Kintsugi von Miku Sophie Kühmel ist im großen und Ganzen – ordentlich. Eine Mischung aus Freundes- und Familienkreis am See, natürlich alle obere Mittelschicht/Oberschicht und/oder Künstler, alle ähnlich gebildet, so dass die Autorin, obwohl sie aus 5 verschiedenen Ich-Perspektiven schreibt, praktisch durchgehend den gleichen Grundton halten kann, im Stil des typische Handbremsen-Modernismus, den ich hier und da „Suhrkamp-Intelektualismus“ nenne. Paar Perspektivwechsel, ein bisschen Gedankenstrom. Klingt, mit Ausnahme der Einstreuung einiger ungewöhnliche Worte, wie der Großteil der Titel, die man in den letzten Jahren gelesen hat. Formal und Thematisch ein relativ spießiges Buch, das das durch einige Sexszenen aufzuwiegen sucht (die übrigens deutlich besser geschrieben sind als das Gros heutiger solcher Szenen).

Immer noch gewissermaßen Tabubrüchig wird das Ganze dadurch, dass es sich bei den Großbürgern und Künstlern mit ihren Bürgerproblemen um ein homo- bzw. bissexuelles Paar, den Exfreund des einen Partners (ein erfolgreicher Maler) sowie die Tochter des Exfreundes, die irgendwie beinah aller Kind ist, handelt. Das gibt es noch immer relativ selten: Homo/Bisexualität so selbstverständlich behandelt. Meist muss das in der Literatur ja immer noch eher für besonders „krasse“ Handlungen herhalten, oder für ein politisches-agitatorisches Buch, als Toleranzaufruf. Oder eben für Witze, oder als Warnung vor der „Sünde“, usw usf. Nichts davon geschieht hier. Max, Reik und Tonio treten tatsächlich als ganz durchschnittliche Menschen auf, mit Durchschnittsproblemen, -schwächen und -stärken. Wäre schön, wenn das öfter gelänge.

Leider macht das Kintsugi noch nicht zu einem guten Buch. Wie gesagt, alle Perspektiven klingen irgendwie gleich (die Tochter Pega vielleicht noch am ehesten individuell), dazwischen sind noch ein paar unmotivierte Dialoge wie im Theater geschaltet. „Kintsugi“ beschreibt die Kunst, brüchiges Porzellan mit Gold zu flicken, doch lässt sich angesichts dieses Romans kaum an die schlichte Schönheit etwa einer Kintsugi-Vase denken. Die Brüche zwischen Fließtext und Dialogen sind bemüht, der Kitt dann wiederum kaum vorhanden. Und Brüche, die sich gar bis in die Sprache, in die Satzstruktur hineinziehen würde: Praktisch Fehlanzeige.

Lesbar, aber am Ende eben doch nur: ordentlich.

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