(fast) Alle Filme mit Emma Watson seit Harry Potter rezensiert. Und eine Liste.

Nachdem ich, ohne darauf zu achten, wer dabei mitspielt, Regression gestreamt habe, habe ich mich entschieden, einmal alle bei meinen Anbietern frei streambaren Filme mit Emma Watson zu schauen. Warum? Weil mir mittlerweile die Kriterien rausgehen, nach denen ich mir Filme aussuche und ich nicht so gern jeden Abend erst grüble, was ich schauen soll. Also brauche ich halbwegs plausible „Reihen“. Außerdem wollte ich mal wissen, was Watson nach Harry Potter außer Die Schöne und das Biest gemacht hat.

Und weil ich über irgendwas schreiben muss, schreibe ich darüber. Ganz unten gibt es dann, da man mir sagt, das Internet stehe auf Listen, auch eine Rangordnung der Filme.

1) Regression ist ein überzeugender Film mit einer spannenden Geschichte und mehreren tatsächlich unerwarteten Wendungen. Ein Spiel mit Wahr und Falsch und der Auswirkungen von Gruppendynamiken in einem angeblichen Fall von satanistischen Missbrauch. Optisch ansprechend düster inszeniert in einem „dreckigen“ Stil, der direkt aus den 90ern kommen könnte. In einer Weise gefilmt und geschnitten, die zumindest immer den Anspruch hat, auch durch Übergänge, Perpektiven, Framing usw Bedeutung zu vermitteln.

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Für meinen Geschmack vor allem in der ersten Hälfte aber etwas zu konfus erzählt . Watson selbst hat wenig Screentime, aber eine sehr starke Rolle. Hätte nicht gedacht, dass man sie in einer solch bösartigen Rolle besetzt. Ich glaube das Erlebnis dieses Films könnte davon profitieren, dass man ihn ein zweites Mal guckt. Leider hat er mich dafür einfach nicht ausreichend gepackt.

2) The Bling Ring hätte ich im Vorfeld am schwächsten erwartet, es klingt sehr nach Teenie- Komödie mit etwas Drama oder andersrum. Aber das ist ein wirklich gut gemachter Film, der untersucht, wie die Sucht nach Ruhm und Reichtum und die Suche nach dem nächsten Kick eskalieren können. Auch angenehm dicht erzählt und daher kurz. Ich hasse es, meine Zeit mit Filmen über 2 Stunden zu verschwenden, in denen sich meist zahlreiche Möglichkeiten zur Straffung andeuten. Zudem ein Film, der sich Zeit nimmt für stille Szenen, die starke Bilder generieren. Etwa die Halbtotale des Hauses, durch das die kleinen GangsterInnen wie Schatten huschen, ohne dass sonst überhaupt Bewegung in der Szene ist. So erzeugt man Spannung ohne dick aufzutragen. Die Figuren glaubhaft, und das Ganze wäre auch interessant, wäre es nicht nach einer wahren Geschichte abgedreht.
(ab hier Spoiler)
Und wieder spielt Watson ein auf den zweiten Blick ziemlich intrigantes A*loch… Zeichnet sich da ein Muster ab?

3) Noch nicht. In Colonia Dignidad ist sie eindeutig die Heldin, die unter großen Entbehrungen die Organisation unterwandert und ihren Freund heraus boxt, der als „Politischer“ gefoltert wurde und nun in der Kolonie „Geistesgestörtheit“ vortäuscht, um nicht mehr verfolgt zu werden. Der Film ist kraftvoll vor allem dadurch, dass man weiß, dass zumindest die Kolonie in etwa so existierte. Und ja, die Geschichte berührt emotional, tut manchmal geradezu weh. Aber: Wenn man ehrlich ist, sind viele der emotionalen Effekte billig erzielt. Es hat schon etwas von psychischen Torture Porn. Und die unglaublich dummen Entscheidungen, die teilweise getroffen werden, um die Figuren in noch größere Gefahr zu bringen, erreichen ein Niveau, das manchmal schwer erträglich ist.
Interessant, wie herausragend der Film größtenteils in Deutschland bewertet wurde, während sowohl internationale Kritik als auch Publikum gemischt bis negativ urteilen. Ist es den deutschen zu Kopf gestiegen, ihren Daniel Brühl an der Seite von Emma Watson zu sehen?
Die spielt übrigens zumindest auch hier keine ungebrochene Heldin. Es ist ihr Freund, der das Regime bekämpfen will und zusätzliche Risiken eingeht, um die Verbrechen nach außen zu tragen. Sie wirft ihm an den Kopf, dass sie diese Probleme hätten, sei doch alles seine Schuld. Wenn er sich nicht politisch engagiert hätte, wären sie nie in Gefahr gekommen. Pragmatisch nachvollziehbar, aber nichts, was man von Filmheldinnen zu hören erwartet und eine Haltung, an der die Welt noch zugrunde gehen wird.

