Erst gehypt, dann verissen? „Mute“. Ein „Einerseits – Andererseits“. Filmfreitag V.

1) Einerseits ist die bläuliche Blade Runner-Ästhetik so derivativ, dass der Film niemals aus dem Schatten des größeren wird treten können.
Andererseits: Immerhin bekommt Mute einen schönen Anschluss an Blade Runner hin und setzt paar eigene Akzente. Nach diesem unerträglichen Blade Runner 2049 ist das schon einiges wert.

2) Einerseits: Man versteht, wo die Kritik herkommt, dem Film fehle es an einer durchdachten Story und das Drehbuch hätte straffer sein können. Das Ganze wirkt oft wie eine schlecht begründete Schnitzeljagt nach der verschollenen Geliebten. Andererseits: Die Kritik liegt falsch. Die Story geht komplett auf. Alles läuft perfekt zusammen. Und: Es ist eine gute Geschichte, eine aus dem Leben einfacher Leute, ohne Weltrettungsgedöns.
Andererseits: Was mangelhaft ist, ist das Plotting. Weil wir genauso wenig über den Verbleib der Geliebten wissen, wie der Protagonist, ist kaum klar, ob oder dass sie in Gefahr ist, und wir driften eher durch Cyberpunk-Berlin, als gespannt mitzufiebern. Und warum uns die beiden Hinterhof-Ärzte wichtig sein sollten? Auch das erfahren wir viel zu spät.

3) Einerseits: Freunde des Films sagen, er sei eben eher was für Liebhaber komplexer Charaktere als für Spannungsfetischisten. Und es stimmt, die Figuren sind wirklich ziemlich überzeugend.
Andererseits: Sie sind zu lange ohne Beziehung zueinander und ihrem Umfeld. Mehr Charakterstudien als Figuren in einem Film. Wirklich gutes Charakterdrama stellt Figuren in ihren Handlungen zu- und gegeneinander (und zur Umwelt). Das klappt hier kaum weil – siehe 2).

4) Einerseits: Mute ist ein Film, bei dem nichts wirklich zusammen kommt. Schade, denn mit ein paar Tweaks hätte das ein herausragender Film werden können, ein dichter Cyberpunk-Ulysses mit der Spannung eines guten Thrillers. Andererseits: Mute langweilt immer noch weit weniger als manch gefeierter Sci-fi-Streifen. In jedem Fall ist Mute besser, als die Bewertungen im Schnitt erwarten lassen.

Trotzdem Schade. Ein oder zwei Szenen, die recht früh zeigen, dass Naadirah wirklich in Gefahr ist, und etwas früher der Hinweis, durch wen, und fast alle Probleme wären gelöst. Ich glaube, man könnte den Schnitt sogar aus dem vorhandenen Film erstellen.

Bild: Pixabay

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.