Ein schmales Standardwerk von Rudolf Bultmann heißt „Das Christentum im Rahmen der antiken Religionen“.

Der Titel ist ein wenig irreführend. Geliefert werden Abrisse der Denkungsart vom Alten Testament übers Judentum nach Christi Geburt, griechische Poleis und Hellenismus allein entlang führender zeitgenössischer Theologie / Philosophie. Dann wird im Schlusskapitel das Denken des Christentums wiederum auf Ebene der Elite behandelt. Wer sich in der Bibel wenig auskennt, die Gedanken Platons und Aristoteles zum Thema „Gott“ überhaupt nicht kennt, der bekommt hier sicherlich eine gute Übersicht wichtiger Einflüsse auf das christliche Denken nach Jesus. Was praktisch Null vorkommt sind die Wechselwirkungen der jeweiligen Religionsvorstellungen, wie sie auf die real existierenden urchristlichen Gemeinden gewirkt haben (könnten).

Lesenswert dagegen sind die Auszüge aus dem Alten Testament in Versform, die so tatsächlich eine ganz andere Dringlichkeit gewinnen. Es könnte unter ästhetischen Gesichtspunkten lohnen, sich die Bibelübersetzungen zu besorgen, mit denen der Autor gearbeitet hat.

Problematisch dagegen wieder, dass auf der Ebene der Bibeltexte Fehler gemacht werden, die beim ersten Erscheinen 1949 wohl noch schwer vermeidbar waren. Selbst den Übersetzungsfehler vom Kamel durch das Nadelöhr bringt Bultmann als Beleg für bestimmte Formen des „jüdischen Denkens“ im Neuen Testament. Diese und viele weitere Fehler hat das Ehepaar Lapide seitdem für eine breite Bevölkerung richtig gestellt, besonders Ruth Lapide auch im Fernsehen und auf Youtube. In einer Neuauflage aus dem Jahr 2000 hätte man so etwas zumindest anmerken müssen.

Bild: Wiki, gemeinfrei