Nach ein paar Unklarheiten das Veröffentlichungsdatum betreffend erscheint meine Besprechung von Die Ladenhüterin von Sayaka Murata jetzt im Rahmen meiner Sonntagskolumne:

„(…) Die Ladenhüterin von Sayaka Murata fasziniert: Durch das ohne jedes Moralisieren ausagierte Verhältnis der beiden Hauptcharaktere. Durch die überraschende Art und Weise, wie aus einer scheinbar konformitäts-kritischen Fabel eine wird, die Monotonie und Uniformierung zumindest ambivalent, tendenziell sogar positiv als Ausweg aus traditionell-patriarchalen Verhältnissen zeichnet. Und durch die äußerste Kürze und die lakonische Sprache, die dieser Thematik absolut angemessen sind (…)“

„(…) aber natürlich hat Keiko Gefühle. Damit etwa, dass die Welt sie einfach nicht zu akzeptieren scheint, kommt sie überhaupt nicht gut zurecht. Schließlich findet sie eine ihr gemäße Existenzweise innerhalb der eng abgesteckten Regeln eines Konbini, eines Convenience-Stores. Doch was Eltern und Umfeld während des Studiums freut, wird umso skeptischer beäugt, je länger Keiko weder heiratet, noch eine „richtige“ Karriere anstrebt. Mit 36 existiert sie nur noch halbwegs unbehelligt dank eines Netzes von Ausreden, das ihr die Schwester zurecht gelegt hat.

Dann (und ungefähr in der Hälfte des Romans) kommt es zu einem Einschnitt: Im Konbini fängt der widerspenstige Shihara an, der – wie Keiko schnell bemerkt – ebenfalls „anders“ ist. Allerdings anders anders. Shihara ist überzeugt, die heutige Zeit unterscheide sich kaum von der Jōmon-Periode: Es gelte das Recht des Stärkeren, „kranke“ Elemente würden von der Gesellschaft ausgestoßen, die „Alphamänner“ bekämen alle Frauen, und überhaupt gehörten Frauen eigentlich an den Herd (…)“

Pixabay, gemeinfrei