Kluger Roman für breite Leserschaft. „Die Geschichte von Kat und Easy“ ist eines der stärkeren Bücher 2021.

Ist das Zufall? Die Geschichte von Kat und Easy bekam ich gleichzeitig mit Die Kinder hören Pink Floyd von Alexander Gorkow in die Hand. Und auch der Roman von Susann Pásztor spielt teils in den 70er Jahren. Und wieder kommt Pink Floyd eine größere Rolle zu, wenn auch nicht annähernd so groß wie in dem anderen Titel.

Allerdings ist Die Geschichte von Kat und Easy ein viel besserer Roman. Kat ist eine nach außen relativ selbstsichere Jugendliche, die es sich zur Aufgabe gemacht, der scheinbar schüchternen Isi zu zeigen, wie man lebt. Die nennt sich fortan Easy, schnappt sich den beliebtesten Typ im autonomen Jugendzentrum, in den Kat ohne Ende verliebt ist, hat nebenbei Affären mit vielen vielen anderen Jungs, während ihr Freund dennoch manchmal mit Kat ins Bett geht. Nebenbei fügen die beiden möglicherweise einigen der anderen Nebendarstellern Schäden fürs Leben zu. Die Geschichte treibt dabei auf einem großen Einschnitt zu, der die besten Freundinnen noch im Schulalter trennt. Erst in ihren Fünfzigern treffen sich Kat & Easy wieder. Ein Ratgeber-Blog, den Kat betreibt, bringt die beiden zusammen und sie entscheiden sich spontan, gemeinsam eine Woche auf Kreta zu verbringen.

Die ganze Geschichte wird einfach, doch in effektiver Weise erzählt, mit Erzählsträngen aus Kats Perspektive in der Gegenwart auf Kreta, die sich mit Rückblenden in der dritten Person, allerdings weiterhin fokussiert auf Kat, in den 70er Jahren abwechseln. Die beiden Erzählungen füllen gegenseitig ihre Lücken, wobei große Enthüllungen für gewöhnlich in der Gegenwart angedeutet werden und dann im Vergangenheits-Erzählstrang ausgeführt. Da beide Figuren durchaus nicht selten die Wahrheit verdrehen oder glatt Lügen, um besser, “cooler”, dazustehen, darf man allerdings an allem, was im Vergangenheits-Strang enthüllt wird, durchaus noch immer ein wenig zweifeln.

Die beiden Hauptfiguren sind emotional glaubhaft gestaltet, die wiederentdeckte Freundschaft oder was immer genau daraus werden mag ist überzeugend, samt all dem Ungesagten und Verleugneten, das zwischen den beiden steht, und das Autorin Pásztor nicht irgendwie aus dem Hut zaubert, sondern von Anfang an in den Interaktionen spürbar macht.
Ein starker Text, der keine Effekte braucht um effektvoll zu sein. Ich würde sagen, mindestens ein Titel für die Longlist der wichtigsten deutschen Buchpreise in diesem Jahr, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass Die Geschichte von Kat und Easy dafür am Ende zu wenig in die Jury-Bait-Kiste greift. Die Geschichte von Kat und Easy ist ein kluger Roman für die breite Masse. Es gibt praktisch keine Zugangshürden – es ist eine einfach geschriebene einfache Geschichte, die viele Menschen so ähnlich schon einmal erlebt haben könnten, und deren Klugheit keine anderen formalen Tricks braucht, als sie aus der Handlung notwendig erwachsen, keine literarische Anspielungen oder ähnliches, sondern die sich rein im Zusammenspiel der Figuren offenbart.

Ein Gedanke zu “Kluger Roman für breite Leserschaft. „Die Geschichte von Kat und Easy“ ist eines der stärkeren Bücher 2021.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.