Verliebte Lügner von Richard Yates ist einer dieser im besten Sinne amerikanischen Erzählbände. Es gibt eine Gruppe amerikanischer Schriftsteller, Updike gehört dazu, Cheever, Ford, mit Einschränkungen auch Roth, die vermutlich aus einer Position der gefühlten Stärke heraus die großen Erschütterungen des Vertrauens in das klassische Erzählen nur in eher geringfügigen Dosen und als Techniken, nicht im Sinne einer existenziellen Krise, übernommen haben (mit Hacks könnte man diese AutorInnen als Protagonisten einer modernen amerikanischen Klassik interpretieren). Das zeigt sich besonders in den sauber aufgebauten kürzeren Werken, die besonders ums Liebes- und Eheleben kreisen.

Und auch Verliebte Lügner von Richard Yates ist eben genau so ein Buch. Im Mittelpunkt stehen die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges, eine Aufbruchstimmung, die viel von der ’68 zugeschriebenen sexuellen Befreiung selbst im konservativen Bürgertum schon vorwegnimmt und unerwartete Trennungen, wobei auch die Liebe oft einem gnadenlosen Zweckrationalismus zum Opfer fällt.

Sehr lesenswerte Erzählungen, wenn auch literarisch vielleicht nicht die allergrößten Würfe. Spannende Beobachtung nebenbei: Es gibt Leser, die sich besonders gern und besonders lautstark über den ganzen modernen Firlefanz in zeitgenössischer Literatur beschweren. Dass sie aber mal einen Amerikaner in die Hand nehmen würden, das verbietet das Vorurteil. Doch wer die traditionellen Erzählweisen der europäischen Literatur konserviert finden möchte, findet sie heute tatsächlich am ehesten bei – politisch in diesem Fall übrigens durchaus linksstehenden – amerikanischen Autoren.