Cane gilt als einer der frühesten Harlem Renaissance Romane, obwohl der Begriff, als das Werk erschien, noch gar nicht wirklich geprägt war. Er wird auch bis heute als der modernste Roman jener Zeit bezeichnet, und gern mit den ländlichen Prosadichtungen Faulkners verglichen.

Ich bezweifle, dass der Vergleich sehr sinnvoll ist, Autor Jean Toomer tritt noch als Pionier der Moderne auf und hat mit dem virtuosen, aber oft auch unübersichtlichen Experimenten Faulkners zu Gedankenstrom und Perspektivwechsel wenig gemein (Cabe ist eher Zeitgenosse von Ulysses als von The Sound and the Fury). Modern allerdings ist die Form des Romans in kurzen Erzählungen, Skitzen und auch Gedichten, historisch modern natürlich auch, dass erstmals schwarze Charaktere in großer Zahl das Zentrum eines Romans ausmachen, und durchaus auch diese unmittelbare, zwischen dichten Bildern und Gedanken wechselnde Schreibweise der einzelnen Texte. Aber: Der Name Faulkner drängt sich vor allem auf, weil es zu Cane bis heute wenig vergleichbares gibt: Radikal und eher ländlich geprägt. Man sollte sich im Zweifel davon nicht abschrecken lassen, Cane es weitaus zugänglicher als die meisten Werke Faulkners.

Der Roman ist gewissermaßen ein Tryptichon , zusammengesetzt aus wiederum kleineren Bildern. Der erste Teil zeigt Szenen aus dem Landleben des nordamerikanische Südens, getragen vom Leitmotiv der beschwerlichen Zuckerrohrernte, des eigentümlichen Duft des Rohres, Arbeiterliedern, Gebeten und dem alltäglichen Rassismus.

Der zweite Teil springt ins großstädtische Chicago, wo Hoffnung und Verzweiflung nah beinander liegen, und der Süden als Erinnerung noch immer anwesend ist. Obwohl dieser Teil einige der schönsten Szenen enthält, merkt man ihm an, dass Cane eigentlich fertig war, doch „zu dünn“ für die Publikation, ehe Toomer das Zwischenspiel nachlieferte.

Der dritte Teil erzählt eine längere zusammenhängende Geschichte und springt, was das Setting betrifft, zurück in den ersten.

Cane wird im Gegensatz zu anderen Meisterwerken der Moderne kein absoluter Dauerbrenner für mich werden, dafür ist die Qualität ein wenig zu wechselhaft. Einzelne Miniaturen allerdings möchte man immer wieder lesen, und weil man sich dazu ja doch nicht aufrafft und gleichzeitig die Sprachkompositionen voller Dialekt- und Soziolektpassagen geradezu nach einem Vorleser schreien, empfehle ich die (leider nicht ganz günstige) Hörbuchversion als Zusatz zur Lektüre.

Bild: Pixa, gemeinfrei