Nachdem der erste der neuen Filme nicht mehr als eine Hommage war, und dazu eine misslungene, beinahe eine Karikatur, habe ich von Die letzten Jedi all zu viel nicht erwartet, außer dass er immer noch besser sein dürfte als enttäuschte Fans behaupten.

Filmfiguren sind nicht „Freunde“

Und das ist er. Mindestens. Das, worüber das Fandom im Falle von Die letzten Jedi jammert, hat mit wenigen Ausnahmen mit filmischer Qualität nichts zu tun. Stattdessen wird eine Welt als Realität betrachtet, die fiktiv ist, und darüber geheult, dass sich die eigenen „Freunde“, mit denen die Filmfiguren verwechselt werden, nicht so entwickelt haben, wie man es sich gewünscht hat. Einige kleinere Kritiken halten auch filmisch betrachtet stand: Es braucht keinen silbernen Stormtrooper, wenn der für die Geschichte kaum wichtig ist, und Snokes hängt erzählerisch etwas sehr in der Luft. Allerdings: Wäre es besser, Snokes hätte eine Backstory? Es wäre ja doch wieder so ein „wer ist mein Vater, ich hatte keinen Vater, mein Vater war böse“ — halt irgendwas mit Vätern – Ding.

Aber ansonsten? Das Spiel der Antagonisten Rey/Ren verleiht beiden tatsächliche Tiefe. Endlich einmal (zum ersten Mal!) in Star Wars wird die Behauptung, jemand sei „hin und her gerissen“ zwischen einfachen Lösungen, Empathie, gut/böse dunkel/hell usw. tatsächlich entwickelt und nicht behauptet oder plötzlich Deus Ex Machina der Handlung aufgepfropft. Die Wendungen sind rasant und glaubhaft, und funktionieren auch gerade, weil Rey & Ren eben schon im ersten Teil keine überlegenen Helden waren, sondern ein Nachklang der großen Macht der Jedi und Sith, quasi Teenager beim all zu ernsten Spiel. Und nur deshalb, dass unterstreicht Die letzten Jedi nochmal, konnte die untrainierte Rey ihren Gegner damals in Schach halten.

Charakter-Assasiniation? Unsinn.

Und Luke? Buhuhu, sie haben uns unseren jungfräulich reinen Luke Skywalker geklaut! Pustekuchen. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen im Universum, vor dem Hintergrund dieser dauertragischen Familiengeschichte und einem Kampf, der zu nichts zu führen scheint seit vielen Jahrzehnten, dessen beste Moment nur neues Leid vorbereiteten, ist es hoch plausibel, dass gerade dieser Charakter verbittert. Denn es sind oft die größten Idealisten, die an der Realität verzweifeln müssen und Luke, das war ja im original Star Wars so ein kleiner Sonnenschein, dass es kaum noch zu ertragen war. Doch wer seine Helden immer weiter kämpfen sehen will (und das wollen die Fans ja) muss wohl auch ertragen, dass es einen Moment gibt, ab dem niemand mehr sagen kann „hey, es wurden schon wieder Tausende meiner Freunde dahingeschlachtet, lass erstmal nen Caipi trinken und dann ein bisschen sandsurfen gehen“. Und natürlich ist der zynisch werdende Held genau eines dieser tradierten Topoi, für die Lucas sonst so gern gelobt wird…

Auch der gesammte Plot funktioniert ganz gut. Heldengeschichten und Actionstorys sind ja an sich relativ begrenzt. Star Wars macht nun, was ihm noch bleibt: Es unterläuft die eigenen Vorgänger. Wieder wird der Schwachpunkt eines großen Schiffes attackiert, diesmal aber sind die Verluste nicht zu rechtfertigen. Im zweiten Anlauf wird ein Plan mit ähnlichen Ziel lang vorbereitet und schlägt fehl. Vizeadmiral Holdo spielt derweil den vielleicht interessantesten Charaktere der Sequel-Reihe – eine „Gute“, die man aus ganzem Herzen hassen kann und die am Ende doch auf einem vernünftigen Pfad unterwegs war. Das alles ist im Ton näher an Rogue 1, dem bisher filmisch besten Star Wars, als am direkten Vorgänger oder den bisherigen sechs Hauptfilmen, wenn es die Konsequenz von Rogue 1 auch nicht ganz erreicht.

Endlich Ambivalenzen, die man halbwegs glauben kann

Und alle, die diese unsägliche Mary-Sue Debatte um Rey angestoßen haben können nun wirklich einmal den Mund halten. Rey ist, das wurde schon im ersten Teil deutlich, weder besonders gut am Schwert, noch mit der Macht, sie ist impulsiv, beinahe so nah daran, der Dunklen Seite zu verfallen, wie Kylo – sie ist wahrscheinlich der bisher am wenigsten einseitige Charakter auf Seiten der Jedi oder wie auch immer mit der Macht verbundene nach dem Ende des Ordens heißen… Luke in den Klassikern dagegen war, das zeigen heutige Reaktionen, pures Wish-Fullfillment. Hell, selbst die Enttäuschung, dass es keine große Enthüllung zu Reys Eltern geben könnte, ist doch eigentlich ein starker Move: Endlich einmal kein „Mein Vater war zu gut oder zu bösen und der Typ den ich im letzten Film geküsst habe war mein Bruder“ – Melodramakonflikt, der genauso gut in Verbotene Liebe oder General Hospital vorkommen könnte.

Die letzten Jedi ist für Star Wars verhältnisse ein durchdachter Film. Wenn das für einen Teil des Fandoms bedeutet, dass es ein schlechter Star Wars Film sein muss – spricht das gegen die Fans.
Gibt es nach all dem Lob etwas größeres zu meckern? Ja: Leias Soloflug durch kalte All ohne Raumschiff… WTF!?

Bild: Pixabay, gemeinfrei