Quer durch die „Menschliche Komödie“. Balzac-Lektüre 3. „Eugénie Grandet“, der erste lesbare Roman.

Zu Teil 1 (Einleitung)

Teil 2 (Erste Romane)

Eugénie Grandet war dann einer der ersten Romane Balzacs in meiner Zwei-Drittel-Werksausgabe, den ich tatsächlich als runden Roman bezeichnen würde. Hier gibt es eine Handlung, die sich durch die Aktionen und Gespräche einzelner Charaktere entfaltet, ein soziales Geflecht, das im Großen und Ganzen glaubhaft ist, und auch wenn es noch einige erzählerische Abschweifungen theoretischer Natur gibt, die bei Balzac immer zum Inventar gehören werden, wird das, was gezeigt werden soll, im Großen und Ganzen tatsächlich gezeigt. Ich zitiere, weil man Geschriebenes ja nicht unbedingt in eigenen Worten wiederholen muss, zu Handlung Wikipedia:

Das Buch handelt von der Familie Grandet, die in Saumur an der Loire lebt. Vater Grandet ist einer der reichsten Männer der Umgebung und dabei unmenschlich geizig; sein ganzes Trachten und Streben gilt allein der Wahrung und Mehrung seines Vermögens. Die Mutter, seine Tochter Eugénie und das Hausmädchen führen in seinem Schatten ein stilles, freudloses Dasein.

Die ansässigen Familien Des Grassins und Cruchot intrigieren um das Vermögen und wollen ihre Söhne mit Eugénie verheiraten. An ihrem 23. Geburtstag, an dem Lucienne des Grassins ob des Erfolges ihres Sohnes Adolphe bei der Erbin triumphiert, kommt Charles, Eugénies Cousin, zu Besuch, der noch nicht ahnt, dass sein Vater nach seinem Bankrott Selbstmord begangen hat. Eugénie und ihr Cousin verlieben sich ineinander, und das weltfremde Mädchen verspürt zum ersten Mal die wilde Freude der Leidenschaft. Ihr Vater aber, der nichts ahnt, hat nicht vor, den unnützen Esser im Haus zu behalten, und schickt Charles ohne einen Sou nach Indien. Zuvor jedoch leiht Eugénie ihm ihre Münzsammlung, die ihr Vater ihr zu ihren Geburtstagen geschenkt hat.

Als Vater Grandet erfährt, was geschehen ist, verliert er vor Wut fast den Verstand – nicht um Eugénies Liebe, sondern um des verlorenen Geldes willen. Eugénie wird in ihr Zimmer gesperrt, glaubt jedoch fest an Charles’ Rückkehr. Grandet, zwischen Geiz und Familienehre gestellt, schiebt die Bezahlung der Schulden seines Bruders mit größtem Geschick vor sich her. Eugénies Hausarrest aber wird schließlich aufgehoben. Als ihre Mutter vor Kummer krank wird, überredet Grandet seine Tochter, auf ihr Erbteil zu verzichten; kurz darauf stirbt ihre Mutter. Und Vater Grandet stirbt ebenfalls.

Eugénie als Alleinerbin ihres Vaters ist nun reich und wird weiterhin umworben, wartet jedoch weiter auf Charles. Der Bankier des Grassins, für Grandet in Paris geschäftlich unterwegs, verlässt seine Frau für eine Lebedame. Von nun an leitet Lucienne des Grassins die Bank von Saumur. Von ihrem Sohn Adolphe erfährt sie, dass Charles, in Indien wohlhabend und gewissenlos geworden, nach Frankreich zurückgekehrt ist, um dort eine Pariser Adlige zu heiraten. Eugénie, ihrer einzigen Hoffnung beraubt, sendet ihm seine Liebespfänder zurück und bezahlt auch seine Schulden. Wenig später heiratet sie den geldgierigen M. Cruchot unter der Bedingung, dass er weder Liebe noch Leidenschaft von ihr fordert. Dieser stirbt nur wenig später und hinterlässt seiner Frau das gesamte Erbe.”

All das ist im Großen und Ganzen gut balanciert, mit einer gewissen Theatralik vorgetragen, die dem Ganzen aber eher zu Gute kommt und wahrscheinlich einer der Gründe ist, dass seine Fans Balzac mit Shakespeare vergleichen. Zwar kein strenger Meister der Form, die er gewählt hat, durch Figuren, Wendungen und ein gewisses Pathos aber zugleich über viele strengere Autoren hinauswachsend. In Eugénie Grandet fällt all das allerdings zum Schluss hin doch ein bisschen in sich zusammen. Die drastischen Entwicklungen und Entscheidungen Eugénies werden im Vergleich mit zuvor Geschehenem überaus hastig und gerafft abgehandelt. Schade, denn gerade der Konflikt, den dass sich Wiederfinden der unglücklichen Liebenden birgt, und die nun äußerst starke Position Eugenies hätten aus einem interessanten Roman einen wirklich großen machen können, würde das ganze auch erzählerisch entfaltet.

Bild: Wiki, gemeinfrei

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