4) Ballet Shoes sollte hier wohl eigentlich außer Konkurrenz mit laufen. Erstens: Es handelt sich eindeutig um eine Fernsehproduktion, nicht nur de facto, sondern auch der Machart nach. Zweitens: Der Film fällt noch voll in die Harry Potter Zeit und sagt nicht wirklich etwas aus über die Karriere Watsons nach Potter. Aber: Er war kostenlos, also habe ich ihn geguckt. Was soll ich sagen? Kein guter Film. Letztlich eher eine Illustration einer bekannten Geschichte. Wichtige Wendungen werden im Film einfach hingeknallt, keine Entwicklung führt daraufhin. Oder hättet ihr beim Zuschauen erkannt, dass Petrova die am besten fürs Ballett geeignete Tänzerin der 3 ist? Der Film springt ohne klares Konzept durch die Zeit, er erzählt seine Geschichte nicht selbst, sondern verlässt sich auf das Hintergrundwissen der Zuschauer. Und wer ist eigentlich das Zielpublikum? Offenkundig nicht die Generation der Mädchen, die aber immerhin jede in einem bemühten Monolog ihre Träume ausbreiten dürfen. Sondern, wie Kostüm, Dialoge und so weiter ganz klar machen: Ältere Nostalgiker, die sich seufzend in netten Erinnerungen verlieren wollen. Langweilig.

5) The Perks of Being a Wallflower ist nachdem, was man heute Kritiker-Konsens nennt (Rotten Tomatoes usw.) der am besten bewertete Film mit Watson. Es ist ein ziemlich guter, vor allem emotional sehr bewegender Film. Aber es bleibt irgendwie gleichzeitig auch ein typischer Highschool Film, der versucht diese Balance zwischen Realismus und totaler Unwahrscheinlichkeit hinzubekommen, zwischen Highschool-Film & mehr als Highschool-Film, und scheitert.

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Das Ganze wirkt auf mich ziemlich überfrachtet, alle haben so viele traumatische Erfahrungen gemacht, der relativ kleine, schüchterne, nicht besonders gut aussehende Neuling, landet am Ende, wenn auch nach vielen Schwierigkeiten, bei der zwei Jahre älteren, sehr attraktiven Freundin, die normalerweise solche James-Dean-Typen aus dem College datet. Dann diese Momente, wo angedeutet werden soll, dass wir nicht wissen können, was real ist, die aber dann ganz schnell wieder eingefangen und aufgelöst werden… Mir ist das alles ein wenig too much. Es wird gleichzeitig eine Welt gezeichnet, die viel zu schön ist, um wahr zu sein, wenn man selbst Außenseiter- oder Mobbing-Erfahrungen gemacht hat und eine Welt, die viel zu krass ist, diesmal im negativen Sinne gemeint. Und eines der krassesten Traumata – der Protagonist hat vor Beginn der Filmhandlung mit erlebt, wie sein bester Freund erschossen wurde – wird nach der Enthüllung im ersten Drittel praktisch vergessen und durch ein anderes ersetzt.

Und dann kann The Perks of Being a Wallflower sich trotz massig echt ernsthafter Traumata wiederum nicht zurückhalten, uns dieses verlogene Highschool-Ende à la „Live in the Moment/Its gonna get better“ zu präsentieren. Reality-Check: For a lot of us it never does.

Wie gesagt: Trotzdem meilenweit über den meisten Filmen, die zu dieser Thematik gemacht werden, aber inkonsistent und weder dem Ernst noch der Leichtigkeit konsequent genug verschrieben. Watsons Rolle ist wieder ziemlich gelungen, wenn auch neben Ballet Shoes bisher die klischeelastigste. Am ehesten trägt Ezra Miller (Patrick) den Film, dessen Konflikte auch als einzige wirklich nachvollziehbar durchgeführt werden.

6) Zuletzt dann noch The Circle. Das ist ein Film, den man eigentlich gar nicht hätte drehen sollen. Das klingt harsch, hat aber erstmal noch gar nichts mit der Qualität zu tun. Diese Filme oder breiter gesprochen diese Geschichten, die einfach nur ein bestehendes Problem zehnmal krasser ein paar Jahre in die Zukunft fortschreiben: Sie funktionieren nicht. Die meisten Dystopien sind Mist, und je konkreter sie an bestehendes anschließen, desto mistiger.

