Einmal mehr das Positive vorweg: Ralf Dombrowskis Basis-Diskothek Jazz enthält durchaus einige Titel, die sich als sehr hörenswert erweisen und auch jemandem, der sich schon ein bisschen mit Jazz beschäftigt hat, noch unbekannt sein könnten. Wer allerdings bereits seit vielen Jahren sich mit der Musik auseinandersetzt, dürfte nichts Neues finden. Ich, der ich mich seit einigen Monaten in die Materie einarbeite, werde schon kaum noch überrascht.
Das liegt daran, dass es sich, wenn man ehrlich ist, um ein reines „was muss ich eigentlich kennen, um cool mitreden zu können“ Buch handelt.
Der Basis Diskothek fehlt jede eigene ästhetische Linie. Bei einem „umstrittenen“ Album wie Coltranes Ascension, wäre die Aufgaben eines Experten doch, eine gut begründete Einschätzung zu liefern, worauf man sich hörend konzentrieren sollte, um dieses Album doch noch zu erschließen. Dass Ascension umstritten ist, ist ein vergleichsweise irrelevanter Hinweis, es sei denn man möchte bei klugen Tischgesprächen auftrumpfen… „Ah… ja… Ascension… da scheiden sich ja die Geister“.
So vereint die Basis-Diskothek Jazzalben, die eben kennen sollte, wer zur In-Crowd gehören möchte, ohne dass etwas anderes als deren Stellung im Jazzdiskurs tatsächlich für deren Bedeutung bürgen würde. Manchmal werden ein paar musikalische Hinweise gegeben, oft werden aber auch die Entstehungsgeschichte oder Informationen zur Persönlichkeit der Musikant wichtiger genommen. Umso mehr ins Gewicht fällt, dass wirklich bedeutende Musiker und Alben komplett fehlen. Braxton ist nur mit seinem relativ spannungsarmen Circle vertreten, Sam Rivers polytonal-polyphone Balanceakte zwischen Tradition und Freejazz kommen nicht vor, Szabados, Stanko, bleiben Lehrstellen, die herausragenden Alben von Old and New Dreams finden keine Erwähnung, auch nicht das kurzlebige Gunter Hampel Quintett und selbst Andrew Hill, der in verschiedenen Formationen ein schlüssiges, aufeinander aufbauendes Gesamtwerk vorgelegt hat, findet nur als Nebensatz zu Roland Kirk Erwähnung. Und natürlich fehlt Myra Melford.

Nein: Die Basis-Diskothek ist tatsächlich im besten Fall ein Bescheidwisser-Buch, und deklariert Jazz auf diese Weise zu einem dieser Pop Diskurse, bei dem es eigentlich relativ egal ist, was man sagt, solange man gerade die Sprache seiner Diskussionspartner spricht. Um die Musik geht es nur in zweiter Linie, weil man eben schlecht über Jazz schreiben kann, ganz ohne über Musik zu schreiben.