Nach der Besprechung von Cereus blooms at Night gestern hier zumindest noch eine kurze Empfehlung von He drown She in the Sea:

Shani Mootoo ist als Schriftstellerin nach Cereus blooms at Night zu Unrecht wieder (ein wenig) in der Versenkung verschwunden (allerdings vielfach, u.a. mit Filmen, künstlerisch aktiv). Auch He drown She in the Sea ist ein ganz großer Roman, der das Leben zwischen den Kulturen eines Auswanderers in Kanada sehr sorgfältig mit einer Emanzipations- und Familiengeschichte auf der fiktiven karibischen Insel Guanagaspar verwebt. Die drei Handlungsstränge (Erzählung in Kanada, Erzählung in Guanagaspar, Erinnerungen des Neukanadiers an Guanagaspar) handeln auf verschiedene Weise vom sich Behaupten gegen Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft, auf Guanagaspar insbesondere auch von den besonderen Herausforderungen, vor die Tradition und Moderne Frauen stellen. Erst allmählich werden die genaueren Verbindungen zwischen den Personen und Handlungssträngen klar – das löst Mootoo meisterhaft.
Ebenfalls hoch gelungen ist die sprachliche Gestaltung, besonders die karibischen Passagen sind von unglaublich dichter Schönheit, wobei die Sprache stets klar bleibt. Hervorzuheben auch die Art, wie Mootoo durch den Einsatz von Pidgin die Atmosphäre vertieft, ohne in tumben Naturalismus zu verfallen – man denke an Roy, an Rushdie vielleicht, nicht an Dickens.

Bild: Pixabay, gemeinfrei