Heute gibt es die 4. Folge der Blogschau „Störer der Nachtigall“ für DieKolumnisten. Mit bouvardpecuchet über einen Essay von Hannah Arendt, Schiefgelesen zum ersten Roman Truman Capotes sowie zum Womens Prize for Fiction, Michael Blume über den antisemitischen Verschwörungsglauben von Kollegah und Britlitscout über dasHogarth-Shakepeare Projekt und interessantes Literaturfestival.
In das Werk von Halldór Laxnes führt Wolfgang Schifferer ein, Michael Roes spricht mit Lust auf Lesen. und bei Postmondaen geht es um Videospiele von Indypendent-Entwicklern. Fragmentansichten berichtet vom PAN-Branchentreffen und dem Literaturcamp in Bonn, Buchpost untersucht deutschsprachige Erzählungen und Mareike Fallwinkel nennt 14 Gründe, warum man ein schlechtes Buch nicht zu Ende lesen sollte. Ein herausragendes Buch ist, der Rezension von Zeichen und Zeiten nach zu urteilen, Belladonna von Daša Drndić Ebenfalls spannend klingt Heimliches Berlin von Franz Hessel.

Außerdem möchte ich auf eines der schönsten (und traurigsten) Bücher der letzten Jahre hinweisen: Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar:

„(…) Denn Nachts ist es leise in Teheran ist auch ein schöner, fast ein elegant zu nennender Roman. In vier Gedankenströmen folgt die Erzählung erst dem links-revolutionären Behsad während der Aufstände gegen Mohammad Reza Pahlavi, deutet eine zarte Liebe zur Genossin Nahid an, und zwingt, dabei zuzusehen wie die Revolution immer mehr von islamistischen Kräften an sich gerissen wird. Erinnerungen an Gedichte von Hafis und Shamlou begleiten diesen Teil. Der nächste Charakter im Fokus ist dann Nahdi selbst, 1989 nach geglückter Flucht Richtung Deutschland, ambivalente Gefühle zwischen Neuorientierung und der Hoffnung auf baldige Rückkehr sind ein zentrales Thema, subtil unterlegt von Reflexionen auf Brechts Gedanken über die Dauer des Exils. Im dritten Teil reist Tochter Laleh mit der Mutter zurück nach Teheran, lernt Jugendliche kennen, die sich an Studentenprotesten beteiligt haben und zeigt sich oft überwältigt von einem Land, das ihr bisher mehr idyllische Kindheitserinnerung als real war. Ab jetzt bestimmt Popmusik stärker das Lebensgefühl der Protagonisten als klassische oder moderne Lyrik. Mo’s Studentenexistenz, bissige Kritik an, bei gleichzeitiger Verbundenheit mit der universitären Linken, der Blick auf die Proteste 2009, schließen Nachts ist es leise in Teheran im Hauptteil ab, ehe der kontrapunktische Monolog den Text endgültig ausklingen lässt. Sprachlich gelingt es dabei Bazyar, eine glaubwürdig-innerliche Erzählrhythmik und Melodie zu finden, die gerade genug variiert wird um die einzelnen Perspektiven voneinander abzugrenzen, ohne allzu bemüht zu wirken. Die Erfahrung von Gerüchen und die Übersetzung von Wahrnehmungen in am Fernsehen geschulten Bildern spielen eine starke Rolle darin, den Leser Sinneseindrücke sehr unmittelbar erfahren zu lassen (…)“

Bild: 2013-10-10 037 – von Mad Roodgoli – publich domain

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