Hacks wirft Eliot dem Dramatiker ausgerechnet das eine vor, das er kann: Verse. Die Suche nach einer Form, die hohen Ton und Alltagsgebrabbel flexibel handhaben kann, alles Pillepalle, wenn man in Weimar unterm Großherzog Walter dient. Warum Eliot nicht wie Shakespeare schreibe? Nun, aus dem gleichen Grund aus dem Shakespeare nicht schrieb wie Langland. Es drängt sich mal wieder der Eindruck auf, es hätte der Konservative, früher geboren, auch noch seine größten Idole verraten.
Dabei hätte Hacks es besser gekonnt, denn wenn er sich mit etwas auskennt, dann mit dem Aufbau von gelungene Dramen. Und Eliot ist als Dramatiker wirklich ein Totalunfall. Doch nicht wegen seiner Verse.

Halten wir uns gar nicht allzu lange bei solch kruden Mischungen von naturalistischem und absurdem Theater auf wie dem einst gefeierten A Family Reunion: Wenn hier die Protagonisten aus locker rhythmischem Geplauder plötzlich in streng gereimte Verse wechseln, wirkt das grad so lächerlich, wie die gesamte Theaterchimäre eben angelegt ist.

Schlechte Transformation des Noh

Aber auch ein phasenweise genießbares Stück, das Eliots Anliegen thematisch stark entgegenkommt, wie Murder in the Cathedral, scheitert. Das Stück ist, mit seiner einen zentralen, meist rückblickenden, Figur, dem Chor und den vor allem Fragen stellenden Versuchern im ersten Akt, dramaturgisch offenkundig ans Noh angelehnt. Nun ist Noh aber gerade kein Drama sondern eher philosophisch meditatives Theater, ohne Spiel, Gegenspiel, Katharsis usw. Und es ist dementsprechend gerade so kurz gehalten, dass die Fabel trägt, auch wenn dramatische Spannung fehlt. Lese Tipp: Atsumori von Zaemi Motokiyo.

Schon allein die gut 40 Seiten Länge machen also Murder in the Cathedral als eine Art anglikanisches Noh untragbar. Im zweiten Akt soll dann allerdings doch so eine Art Konflikt die Sache interessanter machen und hier geht das Ganze dann endgültig den Bach runter. Meditative Konflikte sind schwer denkbar, und dieser ist vor allem ein gestelzter Schaukonflikt, dessen Ausgang Publikum wie Figuren bereits kennen. Fallhöhe gleich null. Eliot scheint das zu spüren, weshalb er die klassischste aller Dramenthematiken, den Widerstreit zwischen der absolutistischen Macht und der Fronde (Guter Gott, hätte Hacks hier einharken können!) in einem lächerlichen Prosaepilog durch die vier Mörder konkretisieren lässt. Das ganze Elend von Murder in the Cathedral wird also bezeichnenderweise deutlich, wo auf Verse verzichtet wird.

Wo Eliot dagegen dichtet wirkt das Stück deutlich besser als letztendlich ist. Denn Eliot ist ein großer Dichter, und er hatte Grund seiner zerrütteten Zeit ein neues dramatisches Dichten zu suchen, auch wenn das in Herrn Ulbrichts Weimar nicht angekommen sein mag. Allerdings: Er hätte eben auch neue dramatische Themen finden müssen.

Bild: pixabay, gemeinfrei