Der Epilog ist das Beste am Roman. „Die Kinder hören Pink Floyd“ von Alexander Gorkow: Viel Nostalgie mit wenig Plot.

„Die Kinder hören Pink Floyd“ von Alexander Gorkow fand ich leider wenig begeisternd. Der Roman folgt den Erlebnissen eines Ich-Erzählers, der als Kind/junger Jugendliche in den 70er von seiner Schwester mit der Musik von Pink Floyd in Berührung gebracht wird. Thematisch geht es die meiste Zeit um Außenseiter, Konflikte in der Schule und Kinder, die mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der Protagonist selbst stottert, sein Freund Hubi hat Trisomie 21 und die Schwester gleich eine tödliche Krankheit, wegen der sie immer wieder längere Zeit im Krankenhaus verbringt.
Das interessanteste am Roman sind wahrscheinlich all die Zuschreibungen, die auf Pink Floyd projiziert werden. Die müssen zugleich Kommunisten sein und die ersten Punks, bringen sogar vielleicht das Ende der jetzigen und eine neue Welt und am Himmel sieht man, wenn man sich konzentriert, dann die Regenbogen-Pyramide. Das, im Zusammenhang mit dem Epilog, indem der erwachsen gewordene Protagonist Roger Waters interviewt und mit dessen zunehmend wahnhaften Thesen zu Israel uswusf. Konfrontiert, stellt zumindest die Frage, ob der Weg, den Eaters genommen hat, nicht sogar auf traurige Weise folgerichtig gewesen sein könnte.
Ansonst nimmt der Roman nie wirklich Fahrt auf. Der Stil klingt wie das meiste, dass man heute in der deutschen Literatur zu lesen bekommt: Kurze, leicht auf mündlich getrimmte Sätze, hier natürlich aus der Perspektive eines Kindes formuliert. Das beißt sich ein wenig mit den relativ präzisen Akkord-Benennungen in den musikalischen Reflexionen, die für mich eher nach einem älteren Pink Floyd Fan klingen. Aber vielleicht konnten die Kinder in den Siebzigern ja tatsächlich einfach Akkordfolgen benennen, auch wenn sie selbst keine Musik machen und ihnen noch kein Internet half, so etwas nachzuschlagen. Wir in den 90ern konnten sowas nicht, aber wir sind halt auch mit Spice Girls und Back Street Boys aufgewachsen.
Schade ist aber vor allem, wie wenig entwickelt wird. Der Konflikt zwischen den Außenseitern und einem Schulhof-Bully plätschert über knapp 200 Seiten so dahin, ohne sich maßgeblich zu verändern, dann gibt es einen kurzen Höhepunkt, der gleich wieder beinah in Wohlgefallen aufgelöst wird. Die Schwester ist einfach irgendwie todkrank, aber so richtig zu berühren scheint das niemanden, nicht mal die Schwester. Und das vielleicht spannendste – Schwester und Erzähler versuchen wirklich alles, um gegen die spießigen Eltern zu rebellieren, wobei einige Momente zeigen, dass die vielleicht sowohl von Musik, sogar von der von Pink Floyd, als auch von Revolution mehr verstehen, denn der Vater bezieht sich in einem Gespräch auf Adorno. Das dürfte also kein CDU-Wähler sein, vielleicht noch nicht mal ein SPD Wähler, sondern einer, der weiter links steht und eine schlechte Projektionsfläche für Teenie-Rebellion. Aber auch das verpufft. Am Ende bleibt es bei der Konstellation rebellische Kinder vs. spießige Eltern und kein Konflikt wird je ausgetragen.
Das Mag sogar realistisch sein, viele Konflikte bleiben unausgetragen. In einem Roman bedeutet das aber: 200 Seite auf der Stelle treten. Und das reicht nicht. So hat man hier vor allem ein nostalgisches Stück vorliegen, von dem man spürt, dass es gern mehr gewesen wäre, das dort allerdings nie so richtig ankommt.

Bild: Pixabay

Nachtrag: Ein besserer Roman mit weniger aufdringlichem Pink-Floyd-Bezug.

2 Gedanken zu “Der Epilog ist das Beste am Roman. „Die Kinder hören Pink Floyd“ von Alexander Gorkow: Viel Nostalgie mit wenig Plot.

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