oft zu Eigen ist. Der Typ ist 37, aber die Masse an ganz unterschiedlichen künstlerisch herausragenden Filmen, in denen er mitgespielt hat, beeindruckt.

Bild: Wiki, gemeinfrei

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