Lockere Lektüre ohne sprachliche Reflexion ihrer Zeit: Martini für Drei von Suzanne Rindell.

Martini für Drei ist einer dieser Romane, die total faszinieren können, wenn man so etwas als junger Jugendlicher erstmals aus dem elterlichen Bücherregal pflückt. Es gibt ja auch Bücher, die sich nicht um Magie, Verbrechen oder Abenteuer drehen! Und das kann sogar richtig spannend sein! Die „echte Welt“ eben.

Martini für Drei verfolgt die Versuche dreier Protagonisten, im New York der späten fünfziger in der Literaturwelt Fuß zu fassen. Cliff kommt aus reichem Elternhaus und möchte Schriftsteller werden, Eden möchte als Lektorin arbeiten, und Miles hat als Autor schon erste Erfolge und jagt dem Vermächtnis seines Vaters hinterher. Der Roman erzählt die Geschichten in wechselnden Ich-Perspektiven, wobei die Protagonisten sich immer wieder mal über den Weg laufen. Besonders der schwarze Miles und die Jüdin Eden zeigen dabei die negativen Seiten der Verlagswelt New Yorks, Eden hat sowohl mit Vorurteilen aufgrund ihres Geschlechtes als auch mit Antisemitismus kämpfen. Und auch bei Miles tut sich bald eine zweite Diskriminierungsfront auf. Martini für Drei ist dabei allerdings eine eher leichte Lektüre, die Spaß macht, bei der man am Ball bleiben möchte, und bei der man locker mehr als 200 Seiten am Tag wegliest.

Doch wer das Buch nicht in frühen Jugendjahren den Eltern stibitzt hat, wer schon mehr Lese-Erfahrung hat, besonders auch mit Werken jener Generation, die werbeträchtig im Klappentext genannt wird, könnte hier und da auch eine große Leere spüren. Der Roman ist eben eher orientiert, wie all die Thriller und andere Unterhaltungsromane, die auf dem Markt sind. Es wird kein Versuch unternommen, auch eine angemessene Sprache für die Zeit, das Feeling, zu finden. Da haben wir drei Protagonisten, die mittendrin stecken sollen in diesem chaotischen Konglomerat aus Alkohol, wilder Beat-Literatur und avanciertem Bebop. Doch ihre Erzählstimmen sind durchgehend eher die eines John Grisham. So fehlt dem Roman dann durchgängig, was Literatur zu mehr als  Zeitvertreib macht: Die konsequente Verschränkung von Form und Inhalt. Man wird Martini für Drei durchaus einmal mit Genuss lesen, doch ich erwarte wenige Leser, die das Buch ein zweites Mal in die Hand nehmen werden. Für solches wieder und wieder Lesen gibt es das „befremdliche On the Road oder den stilistisch wahrscheinlich konsequentesten Beat- bzw. Post-Beat-Roman, Tom Wolfes Electric Cool-Aid Acid Test. Aber wer eine ordentliche Lektüre über ein interessanteres Thema sucht, die am Ende trotz einiger Vorhersehbarkeit auch mit der Charakterentwicklung hier und da überrascht, könnte mit Martini für Drei gut bedient sein.

Weitere Besprechungen:

https://reisswolfblog.wordpress.com/2019/07/23/martini-fuer-drei-von-suzanne-rindell/

Beat Generation

Bild: Pixa, gemeinfrei

 

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