Ein soziales Netzwerk, das die Funktion verschiedener heutige Netzwerke vereint und fast aus Versehen zunehmend totalitär wird. Der Name des Netzwerks klingt schrecklich bemüht. Die Funktionen klingen schrecklich bemüht. Die Protagonisten wirken wie schrecklich bemühte Bezos/Zuckerberg/Jobs-Abklatsche.
(ab hier Spoiler)

Nun wurde der Film aber gemacht, und er ist immerhin nicht so schlecht, wie man befürchten würde. Viele Kritik sind dahingehend unfair. Es gibt ein paar nachvollziehbare Konflikte und vor allem wurde wenigstens versucht, eine echte Geschichte zu erzählen, statt einfach nur zu zeigen wie schrecklich die totale freiwillige Überwachung ist. Aber auch die Geschichte wird immer wieder zu hastig entwickelt und enthält deshalb Wendungen, für die alle „willful suspension of disbelief“ einfach nicht ausreicht. Allein die Hauptfigur schwingt binnen etwas mehr als anderthalb Stunden von der Naturliebhaberin, die die Einsamkeit schätzt, zur enthusiastischen, aber doch skeptischen Mitarbeiterin beide Circle, die als erstes sich mit dem einzigen auch skeptischen Mitarbeiter anfreundet und, nachdem sie herausfindet, dass es sich um den verschollenen Gründer des Unternehmens handelt, noch skeptischer wird, zu einer totalen Propagandisten des Systems, die ihr ganzes Leben transparent schaltet. Und dann wieder zur Ablehnung und für den Big Reveal wieder zu full-blown Transparency. Mag sein, dass das im Roman, der die Vorlage für den Film bildete, funktioniert hat. In dieser kurzen Zeit überzeugt es überhaupt nicht.

In vielen Kritiken liest man auch, dass sei einfach keine Rolle für Watson, die immerhin eine sehr kluge und reflektierte Person sei. Da mag etwas dran sein, aber wenn da etwas dran ist, sollte das allein für die Kritik Anlass sein, sich zu reflektieren. Denn Watson spielt die Rolle überzeugend, und wenn wir sie auf ihr Privatleben und Hemione Granger festschreiben, ist das unsere Schuld. Schauspiel ist genau das: In Rollen schlüpfen, die weder mit der privaten Identität, noch mit vorangegangenen Rollen etwas zu tun haben. Und im Verlauf dieser kleinen Serie war Emma Watson: Eine intrigante Mörderin by Proxy, Ein selbstgerechtes High-Society-Mädchen, das durch geschickte Verstellungen sich selbst rettet und ihre Freunde über die Klippe springen lässt, eine Art Superheldin ohne Superkräfte, die ihren Boyfriend aus den Fängen einer Sekte rettet, ihm aber gleichzeitig sein politisches Engagement vorwirft, und eine schlechte Schülerin mit Missbrauchserfahrungen in einer Clique von (eigentlich viel zu coolen) Außenseitern. Und die eine Rolle, die man ihr nicht abnehmen soll, ist die einer erfolgreichen jungen Frau, die sich von etwas vereinnahmen lässt, das größer ist als sie, bis sie ihre eigene Stimme findet?

Ich denke in Zukunft wird man sich an The Circle nicht als an Watsons besten Film erinnern, aber wenn man für diese Karriere bisher schon eine Art Bilanz ziehen kann, dann die, dass Watson sich große Mühe gibt, sich nicht auf eine Rolle festlegen zu lassen und es scheint auch, dass sie sich Projekte aussucht, die ihr inhaltlich und filmisch etwas bedeuten. Prognose: The Circle wird ein Film unter vielen sein, aber das Gerede, dass Watson in bestimmte Rollen nicht passe, wird aufhören. Die Schauspielerin arbeitet daran, jede Art von „Type-Cast“ loszuwerden.

Und ich denke, mit Erfolg. Zwei bis drei gute Filme und einer, der etwas dick aufträgt, aber mit starken Momenten, eine zumindest nicht langweilige Umsetzung eines Themas, das noch nicht reif für Filme ist. Außerdem die von der Kritik gelobten Little Women und My Week with Marilyn. Soweit ich es überblicken kann, wirklich keine schlechte Bilanz seit Harry Potter, selbst wenn Die Schöne und das Biest so misslungen sein sollte, wie viele Kritiken auf YouTube erwarten lassen. Und weil das Netz Listen mag – hier meine Liste der Filme von Best to Worst & nach meinem persönlichen Spaß-o-Meter:

Subjektiv:

1 The Bling Ring

2 Colonia Dignigad

3 Perks of being a Wallflower

4 The Circle

5 Regression

6 Ballet Shoes*

Objektiv(er)

1 The Bling Ring

2 Perks of being a Wallflower

3 Regression

4 Colonia Dignigad

5 The Circle

6 Ballet Shoes*

*Fernsehfilm, noch in der Harry-Potter Zeit.

Bild: Pixabay

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