Leben „nach“ der Klimakatastrophe, Magischer Realismus – Genre für Faule? und weitere Beiträge für DieKolumnisten.

Auch im letzten Monat gab es von mir wieder mehrere Kolumnen. Voller Text jeweils hinter dem Link in der Überschrift.

Klimawandel: Perspektiven jenseits von Kollaps und Rettung?

„(…) Optimismuszwang? Ja. Zwar sind wiederum sowohl die Klimaaktivisten als auch die Technik-Träumer (und wohl auch die Leugner) in Wahrheit wohl recht panisch (zurecht), doch spricht kaum einer von dem notwendigen Thema dieses Buches: Dass sich die katastrophalen Folgen des Klimawandels im besten Fall vielleicht moderieren und eindämmen lassen, keinesfalls aber aufhalten. Und selbst, wo das einmal eingestanden wird, wird die Welt während und nach dem Klimawandel in etwa wie die heutige gedacht, Schreckensszenarien vor allem genutzt, um dafür zu werben, dass doch noch alles beim Alten bleibt. Wäre mir auch lieber, ist aber unwahrscheinlich. Tatsächlich sehe ich hier einen ganz ähnlichen Mechanismus am Werk, wie im Falle der (re)faschisierung zahlreicher Gesellschaften. Man hat so lange im Stil in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt, dass man sich selbst Europa nach rechten Machtergreifungen einzig nach dem Modell der liberalen Demokratie vorstellt, nur etwas ungemütlicher für manche Minderheiten, zu denen man hoffentlich selbst nicht gehört. Selbst die Wähler dieser Parteien können sich ihren Alltag anders nicht vorstellen (…)

Magischer Realismus – Ein „Genre“ für Faule?

„(…) Und stimmt ja, man erlebt immer wieder solche Stellen bei Autoren, die man dem magischen Realismus zuordnen könnte. Aber so weit scheint James gar nicht denken zu wollen, denn dann wäre er gezwungen, tiefer über den Magischen Realismus nachzudenken, und müsste sich die lapidare Aburteilung der gesamten Richtung – „I can’t stand it“ – verkneifen. Denn Magischer Realismus ist ja nicht mehr und nicht weniger als der Versuch, Momente der kollektiven Mythenwelt und des individuellen Unterbewussten in einer Weise symbolisch in die Handlung zu integrieren, die es ermöglicht, das Verhältnis des Menschen zum rein Faktischen, zu dem, womit schlechte Erzieher ihrer Zöglinge nerven („Des iss halt so“), zu reflektieren. Ein derart gearbeiteter Roman muss in der gleichen Weise streng komponiert werden wie einer, der auf magische Elemente verzichtet. Symbole, Einbrüche des Irrationalen bei Marquez, bei Carpentier, aber ebenso etwa bei Gogol, der, ohne den Begriff schon kennen zu können, ganz ähnlich arbeitete, sind keine Zufälle und Verlegenheiten, sondern ebenso durchdacht wie die Indizienkette Conan Doyles, an der sich ein Sherlock Holmes entlang arbeitet (…)“

Fantasy mit ostafrikanischem Setting – Marlon James‘ „Schwarzer Leopard, roter Wolf“:

„(…) Ich kann es durchaus nachvollziehen. Besonders die High Fantasy hat uns daran gewöhnt, das Fantastische ganz im Sinne der verwalteten Welt zu denken. Es gibt Rassen und Klassen, und eine wohldefinierte Magie, die gewissen Regeln folgt, kurz, dass Fantastische ist von Tolkien über diverse RPGs bis Martin stärker durchsystematisiert als ein typischer Tag in einer deutschen Kleinstadt. Und auch wenn Fans an dieser Stelle gern widersprechen: Sogenannte Low Fantasy und Urban Fantasy weichen da stellenweise zwar von ab, gehen aber höchst selten wirklich einen ganz anderen Weg.

Schwarzer Leopard, roter Wolf aber geht diesen Weg. Seine Welt funktioniert eher wie die des magischen Realismus, sie ist chaotisch, wird mit allen Mitteln der literarischen Moderne als chaotische „visualisiert“, und ihre Magie ist ungezügelt, gleichzeitig kaum greifbar und doch immer und in jedem Moment Teil der Welt. Aber auch die Schublade „magischer Realismus“ greift nicht, denn jener zeichnet sich ja gerade durch das enge Arbeiten an der realen Weltgeschichte aus, die durch magische Momente mit symbolischer Bedeutung gebrochen wird. Meist lässt Magisches sich sowohl übersinnlich als auch (kollektiv) psychologisch lesen. Schwarzer Leopard, roter Wolf aber spielt in einer ausgearbeiteten Parallelwelt (…)“

Bild: Pixa, gemeinfrei.

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