Unter den insgesamt langweilig klingenden Shortlist-Titeln voller gediegener Mittelschichts-Probleme wirkte Mobbing Dick von Tom Zürcher am vielversprechendsten. Da konnte man sich immerhin einreden, es gehe um einen soziopathischen Penis, und außerdem ist der Titel so dreist dumm, dass er fast schon wieder gut ist.

Naja, in Wirklichkeit geht es natürlich um das Schweizer Bankensystem und einen Typen, der Dick heißt, weil seine Eltern Dick Cheney cool finden. Dieser Dick bricht sein Jurastudium ab, steigt als ungelernte Hilfskraft bei der Schweizer Bankenanstalt ein, und macht durch diverse Verwicklungen rasant Karriere – und stürzt genauso schnell wieder ab.

Das Ganze ist im Gegensatz zu anderen Longlist-Titeln tatsächlich immerhin kein Werk des Suhrkamp-Intelektualismus (mein Begriff für diesen Modernismus mit Handbremse für gesetzte Bildungsbürger und solche die es werden wollen), sondern in einem recht eigentümlichen Kurzsatz-Stil geschrieben, ein wenig wie Sendung mit der Maus für Erwachsene plus bissige Ironie.

So richtig der Hammer ist es aber auch nicht. Für eine reine Klamauk-Satire versucht Zürcher sich an zu vielen realistischen und nachdenklichen Momenten, besonders die ausgerissene Schwester passt nie wirklich ins Buch. Auch sind nur wenige der Witze richtig zündend. Auf der anderen Seite ist die Handlung so unglaubwürdig, dass alle Versuche, in die Tiefe zu gehen, gleichfalls verpuffen. Ernsthaft: Die Eltern erwarten nach wenigen Wochen, dass ihr ungelernter Sohn praktisch auf dem Weg zum Bankdirektor ist, und tatsächlich scheint eine Zeit lang genau das zu passieren.

Gegen Ende dreht Dick dann immer mehr durch, legt sich das Pseudonym Mobbing Dick zu, beginnt mit Scherzanrufen und foltert später eine Kollegin fast zu Tode. Mobbing Dick schafft den Übergang von „sympathisch“ zu „Psychopath“ etwas besser als die neunte Staffel der Serie Pastewka, steht aber auch vor dem Problem, dass der Roman aufgrund seiner ursprünglichen Anlage keinen Ton finden kann für die grausamen Verbrechen der zweiten Hälfte. Entsprechend sanft ist dann auch das Ende, und nicht wirklich passend.

Ich werde den Verdacht nicht los, dass der Titel zuerst da war, und der Autor sich dann bemüht hat, eine Geschichte rund um das schlechte Wortspiel zu konstruieren. Meist immerhin unterhaltsam, aber nicht wirklich gut.

Bild: Pixa, gemeinfrei.

Weitere Besprechung: https://saetzeundschaetze.com/2019/09/09/tom-zuercher-mobbing-dick/