Der Harlem Renaissance Reader und: Ankündigung einer kleinen Rezensionsreihe

Ich habe noch nicht alle Texte im Harlem Renaissance Reader gelesen (Postscriptum: doch, jetzt schon!). Aber die Auswahl überzeugt definitiv.

Eine längere Einführung gibt ausführliche Überblicke über die Phasen der politisch-kulturellen Bewegung, ihre Entwicklung und ihr endliches Zerfallen. Die folgenden Essays von damaligen Protagonisten zeichnen ein lebendiges Bild des schwarzen literarischen Harlem wie auch seiner breiteren kulturellen und sozioökonomischen Zusammensetzung. Ohne dass editorisch stark eingegriffen würde, kommentieren die einzelnen Texte sich in der Art und Weise, wie sie gegeneinander gestellt werden.
Das Back-to-Africa Movement und der selbsterklärte Exilpräsident Marcus Garvey der noch auszurufenden panafrikanischen Republik streitet mit Marxisten, diese wiederum mit Protagonisten, die in der Anerkennung der Kunst der Harlem Renaissance einen Weg zur bürgerlichen Gleichberechtigung sehen. Dabei zeugen schon viele dieser eher programmatischen Texte von einem Stil-Niveau, das sich souverän durch alle Register bewegt.

Besonders unter den späteren Prosastücken finden sich dann regelrechte Meisterwerke. Etwa die wundervoll dichten Miniaturen aus Jean Toomers Cane, das zahlreiche Lebensgeschichten schwarzer Amerikaner in der Zeit seit 1900 miteinander verknüpft. Die dichten, genau beobachteten Gesellschaftsromane von Nella Larsen, wie Quicksand. Oder das rasante, assoziative Home to Harlem von Claude McKay.
Was mir bei der Lektüre auffällt, ist, wie wenig die hier versammelten Autoren tatsächlich in den Curricula der (mir durch mich oder Freunde bekannten) Universitäten präsent sind. Wenn überhaupt werden sie eben als Autoren der Harlem Renaissance in entsprechenden Seminaren behandelt. Was natürlich zur Folge hat, dass die Mehrheit, die die Seminare nicht belegt (sei es aus Zeitdruck, sei es aus Desinteresse, es ist nun mal so, dass ein einzelner Student nur ein Bruchteil der verfügbaren Seminare belegen kann) mit den Autoren kaum in Kontakt kommt. Und so richtig es ist, auf die historische Bedeutung der Harlem Renaissance für den Kampf der schwarzen Bevölkerung der Vereinigten Staaten für gleiche Rechte und Anerkennung hinzuweisen, so wichtig wäre es auch, Autoren wie die oben genannten nicht nur als schwarze Autoren in einer bestimmten historischen Situation, sondern überhaupt als große Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu würdigen, die Werke geschaffen haben, die den Vergleich mit Steinbeck, Fitzgerald und Hemmingway nicht scheuen müssen und teils in ihrer kompositorischen Konsequenz ihrer Zeit voraus waren.

Dass wahrscheinlich jeder studierte Amerikaner (und Amerikanist) die Namen Steinbeck, Fitzgerald und Hemmingway nennen kann, zur Harlem Renaissance aber vielleicht im besten Falle noch Hughes einfällt, das ist schon ziemlich erbärmlich.

In loser Folge werde ich demnächst Romane aus dem Umfeld der Harlem Rennaissance besprechen.

Bild: Pixa, gemeinfrei

3 Gedanken zu “Der Harlem Renaissance Reader und: Ankündigung einer kleinen Rezensionsreihe

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.