Zu Gast in Berlin / Kantate auf Basis meines Gedichts:

Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder in Berlin. Fällt das unter #Werbung? Wahrscheinlich. Wie dem sei: Neben einem Besuch bei guten Freunden stand das Neuköllner Originaltöne-Festival auf dem Programm. Dort wurde die Kantate „Der Bär antwortet“ auf Grundlage des gleichnamigen Gedichts aus meinem Lyrikband kathaStrophen zur Uraufführung gebracht. Das Stück wurde zum Abschluss des Festes am Sonntag im Rahmen des Programms „Orgelgesänge“ in der Neuköllner Genezarethkirchen gegeben. Das tolle Ensemble: Andrea Chudak (Sopran) Max Ranch (Trompete), Robert Knappe (Orgel). Komponist: Max Doehlemann. Danke allen Beteiligten für ein tolles Konzert & den schönen Abend im Anschluss.

Warum er meinen Text ausgewählt hat, erklärt Komponist Max Doehlemann, und ich denke, wenn mal wer in eigener Sache so was Freundliches sagt – und die eigene Arbeit so treffend auffasst – kann ich das ruhig  ausführlich zitieren:

„Sören Heim schreibt so ziemlich die besten neuen Gedichte, die ich seit Jahren lesen durfte. Die haben einfach Geist und Struktur und sie fangen umso mehr einen Gefühlsstrom ein, weil sie fest und klar gebaut sind und trotzdem nicht konservativ.“

Für die Komposition dann hat er den Text „zerhackt, und in zahlreichen Variationen neu zusammengesetzt“, was im Ergebnis etwas von einer moderne Perspektive auf Klangformen mittelaltelicher Kirchenmusik hat. Das Ganze ist (nochmal der Experte):

„eine komplexe Komposition aus 4 Fugen, darunter eine sogenannte „Zufallsfuge“, in der die Musiker relativ frei improvisieren können, jeweils mit ausführlichen Vor- und Zwischenspielen und leicht wahnsinnigen Sopran-Eskapaden“.

Für mich ist das extra-cool, weil ich mich beim Schreiben selbst oft auch von musikalischen Erfahrungen leiten lasse, und versuche, meine Autodidaktenperspektive auf avancierte Musik wieder in Lyrik & Prosa zu überführen. Das macht natürlich auch die Vertonung wieder schwierig, weil die sich ja nicht von der Eigenmusikalität des Textes einschnüren lassen sollte. Die Kantate „Der Bär antwortet“ löst das sehr stark, indem sie die Stimmung einfängt, aber den Text sonst zum Material eines ganz neuen Kunstwerks nimmt, wie Bildhauer den Marmor. Die Grundlage ist dann auch einer meiner traditioneller gebundenen Texte, was der Vertonung große Autonomie gewinnt.

Zum Schluss noch das Gedicht:

 

der bär antwortet

ursa major. der diamantne
kaltnackte stangenbär. er
zieht leeralternd kreis um kreis
und polaris blinzelt, heiß

ist ein jeder stern, für sich
ist raum – ein stangenwald,
gemeines träumen, kopfgemalt
schluckt sonnwindmonadenlicht

ursa major. der so genannte
große bär treibt, bar des fells
auch ohne ziel, hell, durch die nacht.
er hat uns nichts mitgebracht

2 Gedanken zu “Zu Gast in Berlin / Kantate auf Basis meines Gedichts:

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