Auch Swing Time ist wieder ein ganz anderes Buch als vorherige und spätere Romane von Zadie Smith. Das habe ich in meiner vorherigen Rezension von On Beauty noch gelobt: Nicht die Autorin findet ihren Stil, sondern der Stoff. Das ist ernsthaftes ästhetisches Arbeiten.

Mit Swing Time verhält es sich ein bisschen anders. Swing Time ist der einzige mir bekannte Roman Smiths, der in erster Linie vom Inhalt getragen wird. Zwei tanzbegeisterte Mädchen mit je einem schwarzen und einem weißen Elternteil entwickeln sich auseinander / weißer Popstar versucht Armut in Afrika auszurotten und macht sich dabei lächerlich. Das sind Themen, die eine halbwegs interessante Lektüre versprechen und Smith belässt es dabei. Mit dabei sind wieder einige der Besonderheiten, die Smith auch als Intellektuelle aus der Masse heben, ihre Fähigkeit, vom nicht vom eigenen Lebensweg abstrahieren könnenden Popstar bis zum schwarzen Londoner Verschwörungs- und Rassentheoretiker wirklich jeden Charakter mit einer gewissen Sympathie zu zeichnen, sticht einmal mehr besonders heraus. Auch wenn dieses Buch besonders politisch, und politisch eher oberflächlich, daherkommt: Leser bekommen nicht „vorgedacht“ sondern müssen ihr Verhältnis zum Erzählten selbst entwickeln.

Swing Time liest sich schnell, besonders die Kindheitsgeschichte der beiden Mädchen hat ihre anrührende Momente und hätte vielleicht etwas mehr Raum verdient, während die Geschichte um die Icherzählerin und Aimee (den Popstar) doch gegenüber ähnlichen, allein mit der Entwicklungshilfeproblematik beschäftigten Erzählungen etwa Mwangis, eher flach wirkt. Smith hebt mit den beiden jungen Mädchen an, springt dann in die Erwachsenenjahre der Icherzählerin und alterniert ab dann routiniert. Einen wirklich guten erzählerischen Grund für das Springen zwischen den Zeiten gibt es diesmal nicht, außer eben den, dass ansonsten schneller auffallen würde, dass die Aimee-Geschichte Smith-untypische Längen hat.

Swing Time ist ein ordentliches Buch, eher leichte Unterhaltung mit sozialkritischem Einschlag aus der Hand einer großen Autorin. Auch lesenswert, aber nicht der ganz große Wurf.

Bild: pixabay, gemeinfrei