Waren die Prequels wirklich so schlecht? Die Originale so gut? Star Wars, mit frischen Augen.

Schaut man sich zuletzt nochmal die Star Wars Originaltrilogie ohne Nostalgiebrille an, schrumpft der Abstand zwischen Anfängen und Nachfolgern weiter zusammen. Man stelle sich zum Beispiel einmal das folgende vor: Man hat sich in eine gut getakteten Space Opera wie Die Rache der Sith oder einen durchdachten Weltraumkriegsfilm wie Rogue One, in dem (fast) keine Szene zu viel ist, verliebt. Und als Nachfolger bekommt man einen Film serviert, dessen zentraler Held erstmal 30 Minuten damit verbringt auf einem Wüstenplaneten herum zu heulen, mit den Adoptiveltern zu streiten und vom Weltraum zu träumen.

Hör auf zu schreien, Affe

Dann geht die Action so langsam los, doch der Drehbuchautor hatte nichts besseres zu tun, als einen schreienden Affen in die Handlung zu integrieren, den wie Hündin Lassie nur sein bester Freund versteht, und dessen ständiges Geschrei mit der Zeit doch wirklich nur noch auf die Nerven geht. Zudem gibt es zahlreiche Szenen, die man nur als lächerlich bis kitschig bezeichnen kann: Lächerliche vor sich hingrunzende Wüstengnome zum Beispiel. Später Ewoks, natürlich. Selbst Vaders tragische (oder doch auf Daily-Soap Niveau schmalzige?) Sterbeszene…

Yeti. Yeti? Yeti!

Die Taktung im Vergleich mit Revenge und Rogue One ist in den Episoden IV bis VI ebenfalls vollkommen von der Rolle. Unbedeutende Szenen werden ausgewalzt, so etwa in Das Imperium schlägt zurück die absurde Entführung durch einen Yeti auf gut eine Viertelstunde. Noch schlimmer in den Special-Editions und folgenden Fassungen. Da wird in Eine neue Hoffnung gegen Ende des Filmes ein für Luke unglaublich wichtiger Freund eingeführt, nur um den kurze Zeit später um die Ecke zu bringen. Ein filmisches No-Go. Dafür haben die Neufassungen immerhin die Technik ein wenig aufpoliert. Denn auch wenn die Hardcore-Fans damit Probleme haben mögen: in den Originalen von 1977, ’80 und ’83 sieht man Raumschiffen und Städten ihre modellbauerische Herkunft nun doch deutlich an. Das CGI von Die dunkle Bedrohung altere rasch, hieß es bei Erscheinen 1999. Stimmt, 20 Jahre später erkennt man grafische Schwächen. Aber von Das Imperium schlägt zurück bis Die dunkle Bedrohung waren es auch nur 20 Jahre und die sind an den Filmen nicht spurlos vorüber gegangen. Dagegen wirkt Die Rache der Sith tatsächlich bis heute halbwegs auf der Höhe der Zeit.

Nein: Das macht das Original Star Wars nicht zu schlechte(re)n Filmen. Aber wer mit den neueren Teilen der Serie angefangen hätte, hätte die alten womöglich aus ähnlich guten Gründen gehasst, wie heute die neuen. Man kann nicht zurück in die späten Siebziger. Und man kann um die Jahrtausendwende nicht weiter filmen wie 1977.

Bild: Pixabay, gemeinfrei.

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