Geschrieben ist Californication großartig. Was die Serie dagegen übers Schreiben zu sagen hat, ist eher schwach.

Großartig: Zumindest der Erzählbogen über die ersten drei Staffeln. Alles, was irgend einmal angerissen wird, fällt den Protagonisten an anderer Stelle, und oft mit unerwarteter Wendung, wieder vor die Füße. Die Charaktere: herrlich kaputt. Ihre Dummheit: dennoch irgendwie glaubwürdig. Die Dialoge präzise, temporeich und ohne ein Wort zu viel. Und die Tochter Becca als gerade so ihr fragiles Selbst behauptender Ruhepol – und damit als eigentlicher Fokus des Zuschauers – zwischen dem nur auf den ersten Blick liebenswerten Vollhonk Hank und der auch nicht gerade mit Weitblick gesegneten Karen, die, sagen wir’s wie’s ist, sich samt Tochter immer wieder zurück in eine verdammt missbräuchliche Beziehung begibt. Dieses toxische Geflecht hätte in der Katastrophe enden müssen und die Serie hatte alle Anlagen dazu.
Deshalb wende ich mich ab Mitte der vierten Staffel ab, der es u.a. nicht gelingt die Ernsthaftigkeit von Hanks Prozess adäquat zu verarbeiten. Das Setting taugt für düstere, nicht für leichte Komik, und schon gar nicht für diese Aneinanderreihung pubertärer Witze, die das Ganze ab der fünften Staffel wurde.

Anyhow – der zweite Punkt: Hank ist als Schriftsteller glaubhaft, solange wir kein Wort seines Geschreibsels zu hören bekommen. Bis dahin kann man glauben, dass trotz des kindischen Schriftstellerbildes, das präsentiert wird – soviel Leben, soviel Geschlechtsverkehr, so viel Drogen konsumieren wie es geht, all das dann möglichst „real“ (das ist englisch auszusprechen) zu Papier bringen – Hank tatsächlich ein guter Schriftsteller ist. Es gibt ja solche Naturals, die selbst nie wirklich begreifen was das meisterliche an ihrem Meisterwerk ist. Aber im Gegensatz zu Spielberg lässt Tom Kapinos seinen weißen Hai allzu oft an der Oberfläche schwimmen. Das ganze Elend konkretisiert sich in Hanks Brief an Karen in der siebten Staffel, aber auch schon im Brief an die Tochter früher, dem New Yorker Brief und in einem seltenen Romanzitat. Ein paar bedeutungsschwangere Sätze, ein bisschen auf die Tränendrüse gedrückt, reichlich eingestreute Schimpfworte. Zwischen Hank Moody und Dr. Sommer passt kaum ein Blatt Papier. Das gilt auch für die anderen, ähnlich gelagerten Schriftstellerfiguren in der Serie bis hin zu Becca, die zuletzt auch Schriftstellerin werden will und gleich genauso altklug-spätpubertär-düster klingt.

Ein ordentlicher Text entsteht, wie auch eine ordentliche Serie, abseits seltener Glücksfälle, nur durch sehr bewusste Gestaltung des Rohmaterials. Genau das macht die ersten drei Staffeln von Californication gut. Im Gegensatz zu den späteren, die mit das erbärmlichste sind, was jemals auf Film gebannt wurde.

Bild: Pixabay, gemeinfrei